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Risikomanagement

Milch: Gegen Preisrisiken an der Börse absichern

Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
02.12.2016

Molkereigenossenschaften betonen den Nutzen der Preisabsicherung bei der Milch an Warenterminbörsen, um Preisschwankungen auszugleichen.

"In einem globalisierten Markt wird es immer wieder zu Preisschwankungen kommen, denen sich die nationalen Märkte nicht entziehen können. Vor allem die Folgen dieser Volatilität, die auch in den Zeiten der Milchquote nicht verhindert werden konnten, gilt es, mit modernen Mitteln abzufedern", unterstrich Dr. Thomas Memmert, Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) beim Molkereistrukturgespräch mit Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU).

Dafür kann die Warenterminbörse auch für die Milch ein geeignetes Mittel sein. Aktuell wurden im Jahr 2016 bereits knapp 70.000 t bzw. rund 14.000 Kontrakte Magermilchpulver und Butter über die Börse gehandelt. Dies ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um ein Vierfaches. "Somit gewinnt die Warenterminbörse wachsende Bedeutung als Instrument des Risikomanagements, um mit zukünftigen Preisschwankungen besser umzugehen", stellte der DRV-Geschäftsführer fest.

Erste Genossenschaften wie Molkerei Ammerland wollen dabei in Kürze mit entsprechenden Angeboten an den Markt.

Der DRV wird gemeinsam mit dem Kieler ife Institut seine Veranstaltungsreihe zum Umgang mit Warenterminbörsen fortsetzen. Geschult werden ehren- und hauptamtliche Entscheider der Genossenschaftsmolkereien, wie sie die Möglichkeiten der Preisabsicherung effizient nutzen können.

Schmidt sieht 'nachlassende Bereitschaft zu Strukturreformen'

Besorgt über den Verlauf und die Ergebnisse des "Milchstrukturgesprächs" in dieser Woche in Berlin hat sich Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) geäußert. "Die steigenden Milchpreise lassen eine nachlassende Bereitschaft zu notwendigen Strukturreformen erkennen", erklärte der Minister gegenüber Agra-Europe.

Die Strukturen müssten anpassungsfähiger werden, damit zukünftige Marktschwankungen in der Wertschöpfungskette besser aufgefangen werden könnten, betonte der CSU-Politiker.

Mitglieder wollen an Lieferbeziehungen festhalten

Der DRV und seine Mitgliedsunternehmen haben wiederholt Forderungen nach externer Einflussnahme oder gar rechtlichen Vorgaben zur Änderung der genossenschaftlichen Lieferbeziehungen entschieden zurückgewiesen.

"Solche Eingriffe wirken auf die genossenschaftsinternen Willensbildungsprozesse kontraproduktiv. Sie bedrohen in der Konsequenz auch erfolgreiche genossenschaftliche Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Das hätte massive negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Milcherzeuger", warnte Dr. Memmert.

Die Molkereigenossenschaften seien sich der Herausforderung bewusst, das eigene Geschäftsmodell kontinuierlich zu überprüfen und bei Bedarf zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln. Die bisherigen Beratungen zeigten aber, dass an den Grundlagen der Lieferbeziehung, der Abnahme- und Andienungspflicht, insbesondere wegen der damit verbundenen Sicherheit auf schwankenden Märkten, aus Sicht der Genossenschaftsmitglieder festgehalten werden soll.

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