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Wenn die Kühe fort sind

Milchkrise: Ein Schicksalsbericht

Sabine Leopold/agrarmanager/Anke Fritz/agrerheute
am
25.08.2016

Die Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf hat im Zuge der Milchkrise ihre Kühe verkauft. Das war vor einem Jahr und auch jetzt sagt die Vorstandsvorsitzende, dass dieser Schritt der richtige war, um noch mehr Schaden abzuwenden. Doch die Entscheidung schmerzt bis heute.

Die Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, Regina Siebeke,  erzählt vor Journalisten, wie das war, damals vor einem Jahr, als das Unternehmen seine Milcherzeugung abgeschafft hat. "Wir haben uns den Entschluss nicht leicht gemacht. Es hätte auch noch andere Optionen gegeben: eine Fusion mit dem Nachbarbetrieb oder das Unternehmen als Ganzes zumachen und verkaufen. Nur weiter Milch produzieren ging unter diesen Bedingungen einfach nicht."

Vor zweieinhalb Jahren lief der Betrieb noch gut

Die Agrargenossenschaft hatte es schon vor der Milchpreiskrise schwer mit ihrer Lage im Süden von Berlin. Angefangen haben die Löwenbrucher 1991 mal mit rund 1.500 ha, doch der Flächenhunger von Großstadt und Industrie hat seine Spuren hinterlassen. Heute bewirtschaftet das Unternehmen noch 850 ha, 300 davon sind reines Grünland, überwiegend im Landschaftsschutzgebiet. "Die kann man eigentlich nur mit Rindern oder Schafen nutzen. Wir sind ein Milchstandort. Eigentlich."

Noch vor zweieinhalb Jahren lief der Betriebszweig gut. Deutlich über der 30-Cent-Grenze bewegten sich die Milchpreise, Tendenz weiter aufwärts. Doch dann kam das Russlandembargo, und statt einer Steigerung auf die erhofften 40 Cent bis Jahresende sackten die Preise ins Bodenlose. Das Milchquotenende tat das seinige, der Betriebszweig wurde immer unrentabler und im Februar 2015 begann der Vorstand, seine Optionen abzuwägen.

Aufgabe der Milchproduktion

"Im ersten Halbjahr 2015 lagen unsere Einnahmen 100.000 Euro unter denen des Vorjahreszeitraumes. Wie lange hätten wir das noch stemmen können?", erzählt Regina Siebeke. Die Mitgliederversammlung beschloss schließlich den Verkauf der Milchkühe, auch, weil in den alten Ställen und Anlagen sonst Investitionen angestanden hätten, die in der vorliegenden Situation zu riskant waren. Aber nicht alle waren mit der Schließung einverstanden, vor allem nicht die Melker und Tierpfleger. "Fünf von ihnen mussten wir entlassen. Wir hätten sie im Nachbarunternehmen unterbringen können, aber das Ganze endete als Abfindungsstreit vor dem Arbeitsgericht. Das war eine schlimme Zeit."

Letzter Melktag

Mitte August 2015 schließlich nahte der letzte Melktag. "Ich bin mit meinem Mann am Vorabend durch die Ställe gegangen. Er kannte jede unserer 250 Kühe, hat sich von allen verabschiedet. Das ist ihm so unsäglich schwergefallen." Das ist jetzt über ein Jahr her, aber bei der Erinnerung steigen Regina Siebeke noch heute die Tränen in die Augen.

Auf der Seite des agrarmanagers können Sie lesen, wie es der Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf weitergeht.

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