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Milchmarkt

Milch: Die Anforderungen für Bauern steigen

Huber-Ludwig-GVB
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Josef Koch, agrarheute
am
20.10.2017

Viele Molkereien sehen Milch aus gentechnikfreier Fütterung schon als Standard. Im Hintergrund arbeiten sie an neuen, höheren Auflagen.

Lidl-Milch mit Tierschutzlabel

In den kommenden Jahren müssen sich Milchbauern auf immer höhere Anforderungen in der Milcherzeugung einstellen. „Milch ohne gentechnisch veränderte Futtermittel kann man zumindest in Bayern schon fast als Standard bezeichnen“, führte Ludwig Huber, Genossenschaftsverband Bayern (GVB), auf der LfL-Jahrestagung „heimischen Eiweiß“ aus.  Nach seiner Schätzung dürfte alleine in Bayern der Anteil der Milch aus gentechnikfreier Fütterung Ende 2017 schon bei 67 Prozent liegen. Tendenz steigend.

Bayerische Molkereigenossenschaften setzen dabei sogar noch stärker auf den Trend der GVO-freien Milch. „Unsere interne Erhebung zeigt, dass Ende 2017 die bayerischen Molkereigenossenschaften schon 79 Prozent Milch aus gentechnikfreier Fütterung erfassen werden“, meinte Huber. Von 11 Molkereigenossenschaften, die in Bayern Milch erfassen, verzichten zwei derzeit auf die Erfassung GVO-freier Milch. Fünf Molkereien werden Ende des Jahres komplett die Erfassung auf GVO-freie Milch umgestellt haben, erwartet der GVB-Milchexperte.

Schon jetzt gibt es einige Molkereigenossenschaften wie Milchwerke Berchtesgadener Land oder Bayernland, die den GVO-Zuschlag nicht mehr getrennt ausweisen. 

Bundesweit geringerer Anteil

Bundesweit wird der Anteil der Milch aus Milch aus gentechnikfreier Fütterung  aber noch geringer sein. Laut AMI soll er Ende 2017 bei rund einem Drittel liegen.

Dabei können die Molkereien oftmals gar nicht so viel Milch auch als GVO-frei vermarkten. Huber schätzt den Anteil in Bayern auf etwa die Hälfte, in Deutschland liegt er noch darunter. Denn in anderen europäischen Ländern (außer Österreich) und im Export ist Milch aus gentechnikfreier Fütterung nicht gefragt. „Daher können die Molkereien auch keine Zuschläge dafür erzielen“.


 

Bald Abschläge für Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung?

Huber ist sich aber angesichts der starken Stellung des Lebensmittelhandels sicher, dass auf die Milchbauern noch höhere Anforderungen zukommen werden.

Als nächstes rechnete der GVB-Milchexperte, dass der Handel verlange, auf Futter aus Übersee zu verzichten. Daneben gibt es weitere Ansätze, keine Milch mehr aus der ganzjährigen Anbindehaltung von Kühen zu erfassen, wie es derzeit die österreichische Salzburg Milch mache.

„Ein solcher Standard wird vor allem Bayern hart treffen“, warnt Huber. Müssen Molkereien künftig diese Milch getrennt erfassen und vermarkten, hält er auch Preisabschläge für Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung für realistisch.

Zudem beginnt der LEH zum Beispiel Lidl und Aldi auch Milch mit Tierschutzlabel zu vermarkten. Bisher seien dies noch kleine Marktsegmente. Doch der GVB-Milchexperte Huber befürchtet, dass sich daraus schnell ein weiterer Standard für die Milcherzeugung entwickeln könne, wenn andere LEH-Ketten nachziehen.     

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