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Milchproduktion

Milch: Tierschutz rauf, Preise runter?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
04.05.2015

Die Molkereien und der Lebensmitteleinzelhandel scheinen sich auf niedrigere Trinkmilchpreise zu einigen. Der DBV reagiert mit Unverständnis, vor allem aufgrund der zeitgleichen Forderungen nach höheren Tierschutzstandards.

Das ife Institut geht davon aus, dass der Milchpreis aktuell weder für Milchbauern, noch für Molkereien kostendeckend ist. © Mühlhausen/landpixel
Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat mit Erstaunen auf Berichte reagiert, dass sich die Molkereien und der Lebensmitteleinzelhandel in ihren derzeit noch laufenden Verhandlungen auf niedrigere Preise für Trinkmilch geeinigt hätten. "Eine Preissenkung ist angesichts des geringeren Angebots als im Vorjahr nicht nachzuvollziehen. Gänzlich unverständlich werden Preissenkungen jedoch, wenn man die derzeitigen Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels nach höheren Tierschutzstandards berücksichtigt. Investitionen der Milchviehhalter in diesem Bereich verlangen auch Berücksichtigung bei den Verbraucherpreisen", erklärte Udo Folgart, Milchbauernpräsident und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. 
Für Preissenkungen gebe es keine rationale Begründung und keinerlei Spielraum. Derzeit liegt die Milchanlieferung in Deutschland zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch EU-weit drosseln die Milchbauern derzeit die Milchproduktion und liefern weniger Milch ab als noch vor zwölf Monaten.

Überangebot am Weltmilchmarkt

Preissenkungen werden auch aus Neuseeland gemeldet. Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra hat seine Milchpreisprognose für das Wirtschaftsjahr 2014/15 zum wiederholten Male gesenkt. Wie das Unternehmen am 30. April mitteilte, können die Erzeuger für die laufende Saison nur noch mit einem Basispreis von umgerechnet 3,16 Euro pro Kilogramm Milchfeststoff rechnen. Im Dezember 2014 lag die Auszahlungspreis- prognose noch 3,30 Euro. In der Saison 2013/14 wurde ein Rekordpreis von 5,89 Euro gezahlt. Fonterra-Vorsitzender John W i l s o n begründete die Korrektur der Milchgeldprognose mit dem Überangebot am Weltmilchmarkt und den deshalb dort nachgebenden Preisen. Zwar gehe man langfristig von einem Wachstum der globalen Nachfrage für Molkereierzeugnisse aus, doch wären die Preise aktuell an der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) seit Februar um 23 Prozent gesunken, erklärte der Fonterra-Chef.
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