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Milchproduktion

Milcherzeugung ohne Gentechnik - eine Option?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
15.05.2013

Ist eine gentechnikfreie Milchproduktion problemlos möglich? Wissenschaftler der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass gv-Futterpflanzen problemlos ersetzt werden können. Aber was ist mit der Ökonomie?

Die deutschen Milchbauern haben bis August 0,6 Prozent weniger Milch als im Vorjahr produziert. © Mühlhausen/landpixel
Milcherzeuger können gentechnisch veränderte Futtermittel aus produktionstechnischer Sicht gut ersetzen. Rapsextraktionsschrot und Luzerne oder Kleegras in der Ration führen zu stabilen Milchleistungen bei tendenziell leicht höherem Eiweißgehalt in der Milch. Diese Ergebnisse zeigt eine Fallstudie der Universität Göttingen in der 25 Milchviehhalter befragt wurden.
 
 
 
 

Sojaextraktionsschrot bildet größten Anteil bei gv-Futterpflanzen

Den größten Anteil von gv-Futterpflanzen in der konventionellen Milchviehfütterung bildet Sojaextraktionsschrot (SES). Dieses Futtermittel wird eingesetzt, um eine bedarfsgerechte Proteinversorgung insbesondere bei hochleistenden Milchkühen sicherzustellen. Die Rationskomponente zeichnet sich nicht nur durch einen hohen Rohprotein- und Energiegehalt aus sondern verfügt auch über eine gute Eiweißqualität. Außerdem sind hohe Einsatzmengen möglich, die infolge der Schmackhaftigkeit auch gefressen werden. Ebenso ist die quantitative Verfügbarkeit garantiert.
Rapsextraktionsschrot ist günstigste Alternative
 
Als Substitutionsmöglichkeiten stehen in Deutschland eine Reihe von Proteinalternativen wie zum Beispiel Rapserzeugnisse, Körnerleguminosen, Biertreber, Getreidetrockenschlempe zur Verfügung. Rapsextraktionsschrot (RES) kann unter ökonomischen und ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten sowie der mengenmäßigen Verfügbarkeit als die günstigste Alternative angesehen werden. Verschiedene Fütterungsversuche zeigten, dass bei einem Ersatz von SES durch RES unter Versuchsbedingungen gleichwertige Milchleistungen und Milchinhaltsstoffe sowie niedrigere Milchharnstoffgehalte erzielt werden können. Dies wurde unabhängig vom Leistungsniveau, von den jeweiligen Laktationsabschnitten und der Grobfutterration in unterschiedlichen Fütterungsversuchen nachgewiesen. Bei Rationen mit Rapsextraktionsschrot ist allerdings ein Energieausgleich erforderlich.
Mehrkosten bei der Umstellung mit einkalkulieren
 
"Die meisten Milcherzeuger sind aus Sicht der Produktion zufrieden mit der Umstellung und stellen keine negativen Veränderungen in der Herde fest", sagen Friederike Deumelandt und Hauke Bronsema von der Universität Göttingen. Unter ökonomischen Aspekten sei allerdings zu beachten, dass die erhöhten Kosten entlang der Kette gedeckt sein müssen, damit die Produktion für die Landwirte wirtschaftlich ist. Diese Mehrkosten entstehen vor allem die vor allem durch Zertifizierungsaufwand und strikte Trennung bei Logistik und Produktion. Zudem ist derzeit noch nicht absehbar inwieweit die Preise für die "Soja-Ersatzprodukte" steigen könnten, falls sich die GVO-freie-Produktion bei Milch und weiteren tierischen Produkten mehr und mehr durchsetzt.

Gentechnisch freier Milch vor allem in Bayern

Immer mehr Milchprodukte werden gentechnikfrei produziert. Über 20 Molkereien in Deutschland verarbeiten inzwischen Milch, die ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel produziert wird. Bisher handelt es sich dabei eher um Nischenprodukte, die überwiegend von kleineren Molkereien produziert werden. Die Verarbeitung gentechnisch freier Milch ist in Deutschland regional unterschiedlich. In Bayern wurden 2012 fast 20 Prozent der Milch gentechnikfrei produziert, in Norddeutschland ist der Anteil deutlich geringer.
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