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Melken

Melkkarussell oder Melkroboter?

Für Steffi und Rainer Schreck war klar: Gemolken wird im Melkstand. Ist die Melkarbeit erledigt, ist sie auch aus dem Kopf. Dabei schafft eine Person 200 Kühe in zwei Stunden.

am Sonntag, 13.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Auf die Frage, warum sie sich für ein Karussell entschieden haben und nicht etwa für einen Melkroboter, reagieren Steffi und Rainer Schreck schon fast ein bisschen genervt. „Die Frage bekommen wir oft und wir hatten bei der Planung des Stalls im Jahr 2018 auch an Melkrobotertechnik gedacht“, erklärt der Milchviehhalter, doch dann habe sich für sie schnell herausgestellt, dass die Technik für sie nicht passt. „Wir hatten uns im Vorfeld mit Roboterkollegen unterhalten. Die sagten uns, dass man 24 Stunden am Tag abrufbar sein muss. Das wollten wir nicht“, erklärt Steffi Schreck die Entscheidung. „Wir melken zweimal am Tag zwei Stunden und reinigen jeweils eine halbe Stunde und dann ist die Arbeit für uns erledigt und das Melken ist aus dem Kopf.“

Dabei war das Entscheidende für die Familie, dass eine Person das Melken erledigen kann. „Wir haben uns verschiedene Systeme angesehen, sowohl Gruppenmelkstände als auch Innenmelkerkarusselle, aber wir fanden, dass es im Außenmelker am besten funktioniert, allein zu melken“, erklärt die 39-Jährige. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei rund 28 l Milch (bei 4 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß). Seit 2019 melkt sie jetzt im 32er-Außenmelkerkarussell rund 200 Kühe in zwei Stunden. Damit das funktioniert, befindet sich vor dem Ausgang ein Dipproboter, der die Zitzen zum Schluss einsprüht. „Die Technik ist simpel. Mittels Lichtschranken weiß das System, ob sich eine Kuh auf dem Melkplatz befindet und ob das Melkzeug abgehängt ist. Wenn das der Fall ist, fährt der Roboterarm aus und sprüht das Dippmittel auf das Euter“, erklärt der Landwirt das System. Die Trefferquote läge bei rund 90 Prozent. Das hätten Forscher auf ihrem Betrieb ermittelt.

Melkarussell: Automatisch Dippen

Rainer und Steffi Schreck

Rund 25 ml Dippmittel werden pro Besuch versprüht. „Wir benötigen etwas mehr Flüssigkeit und die Technik schafft keine 100 Prozent, aber sie ermöglicht uns das Melken mit einer Person und kostete rund 8.000 Euro“, erklärt Schreck. Dass die Dippautomatik nötig ist, hätten sie gesehen, als sie kürzlich ausgefallen war. Da gingen die Zellzahlen schnell in die Höhe. In der Regel lägen diese zwischen 150.000 und 200.000 Zellen/ml Milch.

Mittels Display hat die Milchviehhalterin jeden Melkplatz im Auge, auch wenn er sich auf der anderen Seite befindet. „Tritt eine Kuh das Melkzeug herunter, schließe ich den Platz und sie macht eine zweite Runde. Ich muss keinem Tier hinterherlaufen“, erklärt sie. Das System informiert über die Leitfähigkeit der Milch und gibt der Landwirtin bei Überschreiten des Grenzwerts ein rotes Signal auf dem entsprechenden Melkplatz.

Die kurze Melkzeit erklärt sich aber auch durch die Organisation im Stall. Während Steffi Schreck melkt, treibt ihr Mann Rainer die Kühe in den Vorwartehof, zuerst die Hochleistenden, danach die Niederleistenden und zum Schluss die Kühe mit besonderen Ansprüchen, wie zum Beispiel Kannenmelker. „Bei der dritten Gruppe hilft Rainer im Melkstand mit. Da kann es mitunter etwas hektischer werden, wenn man allein ist“, erklärt die Milchviehhalterin.

Der Landwirt kommt insbesondere im Winter gerne einmal in den Melkstand. Der Stall ist als offener Couchettenstall ausgelegt und da ist es in der kalten Jahreszeit manchmal etwas ungemütlich. „Nicht für die Tiere, denen geht es bei minus 20 °C immer noch gut, aber ich komme dann gerne einmal in den von der Biogasabwärme aufgeheizten Melkstand“, erklärt der 41-Jährige.

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