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Kuhgesundheit

Mastitis: Eutertuben richtig verabreichen

Euterinjektion
Dr. Frajo Siepelmeyer/Land&Forst
am
17.10.2016

Euterinjektoren spielen in der Mastitistherapie eine wichtige Rolle. Doch die richtige Verabreichung ist kein Kinderspiel. Das ist dabei zu beachten.

In vielen Milchviehbetrieben werden Arzneimittel von den Tierhaltern oder den für die Tierhaltung verantwortlichen Personen nach tierärztlicher Verordnung verabreicht. Gerade bei der Verabreichung von Eutertuben werden häufig Fehler gemacht. Eine falsche Handhabung und unzureichende Hygienemaßnahmen schmälern nicht nur den Behandlungserfolg, sie erhöhen das Risiko einer Neuinfektion mit Masitis deutlich.

Kontamination vermeiden

Der Euter ist ein kompliziertes Organ. Der Strichkanal ist nicht nur eine Zitzenöffnung, sondern besitzt verschiedene Mechanismen, um das Eindringen von Mastitiserregern zu verhindern. Jede Irritation und Kontamination reduziert, oft dauerhaft, das Potenzial des Strichkanals, Infektionen abzuwehren. Daher ist Hygiene bei der Benutzung von Eutertuben das A und O.

Die Injektoren sollten handwarm sein, aber auf keinen Fall im Wasserbad erhitzt werden. Ein warmes Wasserbad widerspricht den Lagerungsbedingungen und erhöht die Kontaminationsgefahr. Das Tragen von Einmalhandschuhen ist zwingend erforderlich. Nach der Behandlung einer Mastitiskuh müssen die Handschuhe gewechselt werden.

Die kurze Instillation

  • Vor dem Einführen der Eutertube werden die Zitzen und insbesondere die -spitzen gründlich mit einem Alkoholtuch desinfiziert und dann wird abgewartet, bis der Alkohol abgetrocknet ist.
  • Danach wird die obere Hälfte der Schutzkappe der Eutertube entfernt, dabei sollte die nun freigelegte Spitze auf keinen Fall berührt werden.
  • Die Eutertubenspitze wird anschließend maximal 4 bis 5 mm tief in den Strichkanal eingeführt, der komplette Tubeninhalt entleert und hochmassiert.
  • Nach der Behandlung werden die Zitzen gedippt.

Anders ist es bei der konventionellen langen Instillation. Hierbei wird die gesamte Injektorspitze freigelegt und bis zum Anschlag in die Zitze eingeführt. Dadurch wird der Strichkanal geweitet und die Gefahr intramammärer Neuinfektionen steigt.

Behandlungshäufigkeit gering halten

Eine Behandlung sollte nicht häufiger und länger vorgenommen werden als notwendig, da dadurch die Irritation und Kontaminationsgefahr steigt. Eutertuben, die nur einmal täglich angewandt werden müssen, haben hier einen deutlichen Vorteil. Hinsichtlich der Behandlungsdauer haben Untersuchungen allerdings gezeigt, dass bei bestimmten Mastitisfällen (erstmalige Mastitiden durch Strep. uberis) eine verlängerte Therapie über fünf Tage die Rückfallrate deutlich reduziert.

Hygiene bei Mehrfachentnahme

Neben den Eutertuben stehen für die intrazisternale Anwendung auch Flaschen für eine Mehrfachentnahme zur Verfügung. Bei der Anwendung solcher antibiotischer Präparate gilt peinlichste Sauberkeit. Vor der Entnahme sollte der Verschlussstopfen mit Alkohol desinfiziert werden.

Für jede Entnahme muss eine neue Kanüle und für jede Verabreichung eine neue Einmalspritze verwendet werden. Wird dies nicht beachtet, besteht die Gefahr, dass gefährliche Mastitiserreger wie Hefen und Prototheken in die antibiotischen Lösungen gelangen und dann ins Euter übertragen werden. Unheilbare Mastitiden sind die Folge. Besser ist es, auf solche Mehrfachentnahmesysteme vollständig zu verzichten.

Schritte bei der Trockenstellbehandlungen

Die für die Laktationsbehandlung geltenden Hygienestandards sind erst recht für die Trockenstellbehandlung gültig, egal ob sie mit antibiotischen Trockenstellern, mit Zitzenversieglern oder mit beiden erfolgt.

  • Die gründliche Desinfektion der Zitzenspitzen vor der Applikation der Trockensteller beginnt mit den am weitesten entfernten Zitzen. Zuletzt werden die körpernahen Zitzen desinfiziert.
  • Die Trockensteller werden dagegen in umgekehrter Reichenfolge verabreicht, um so eine erneute Kontamination zu vermeiden.
  • Vor dem Einbringen von Zitzenversieglern muss die Zitzenbasis mit zwei Fingern abgedrückt werden, damit der Wirkstoff im unteren Zitzenbereich verbleibt.
  • Ein Hochmassieren, das bei antibiotischen Trockenstellern gerne gemacht wird, muss bei Zitzenversieglern unbedingt unterbleiben.
  • Als letztes werden die Zitzen gedippt oder zusätzlich mit einem externen Zitzenversiegler versehen.

Fieberhafte Euterentzündungen systemisch behandeln

Bei fieberhaften Euterentzündungen mit Störungen des Allgemeinbefindens (Hinweise auf Blutvergiftung) ist die systemische Behandlung sehr viel wichtiger als die intrazisternale. Aber auch bei erstmaligen, leichten oder moderaten Mastitiden ist eine intensive Therapie (lokale plus systemische Behandlung) sinnvoll, um die Rückfallrate zu reduzieren.

Werden Antibiotika systemisch verabreicht, ist darauf zu achten, dass sie die Blut-Euter-Schranke durchdringen können. Auch Entzündungshemmer (NSAIDs), die heute zu jeder Mastitisbehandlung dazugehören sollten, werden systemisch verabreicht.

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