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Milchviehhaltung

Die Milch jetzt runterfahren, geht das?

Kühe beim Fressen
am Mittwoch, 08.04.2020 - 05:00 (3 Kommentare)

Die Milchpreise sind unter Druck und schon appellieren Politiker und Molkereien an die Landwirte, den Milchfluss ihrer Kühe zu drosseln. Welche Möglichkeiten haben Landwirte und wie sinnvoll sind solche Maßnahmen?

Bernd Lührmann, Lwk Niedersachsen

Viele Betriebe müssen schon wegen der Gülleproblematik oder wegen knappem Futter im Moment darüber nachdenken, ihren Bestand abzustocken. Die sich verdüsternde Lage auf dem Milchmarkt kommt jetzt noch dazu.

Welche Möglichkeiten haben Milchviehhalter, die Milchmenge zu reduzieren? Bernd Lührmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt, zuerst alle zuchtuntauglichen Tiere aus der Herde zu entfernen, um die Milchanlieferung zu drosseln. Dabei kann man im Moment bei der Selektion schärfer rangehen und dabei Tiere berücksichtigen, die man wegen ihrer Lebensleistung liebgewonnen hat, aber zum Beispiel schon Ärger mit Euterentzündungen oder Lahmheiten hatten.

Was die Bauern von dem Aufruf zur Drosselung der Milchmenge halten, lesen Sie hier.

Früher trockenstellen

Eine weitere Möglichkeit sei es, alle Kühe trocken zu stellen, die weniger als 25 kg Milch geben. Hat man die Möglichkeit, stellt man die Tiere auf die Weide oder in einen separaten Stall und füttert sie mit einer strohverstärkten Ration.

Bei Färsen das Erstabkalbealter herauszuzögern hält der Berater für wenig sinnvoll. Man könnte versuchen, sie ab Stall zu verkaufen. Das sei im Moment aber schwierig. „Es ist immer besser, bei den Kühen schärfer zu selektieren und dafür frische Färsen nachzustellen“, ist Lührmann überzeugt.

Man müsse sich allerdings bewusst sein, dass bei einem überbelegten Stall die Selektion hinsichtlich einer Milchmengenreduzierung möglicherweise weniger bringe, als man denkt. „Ich hatte schon den Fall, bei dem ein Landwirt die Herde im überbelegten Stall deutlich reduziert hatte, und die Gesamtmilchleistung dabei angestiegen ist“, erläutert Betriebswirtschaftler Lührmann. Insofern kann auch dass eine sehr rentable Betriebsentwicklung sein.

Ingo Schimmelpfeng, Koesling und Anderson

Ingo Schimmelpfeng von der Unternehmensberatung Koesling und Andersen bezweifelt, dass der Ansatz, die Milch einzelbetrieblich zu verringern, einen Effekt auf den Milchpreis hat. „Das hat man bei früheren Krisen auch schon recht erfolglos versucht. Ich sehe es auch deswegen kritisch, weil das bei Ausbleiben von Milchpreissteigerungen die Liquidität der Betriebe schwächt“, sagt Schimmelpfeng. Dabei hätten viele Milchviehbetriebe in den letzten sechs Jahren schon Verluste gemacht. Viele würde ein weiteres Herunterfahren der Produktion zusätzlich schwächen.

Sicher müsse man bei ausgelasteten Stallkapazitäten genauer darüber nachdenken, die Selektionsgrenze anzuheben. Besonders im Hinblick auf die Absatzprobleme auf den Färsenmärkten. Denn nur so könnten die nachschiebenden Färsen im Betrieb integriert werden, ohne dass es zu Überbelegungen käme.

Imageschaden?

Wer Kredite zurückzahlen müsse, sollte keinesfalls Stallplätze leer stehen lassen. Schimmelpfeng sieht den Appell, die Milchmengen zu reduzieren noch aus einem anderen Grund kritisch: „Das Ansehen der Landwirte ist im Zuge der Coronakrise wieder etwas gestiegen. Wenn Milchbauern jetzt beginnen, die Mengen zu vermindern, um den Milchpreis zu stabilisieren oder gar zu steigern, wird das in der Öffentlichkeit möglicherweise zu einem Aufschrei führen“, sagt der Ökonom.

Sollten die Milchviehhalter die Produktion drosseln, um in der Corona-Krise ein Überangebot zu vermeiden?

Ja, die Menge muss ingesamt runter.
33% (630 Stimmen)
Ich finde, das sollte jede Molkerei mit ihren Erzeugern für sich entscheiden.
25% (475 Stimmen)
Das wird sowieso nicht funktionieren, weil nicht alle mitmachen.
25% (473 Stimmen)
Nein, die EU sollte viel besser die private Lagerhaltung fördern.
4% (77 Stimmen)
Das ist nicht nötig, denn die Nachfrage der Großverbraucher wird in zwei bis drei Wochen wieder anspringen.
14% (261 Stimmen)
Stimmen gesamt: 1916
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Kommentare

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