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Milchproduktion

landlive: Starke EU-Milchbauern und Klage gegen Quotenaus

von , am
28.08.2015

Die Milch erhitzt wieder die Gemüter. Der Preis ist unten, der BDM organisiert eine Sterndemo, Kommissar Phil Hogan sagt klar "No" zu einer neuen Regulierung á la Milchquote. Wie sehen es die landlive-User?

Nach guten Auszahlungspreisen über die meiste Zeit des vergangenen Jahres gab der Milcherzeugerpreis in den letzten Monaten deutlich nach. © A.Azhmukhanov/Fotolia
Den landlive-Thread "EU-Milchbauern und Molkereien enorm konkurrenzstark" öffnet User schlepperbande mit den Worten: "Manchmal werden Qualitäten erst in der Krise deutlich sichtbar. So ist auch die jetztige Milchpreisschwäche der Zeitpunkt, die Stärken der EU-Milchwirtschaft unter Beweis zu stellen. Das China und Russland sich beim Import einschränken, liegt in deren Ermessen und nicht an der mangelnden Konkurrenzfähigkeit der EU-Mopros. Außerhalb dieser Staaten erfreut sich der EU-Export guter Entwicklungen."
 
rocknrolldirk wirft dazu ein: "Wir haben einen Heimatmarkt der bei niedrigen Preisen aufnahmefähig ist und so Dellen im Export ausgleichen kann. Deshalb können wir auch in Preiskrisen ungebremst weiterproduzieren, ohne dass die Milch wirklich liegen bleibt-dadurch sind wir dann in Zeiten in denen der Export gut läuft sofort voll da und können Geld verdienen."
 
Doptrebo90 meint: "Viele Milchviehhalter träumen immer noch von ihren 30 Kühen in Anbindehaltung, der Stall wird nie kaputt und das Milchgeld kommt monatlich mit 0,45 €/kg. Aber die Zeiten haben sich auch geändert. Heute hat sich doch die Arbeitszeit je kg Milch deutlichst gesenkt! Wo früher das Betriebsleiterehepaar + Altenteiler am werkeln waren, würde heute auch eine Person locker reichen! Dank größere Maschinen in der Außenwirtschaft und der modernen Stalltechnik."

Wie sieht es Übersee aus?

Andi24 erzählt von seinen Erfahrungen: "Letzte Woche war einer bei mir, der vor 18 Jahren nach Kanada ausgewandert ist. Bei uns hatte er Milchvieh, drüben hat er nur noch Ackerbau. Irgendwann sind wir dann auf die Preise gekommen. Die haben noch die Milchquote, die auch sehr streng eingehalten werden muss. Gebaut werden darf auch nur, wenn er bereits Quote gekauft hat. Aktuell haben sie einen Preis von umgerechnet 75 cent, allso das dreifache wie bei uns."
 
Darauf entgegnet The_Fox: "Euro-Cent oder kanadische Cent? Der Wechselkurs liegt momentan bei 1 Euro zu 1,52 kanadische Dollar, dann wären es nur noch knapp 49 Euro-Cent je Liter. Und man darf auch nicht vergessen, dass die kanadische Quote in der Vergangenheit irgendwas zwischen 1,5 und 2,5 Euro je Kilogramm gekostet hat. Also darf man schon bis zu über 30.000 Euro für die Quote hinblättern wenn man sich eine zusätzliche Kuh anschaffen will. Stallplatzkosten und Umlaufkapital kommen noch obendrauf."

Mögliche Klage gegen Ende der Milchquote?

In einem zweiten Thread zum Thema "Superabgabe" macht Josef8 einem anderen Landwirt Mut:"Eigentlich wäre die Quote schon 2000 ausgelaufen und jeder hat es gewusst, dass es so kommt. Schau dass du deine Produktionskosten in den Griff bekommst, es wird schon wieder aufwärts gehen. Es ist ungefähr so, wie wenn ein Pachtvertrag nicht mehr verlängert wird und du den Vertrag einklagen willst. Im übrigen waren die Preise mit der Quote auch manchmal grausam vor allem wenn man noch die Quotenkosten wegrechnen musste."
 
Dem entgegnet Binemaja: "Es gibt schon einige juristische Ansätze, gegen das letzte Jahr zu klagen. Ich suche Leute, die da auch eine Chance sehen. Ich sehe da absolut keinen Zusammenhang mit einem gekündigten Pachtvertrag. Mir geht es um die politischen Rahmenbedingungen, die uns Milchbauern da aufgezwungen wurden. Das möchte ich nicht einfach so hinnehmen. Hast du Unser Land gesehen mit der Milchbäuerin die gegen das Hotel Widerstand geleistet hat? So seh ichs auch versuchen muss man es wenigstens!"
 
altilla nimmt dem jedoch den Wind aus den Segeln: "Ich lass dir deine Illusionen und du lässt dem Rechtsanwalt sein Geld. Er sieht sicher Chancen und freut sich auf die Klage, denn er gewinnt auf alle Fälle. So weit mir bekannt, hat man im Herbst letzten Jahres von Seiten der EU nochmal die Verordnung nachgebessert, um solche Klagen keine Chance zu geben."
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