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Gummi, Harz oder Asphalt

Melkstandböden sanieren: Wenn es schnell gehen muss

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am Dienstag, 28.06.2022 - 10:18 (Jetzt kommentieren)

Er wird täglich stark beansprucht: Der Boden im Melkstand muss widerstandsfähig sein. Wenn er irgendwann doch verschlissen ist, muss das Sanieren schnell gehen. Wir zeigen, mit welchen Materialien das möglich ist.

Melkstand-Quarzsand-Boden

Hunderte von Tritten muss er täglich aushalten. Mindestens zweimal am Tag wird er mit einem harten Wasserstrahl gereinigt. Kotreste, Harnsäure und Feuchtigkeit dürfen ihm nichts anhaben. Melkstandböden müssen Tag ein Tag aus einiges aushalten, doch auch den widerstandsfähigsten unter ihnen erwischt es einmal. Er nutzt sich mit der Zeit ab, wird rutschig, glatt und zum Teil sogar löchrig.

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Spätestens dann muss der Bodenbelag im Melkstand erneuert werden. Das ist ein logistisch aufwendiges Unterfangen, denn die Sanierung muss meist im laufenden Betrieb zwischen zwei Melkzeiten durch- geführt werden.

Für eine zügige Erneuerung des Bodens kommen daher nur Verfahren infrage, die schnell aushärten und kurze Wartezeiten haben. Epoxidharzbeschichtungen, die innerhalb kurzer Zeit aushärten, sowie Gummibeläge und Gussasphalt bieten sich daher für eine zügige und haltbare Sanierung des Melkstandbodens an.

Epoxidharz auf festem Untergrund

Herkömmliche Beschichtungen aus Epoxidharz und Quarzsand benötigen zum Aushärten etwa eine Woche. Erst dann ist eine volle Belastung des Bodens wieder möglich. Die Industrie hat jedoch Lösungen entwickelt, die deutlich schneller aushärten und zum Teil sogar auf noch feuchten Böden ausgebracht werden können.

Epoxidharzbeschichtungen lassen sich nur auf einem festen Untergrund auftragen. Dabei ist es unerheblich, ob dieser aus intakten, aber abgenutzten Fliesen oder Beton besteht. Die Epoxidharzschichten sind nur einige Millimeter dick, sodass sich die Arbeitshöhe im Melkstand nicht ändert. Auch das Ausgleichen von Löchern und Vertiefungen im alten Untergrund ist dank des fließenden Materials möglich.

Nachteilig am Sanieren mit Epoxidharz ist, dass das Material sehr akribisch und genau aufgetragen werden muss. Die Mischungsverhältnisse der Grundkomponenten für das Epoxidharz und die Anrührzeiten müssen exakt eingehalten werden.

Um die Gefahr von Verarbeitungsfehlern zu minimieren, sollte das Sanieren des Melkstandbodens nicht in Eigenleistung, sondern von einer Fachfirma durchgeführt werden. Die Materialkosten für Epoxidharzbeschichtungen liegen zwischen 45 und 75 Euro/m².

Leicht sanieren mit Gummi

Für das Sanieren des Melkstandbodens in Eigenleistung bieten sich Gummimatten an. Sie lassen sich ganz einfach auf Beton oder Gussasphalt auslegen. Allerdings müssen ausgetretene Stellen und Vertiefungen im Boden zuerst mit einer entsprechenden Masse verfüllt werden.

Hierzu eignen sich Spachtel- und Reparaturmassen. Sie sind in der Regel nach etwa zwei bis drei Stunden begehbar, jedoch erst nach 24 Stunden voll belastbar. Bei größeren Löchern im Melkstandboden ist das Sanieren zwischen zwei Melkzeiten damit nicht möglich.

Die Gummimatten selbst sind als Bahnenware oder als Einzelmatten auf dem Markt verfügbar. Viele Stützen und Pfeiler im Melkstand erschweren das Verlegen der Gummibahnen. Einzelne Matten sind dagegen flexibler einsetzbar. Ecken und Aussparungen können leicht mit einem scharfen Messer zugeschnitten werden.

Die Matten sind zwischen 15 und 24 mm dick, sodass sie noch keine Veränderung der Arbeitshöhe im Melkstand bewirken. Die Materialkosten für das Sanieren mit Gummimatten liegen zwischen 45 und 55 Euro/m².

Weich laufen

Die Matten sind mit einer Gripp- oder Hammerschlagoberfläche ausgestattet. Besonders das Hammerschlagprofil lässt sich leicht reinigen und bietet damit eine gute Hygiene im Melkstand. Zudem haben die Matten ein Noppenprofil an der Unterseite. Es macht das Material noch nachgiebiger und sorgt für eine gleichmäßige Lastenverteilung auf beide Klauenhälften der Kühe.

Die Druckempfindlichkeit nimmt dadurch deutlich ab. Zudem bieten Gummimatten den Tieren eine gute Rutschfestigkeit, da die Klaue einsinkt. Die Kühe nehmen das nachgiebige Material gern an. Sie laufen sicher und stehen entspannt im Melkstand.

