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Milchproduktion

Milchmarkt: Alle Preissignale zeigen nach oben

© agrar-press
von , am
07.09.2012

Alle Marktindikatoren deuten am Milchmarkt auf eine deutliche Preiserholung hin. Laut EU-Kommission ging in Deutschland die Milchproduktion im neuen Milchwirtschaftsjahr zurück.

Die Erzeuger fragen sich, wieviel kommt von den 4 Cent bei ihnen an? © BK/fotolia.com
Am internationalen sowie am europäischen Milchmarkt deuten alle Anzeichen und Marktindikatoren auf eine deutliche Preiserholung hin. So sind die Exportpreise für Milchprodukte (fob-Verladehäfen) in Europa und Ozeanien im August ebenso kräftig gestiegen, wie die Auktionspreise an der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade.

Rohstoffwert von ife-Institut legte zu

Gleichzeitig legte der vom ife-Institut in Kiel errechnete Rohstoffwert für die Verwertung von Butter und Magermilchpulver weiter zu. Von seinem Tiefpunkt im Mai (23,9 Cent) kletterte der Rohstoffwert bis August um 25 Prozent (%) bis auf rund 30 Cent pro Kilogramm (Ct/kg) (ab Hof) und gibt damit eindeutig die neue Richtung bei den Milchpreisen an.
Bis einschließlich Juni sind die Auszahlungspreise für Milch in Deutschland allerdings noch gefallen und lagen nach Angaben des BMELV bei etwa 29,7 Ct/kg. Dies trifft auch für die meisten anderen EU-Länder zu, wo die Rohmilchpreise nach den Daten der EU-Kommission bis Juni ebenfalls rückläufig waren.

Weltmarktpreise ziehen wieder an

Allerdings sind die Rohmilchpreise in der EU - trotz des Rückgangs seit Jahresbeginn - weniger deutlich gefallen als die Preise für Milchprodukte - insbesondere am Weltmarkt. Nimmt man den nach Handelsmengen gemittelten Preis an der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade als Vergleichsmaßstab rutschten die Preise dort von März 2011 bis Mai 2012 um rund 40 % nach unten.
Nicht ganz so stark gab mit rund 30 % der von der FAO ermittelte globale Preisindex für Milchprodukte nach. Mittlerweile ziehen die Preise an der globalen Handelsbörse Global Dairy Trade jedoch wieder an und haben sich von ihren letzten Tiefpunkt im Mai um rund 17 % erholt.

Höhere Preise auch in Europa

Ähnlich sieht es mit den von der EU-Kommission ermittelten Großhandelspreisen für die wichtigsten Milchprodukte am EU-Binnenmarkt aus. Diese sind zunächst deutlich gefallen. Im Mittel der EU erreichten die Preise für Butter, Mager- und Vollmilchpulver in der EU etwa Ende Mai ihren Tiefpunkt und und kletterten von da an wieder nach oben.
 
Die Preise für Edamer und Gouda stabilisierten sich etwas später Ende Juli und legten dann ebenfalls wieder zu. Allerdings war der Preisrückgang bei Käse weitaus wenige stark wie bei den zuerst genannten Produkten. Mittlerweile liegen die europäischen Großhandelspreise bei Butter, Mager und Vollmilchpulver wieder zwischen 10 % und 25 % höher.

Arla erwartet signifikanten Preisanstieg

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Auch einige international aufgestellte Großmolkereien wagten sich zum Monatswechsel mit mehr oder weniger optimistischen Markteinschätzungen nach vorne. So prognostizierte die skandinavische Arla-Gruppe, der mittlerweile auch der deutsche Hersteller Hocheifel gehört, einen „signifikanten“ Preisanstieg im zweiten Halbjahr. Allerdings hatte auch Arla selbst die Milchpreise im ersten Halbjahr und sogar noch für im Juli und August mehrfach gesenkt und begründete die mit einem unerwartet starken Anstieg der Weltmilchproduktion und dem davon ausgehenden Preisdruck.
 
Dagegen hatte die niederländische Friesland-Campina-Gruppe sich wenige Tage zuvor deutlich vorsichtiger geäußert. In einer Marktprognose kam man zu dem Ergebnis, das bereits geringfügige Veränderungen im Verhältnis von Angebot und Nachfrage große Veränderungen bei den Preisen auslösen können. Die neuseeländische Fonterra-Gruppe hatte den Milchauszahlungspreis - trotz der steigenden Weltmarktpreise - für ihre Lieferanten im August sogar gesenkt mit dem Hinweis auf den starken neuseeländischen Dollar und en davon ausgehenden Probleme im internationalen Wettbewerb.

Weniger Milch in Europa

In Europa hat sich die Milchanlieferung zuletzt abgeschwächt und der Vorsprung gegenüber der Vorjahresproduktion schrumpft. Im Süden der Gemeinschaft hast dies sicherlich mit Hitze und Futterknappheit zu tun und in den übrigen Ländern dürften die explodieren Futterkosten in den nächsten Monaten die Produktion weiter bremsen und ähnlich wie in den USA zu einer Drosselung der Produktion und einem Abbau der Milchkuhbestände führen.
 
In den USA war der Vorsprung der Milchprodukten gegen über dem Vorjahr von 8,2 % im Februar auf nur 0,8 % im Juli zusammenschrumpft. In der EU ging der Produktionsvorsprung für den Zeitraum Januar bis Juni auf 1,9 % zurück, Im Vormonat lag die Mehrproduktion noch bei 2,8 %.

Deutsche Produktion schrumpft am stärksten

Ganz besonders drastisch ist nach den Daten der Kommission die Milchanlieferung in Deutschland zurückgegangen. Hier betrug der Produktionsvorsprung von Januar bis Mai noch 3,8 % und schrumpfte dann bis Juni auf die Vorjahresmenge zusammen. Damit ist Deutschland der einzige der großen europäischen Milchproduzenten mit einer solch starken Abschwächung der Produktion.
 
In den Niederlanden ging der Zuwachs der angelieferten Milchmenge (Januar-Juni) nur leicht auf + 1,2 % zurück, ebenso in Polen (+ 9,5 %) und dem Vereinigten Königreich (+ 1,5 %) und in Dänemark (+3,3 %).
 
In Frankreich nahm der Produktionsvorsprung sogar leicht auf 2,4 % zu.
Für das neue Milchwirtschaftsjahr (April bis Juni ) liegt die deutsche Anlieferungsmenge nach den Daten der EU-Kommission sogar -2,1 % unter dem Vorjahreswert, während die gesamte EU knapp ein Prozent mehr Milch erzeugt als im Vorjahr.
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