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Milchviehfütterung

Die Maisalternative: Ganzpflanzensilage

Getreidesilage als Futter
am Donnerstag, 04.06.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Bei knappen Futterreserven kann es interessant sein, über Getreide als Futterpflanzen nachzudenken. Dabei ist vor allem die Ganzpflanzensilage (GPS) interessant.

Grundsätzlich eignen sich alle Getreidearten, um sie als Frischfutter für Rinder zu verwenden. Welche zum Einsatz kommen, hängt vom Standort, von der Einordnung in die Fruchtfolge und von der beabsichtigten Nutzung ab. Dabei sind zwei Verfahrensrichtungen zu unterscheiden:
Getreide kann als Grünfutter beziehungsweise zum Silieren als Grünschnittgetreide in einem frühen Vegetationsstadium, vor dem Ähren- beziehungsweise Rispenschieben, genutzt werden. Eine lange Tradition hat hier der Grünschnittroggen (Futterroggen) als Winterzwischenfrucht und als frühes Grünfutter vor der Weideperiode beziehungsweise zum Silieren.
Oder aber man nutzt es als Silage zwischen Milch- und Teigreife (Milchwachsreife), das heißt, einige Wochen vor der Ernte als Körnergetreide. Das bezeichnet man üblicherweise als Getreideganzpflanzensilage (GPS).

Unterschiedliche Motive für GPS-Anbau

Hier soll es um die Ganzpflanzensilage gehen. Sie ist besonders in den Grenzlagen für den Silomaisanbau interessant. GPS lässt sich gut mit Grassilagen kombinieren. Zur Silierung haben sich Wintergerste, Winterweizen und Triticale bewährt, während sich Winterroggen aufgrund seines weiteren Korn-Stroh-Verhältnisses weniger gut eignet.
Getreideganzpflanzensilagen bieten sich auch an, wenn Getreide als Deckfrucht genutzt wird. Hier haben sich vor allem Sommergerste, aber auch Hafer als Deckfrucht für Welsches Weidelgras, Luzerne oder Klee bewährt. Je nach Standort kommen unterschiedliche Varianten vor. Auch wenn der Grobfutterbedarf aus Witterungsgründen nicht gedeckt werden kann, kann es interessant sein, Getreideflächen als GPS zu nutzen.
 

Der beste Erntezeitpunkt

Die Verdaulichkeit der Gesamtpflanze nimmt bis zum Zeitpunkt nach der Blüte deutlich ab. Danach wird sie durch die Kornbildung kompensiert und steigt bis Ende der Milchreife an, um danach wieder leicht abzufallen. Der optimale Schnittzeitpunkt liegt daher zwischen der Milchreife und dem Beginn der Teigreife, im Stadium der Milchwachsreife. Die Halmknoten, Grannen und oberen Blätter sollten noch grün sein, während der Halm bereits gelb wird.
Der Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) der Ähre beträgt in diesem Stadium bei der Gerste 45 bis 50 Prozent, beim Weizen 40 bis 45 Prozent und nimmt täglich um 0,5 bis 1 Prozent zu. Dabei steigt der Stärkegehalt um 1 bis 2 g pro Tag während der Rohfasergehalt im gleichen Zeitraum um 0,5 bis 1 Prozent abnimmt.

Der Korninhalt soll bei der Nagelprobe noch spritzen. Bei Kurzstrohsorten und gutem Kornansatz, besonders bei Weizen, kann man zur Ernte auch den Beginn der Teigreife abwarten. Gewöhnlich liegt der Erntezeitpunkt je nach Witterungsbedingungen zwei bis drei Wochen vor dem Mähdruschtermin. Entscheidenden Einfluss auf den Futterwert hat das Korn-Stroh-Verhältnis. Es hängt von der Getreideart, dem Standort, der Düngung und anderen agrotechnischen Maßnahmen ab. Bei einem Korn-Stroh-Verhältnis von 1:1 liegt der TS-Gehalt der Gesamtpflanze zwischen 32 und 38 Prozent. Zum Erntezeitpunkt darf der TS-Gehalt 40 Prozent nicht überschreiten. Andernfalls gibt es erhebliche Probleme beim Verdichten des Ernteguts im Silo, da Getreidehalme eine stabile Röhrenstruktur aufweisen (Lufteinschluss).

Worauf bei der Ernte achten

Um Ährenbruch, Feldverluste und Verschmutzung zu vermeiden, sind Getreideganzpflanzen mit dem Feldhäcksler (Exakthäcksler) zu ernten. Er sollte mit einer Vielmessertrommel und einem Reibboden beziehungsweise mit Quetschwalzen ausgerüstet sein. Wird der optimale Schnittzeitpunkt in die Teigreife hinein überschritten, ist es sicherer, einen Korncracker zu verwenden, um Energieverluste durch unverdaute Körner zu vermeiden.

Die theoretische Häcksellänge liegt zwischen 6 bis 10 (maximal 20) mm, wobei sich  Material mit einer kurzen Häcksellänge immer besser verdichten lässt und das selektive Fressen der Mischration mindert. Um zu kontrollieren, ob die Partikelgrößenverteilung optimal ist, kann man ein Schüttelsieb nutzen. Hier gilt in der lufttrockenen Substanz:

  • Siebgröße größer 19 mm: Partikelanteile von 10 bis 15 Prozent,
  • Siebgröße 8 bis 19 mm: Partikelanteile von 40 bis 50 Prozent,
  • Siebgröße 1,2 bis 7,9 mm: Partikelanteile von 40 bis 50 Prozent,
  • Siebgröße kleiner 1,2 mm: Partikelanteile weniger als 2 Prozent.

Gute Siliereigenschaften

Erntet man Getreidepflanzen zum optimalen Zeitpunkt, weisen sie einen Zuckergehalt von 50 bis 60 g/kg TS auf. Das Verhältnis von Zucker zur Pufferkapazität ist im günstigen Bereich größer als zwei. Der Vergärbarkeitskoeffizient sollte über 45 liegen und beträgt in der Regel 55 bis 60. Somit besitzen Getreideganzpflanzen gute Siliereigenschaften.
 

Erntezeit bestimmt Futterwert

Der Gebrauchswert von Silagen charakterisiert sich durch den Futterwert und die Kennzahlen der Gärqualität. Sie gibt auch die entsprechenden Orientierungswerte an. In den Jahresdurchschnittswerten wird deutlich, dass die Unterschiede zwischen den Jahren gering sind. Zu beachten ist der relativ hohe Kaliumgehalt. Entsprechend dem Futterwert (möglichst als Ergebnis einer Laboruntersuchung) ist GPS in Rationen für Milchkühe und Jungrinder einzusetzen. Dabei lässt sich die Silage als zweite Komponente in grassilagebetonten Rationen nutzen, wenn keine Maissilage verfügbar ist. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet sind Rationen für Jungrinder ab dem siebten bis achten Lebensmonat. Hier kann man GPS in späteren Abschnitten auch als alleiniges Grobfutter füttern.
 

Fazit

Getreideganzpflanzensilagen erfordern die richtige Schnittzeitspanne ab Milchreife des Korns. Dabei ist das Stroh-Korn-Verhältnis zu beachten. Außerdem ist es wichtig, das Siliergut ausreichend zu zerkleinern und zu verdichten. GPS sind ein geeignetes Grobfutter als zweite Komponente in Grassilagerationen und in Rationen für weibliche Jungrinder. GPS können Lücken füllen, wenn nicht ausreichend Grobfutter von Hauptfutterflächen verfügbar ist.

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