Gummi dehnt sich bei Wärme aus. Das sollte beim Verlegen der Matten berücksichtigt werden. Zur Melkgrube sollte daher ein Abstand von etwa 1 cm, zur Wand sogar von 2 bis 10 cm eingeplant werden. Auch in ihrer Längsrichtung darf die Matte nicht gestaucht werden.

Bei niedrigen Temperaturen müssen auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Matten und Mattenbahnen so verlegt werden, dass ein kleiner Spalt sichtbar bleibt. So kann sich die Matte bei höheren Temperaturen auch in ihrer Längsrichtung ausdehnen.

Bei der Befestigung der Matten gilt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Hierfür bieten sich Nageldübel an, die an der Seite zur Melkstandgrube verbaut werden sollten. Das hält die Matte auf Zug, wenn die Kuh nach dem Betreten auf der Matte abbremst. Bei einem Untergrund aus Gussasphalt muss darauf geachtet werden, dass die Dübel etwas länger sind, damit sie bis in den darunter liegenden Beton reichen.

GussAsphalt auf GussAsphalt

Der Einsatz von Gussasphalt für das Sanieren des Melkstandbodens bietet sich dann an, wenn auch der alte, verschlissene Boden aus Asphalt besteht, denn dann ändert sich die Arbeitshöhe nicht. Wird der Gussasphalt dagegen als eine zusätzliche Deckschicht aufgebracht, erhöht sich die Standfläche der Kuh um etwa 3 cm. Daher ist das Sanieren mit Asphalt nur zu empfehlen, wenn die höhere Standfläche auch zu der gegebenen Arbeitshöhe, den Abkantungen und den Wasserabflüssen passt.

Für das Aufbringen von Gussasphalt muss der Untergrund lediglich tragfähig sein. Ansonsten muss er keine besonderen Anforderungen erfüllen. Auch Löcher und Vertiefungen im Boden können mit Asphalt ausgeglichen werden. Sie müssen vor dem Auftragen nicht extra verfüllt werden.

Zudem lässt sich mit dem Material das Bodengefälle anpassen oder sogar ändern. Auch Stützen und Pfeiler lassen sich dank des fließfähigen Materials leicht einarbeiten. Gussasphalt eignet sich für den Einsatz im Stall besonders, denn er ist bei entsprechender Herstellung säurebeständig.

Bei einer Fläche von etwa 30 m² muss mit Kosten von rund 1.800 Euro gerechnet werden. Bei kleineren Flächen können höhere Quadratmeterkosten entstehen, da der Festkostenblock für den Lkw, die Anfahrt und die Arbeitskräfte bestehen bleibt. Dementsprechend sinken mit steigender Fläche meist die Quadratmeterpreise. Beim Beauftragen der Firma sollte darauf geachtet werden, dass diese eine Zulassung für landwirtschaftliche Bauten hat.

Soll neuer Gussasphalt den alten Belag im Melkstand ersetzen, muss dieser entfernt werden. Der Aufwand hierfür ist überschaubar, denn Gussasphalt wird meist auf eine Trennlage aufgetragen und lässt sich damit leicht ablösen. Für eine zusätzliche Deckschicht aus Gussasphalt müssen die seitenlosen Kanten eingefasst werden. Nasse Untergründe müssen zunächst mit einem Dachpappenbrenner getrocknet werden, da sich sonst Wasserdampfblasen im heißen Belag bilden können. Bei einem Untergrund aus Fliesen wird außerdem empfohlen, rasterförmige Entspannungsschnitte anzulegen. Auf diese Weise haben die Fliesen Platz, sich beim Auftragen des heißen Gusses auszudehnen, ohne nach oben zu drücken.

Fazit

Das zügige Sanieren des Melkstandbodens ist möglich und lässt sich oft gut zwischen zwei Melkzeiten unterbringen. Wichtig bei der Wahl des passenden Verfahrens ist die Beschaffenheit des alten Untergrunds. Beim Einsatz von Gummimatten und Epoxidharz muss beim Erneuern des Bodens genau gearbeitet werden und Löcher müssen eventuell mit Spezialmasse verfüllt werden. Beim Einsatz von Gussasphalt als zusätzliche Deckschicht auf einen alten Bodenbelag sollte die Arbeitshöhe in der Melkgrube unbedingt im Auge behalten werden.

Epoxidharz und Gussasphalt können im Gegensatz zu Gummimatten nicht in Eigenleistung verbaut werden. Allerdings erschweren viele Pfeiler und Stützen das Verlegen der Gummimatten. Alle drei Verfahren bieten den Tieren einen rutschfesten Untergrund. Auch die Wartezeit, bis sie wieder betretbar sind, beträgt nur wenige Stunden. Die Kosten liegen bei allen Verfahren zwischen 45 und 60 Euro/m², wobei sich Gussasphalt besonders bei großen Flächen rechnet. ●

Aus den Betrieben: Benni Hostert, Großkampenberg, Eifelkreis Bitburg-Prüm

Melkstand

Wir haben in unserem 23 Jahre alten Doppelachter Fischgrätenmelkstand Gummimatten auf den Fliesen verlegt. Es funktioniert gut. Die Kühe sind viel entspannter, weil sie keine Angst mehr haben auszurutschen.

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