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Nordrhein-Westfalen

Milchbauern: Bis zu 50.000 Euro Einkommensverlust in vier Monaten

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
12.07.2016

Die Milchpreise sind in diesem Jahr auf neue Tiefstände gesunken. Langsam gibt es Anzeichen für eine erste Erholung. Nichtsdestotrotz sind die Verluste extrem.

In Nordrhein-Westfalen sind die Milchpreise in diesem Frühjahr auf neue Tiefstände gesunken, doch es gibt Anzeichen, dass die Talsohle langsam durchschritten ist. Dies berichtete der stellvertretende Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Frank Maurer, am vergangenen Mittwoch auf der Halbjahrespressekonferenz seiner Organisation in der Düsseldorfer Konzernzentrale von Arla Foods Deutschland.

Nach Angaben von Maurer erlösten die Erzeuger für ein Kilogramm Milch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß von Januar bis April 2016 im Mittel nur noch rund 26,3 Cent; im Vorjahreszeitraum waren es mit 29,6 Cent noch gut 12 Prozent mehr gewesen. Aktuell würden einige Molkereien nur noch "ruinöse" 20 Cent zahlen, und der Jahresmilchpreis 2016 drohe unter das bisherige Tiefpreisniveau aus dem Jahr 2009 von 25,6 Cent/kg zu rutschen, erklärte Maurer.

Nehme man den mittleren Milchpreis der ersten vier Monate als Grundlage, würde dies für einen durchschnittlichen Milchviehbetrieb in Nordrhein-Westfalen einen Einkommensverlust von rund 16.000 Euro im Jahr gegenüber 2015 bedeuten; bei einem Erlös von 20 Cent wären es sogar rund 50.000 Euro.

Soforthilfe: 1.337 Euro je Erzeuger

Die bisher von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt versprochene Soforthilfe von 100 Millionen Euro würde sich bei Aufteilung auf alleMilchviehhalter in Deutschland im Mittel auf 1.337 Euro je Erzeuger belaufen. Die darüber hinaus in Aussicht gestellten Mittel "müssen entsprechend hoch ausfallen, sonst ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein", betonte Maurer.

Allerdings zeichne sich eine Trendwende am Markt ab. Seit Mitte Mai gingen die Milchanlieferungen saisonal spürbar zurück und hätten mittlerweile auch das Vorjahresniveau unterschritten. Zudem ginge es mit den Notierungen für Milchpulver, Schnittkäse und Butter bereits seit einigen Wochen wieder aufwärts.

In Verhandlungen mit dem Handel hätten die Hersteller jüngst höhere Butterpreise durchsetzen können; bei Aldi sei der Ladenpreis für das 250-g-Päckchen vergangene Woche von 70 Cent auf 90 Cent angehoben worden.

NRW: Weniger Betriebe, mehr Kühe

Wie Mauerer weiter berichtete, gab es im Mai 2016 noch 6.468 Milchkuhhalter in Nordrhein-Westfalen; das waren 415 Betriebe oder 6,0 % weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Milchkühe habe dagegen im gleichen Zeitraum um rund 5.250 Stück oder 1,3 Prozent zugenommen.

Für den westfälischen Vorsitzenden der Landesvereinigung, Wilhelm Brüggemeier, ist der beschleunigte Strukturwandel keine Überraschung. Im Milchwirtschaftsjahr 2013/14 habe kaum ein Erzeuger wegen hoher Preise aufgegeben, doch nun sei "die Not auf den Betrieben groß" und einige müssten unfreiwillig ausscheiden. Die Erzeuger trügen momentan das alleinige Preisrisiko, während der Handel sich über hohen Margen freue und sich die Taschen vollmache, monierte Brüggemeier.

Eine Branchenübereinkunft über reduzierte Milchmengen bringe allein eher wenig, wenn nicht auch mit dem Handel über Preise und die Verteilung der Margen geredet werde, doch seien Preisabsprachen auch nach der Änderung des Marktstrukturgesetzes nicht erlaubt.

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