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Milchproduktion

Milchmarkt: Begrenztes Angebot und steigende Preise

© agrar-press
von , am
26.11.2012

Die Experten der FAO gehen in ihrem Marktausblick von weiter steigenden Milchpreisen aus. Grund ist ein knapper werdendes Angebot aufgrund hoher Futterkosten und eine weiterhin robuste Nachfrage.

Die deutschen Milchbauern haben bis August 0,6 Prozent weniger Milch als im Vorjahr produziert. © Mühlhausen/landpixel
Am internationalen Milchmarkt dürften die Preise für Milchprodukte weiter steigen. Ursache ist die sehr robuste Nachfrage der großen Importeure bei einem offenbar kaum noch wachsenden Angebot. In den wichtigsten Exportregionen hat vor allem die Explosion der Futterkosten das starke Produktionswachstum der beiden letzten Jahre ausgebremst. Zu diesen Ergebnissen kommen jetzt die Fachleute der Food an Agriculture Organization of the United Nations (FAO) in ihrem halbjährlichen Marktausblick.

Steigende Kosten drosseln Produktion

Im ersten Halbjahr 2012 ist die globale Milchproduktion und der Handel mit Milchprodukten noch sehr stark gewachsen und hat offenbar auch das Nachfragewachstum am Weltmarkt übertroffen. Dies dürfte auch der Grund für den deutlichen Rückgang der Weltmarktpreise im ersten Halbjahr 2012 gewesen sein. Aufgrund der explosionsartig gestiegenen Futterkosten ist indessen auch das Produktionswachstum in wichtigen Exportregionen wie den USA, der EU oder Argentinien im Laufe des Jahres zum Stillstand gekommen.
 
Auch in den beiden ozeanischen Ländern wird die Produktionsdynamik zum einen durch die gestiegenen Futterkosten und zum anderen durch die schlechteren Weidebedingungen gedrosselt. Damit steht einer weiter sehr dynamisch wachsenden globalen Nachfrage zunächst einmal ein nicht weiter zunehmendes Angebot an Milch und Milchprodukten gegenüber. Die Aussichten für feste und sogar weitere steigende Milchpreise sind vor diesem Hintergrund ziemlich gut.

Milchkonsum wächst kräftig

Im Gesamtjahr 2012 hat die globale Milchproduktion indessen um rund drei Prozent zugenommen. Allerdings fand ein erheblicher Teil dieses Wachstums in Ländern statt, die weder über größere Importe, noch über Exporte mit dem Weltmarkt verbunden sind. Die gilt ganz besonders für Indien, wo die Produktion um vier Prozent auf 132 Millionen Tonnen zunahm. Damit ist Indien nach der EU der weltweit zweitgrößte Produzent von Rohmilch und auch einer der größten Verbraucher. Der Konsum von Milch und Milchprodukten in Indien wächst rasant und absorbiert den Produktionszuwachs sofort.
 
Auch in anderen asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern wie China, der Türkei, Indonesien, Pakistan oder Brasilien hat die Produktion 2012 zugenommen. In den meisten dieser Länder steigt der Konsum jedoch noch stärker als die Produktion. Die gilt insbesondere für China, aber auch für Saud-Arabien, Ägypten oder Indonesien.

Russland importiert weniger

Größere Einfuhren verzeichnet trotz der wieder etwas gestiegenen Produktion außerdem auch Japan, einer der größten Importeure von Käse. Erheblich mehr Milchprodukte als im Vorjahr importierte 2012 auch Venezuela, während die Einfuhren Brasilliens relativ stabil blieben. Rückläufig waren hingegen die Importe Algeriens - nach China der weltweit wichtigste Milchpulverimporteur - und auch Korea kaufte nach dem Wiederaufbau der eigenen Produktion (nach MKS-Einbruch), weniger Milchprodukte. Für Russland - den weltweit größten Importeur von Käse - sehen die FAO-Experten vor dem Hintergrund einer wachsenden Produktion und sehr hohe Preise am am russischen Binnenmarkt, einen relativ deutlichen Rückgang der Importe um acht Prozent.

Neuseelands Produktion geht zurück

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Von den großen Exportländern hat vor allem Neuseeland die Produktion im Milchwirtschaftsjahr 2011/12 (Juni bis Mai) sehr stark ausgeweitet. Hier wuchs die erzeugte Milchmenge infolge der sehr dynamischen Exportnachfrage (China) und der optimalen Witterungsbedingungen innerhalb eines Jahr um zehn Prozent auf 19,7 Mio. t. Wegen der weniger guten Witterungsbedingungen (Weide) und der stark gestiegenen Futterkosten, rechnet die FAO für das laufende im Juni begonnene Milchwirtschaftsjahr, mit einem leichten Rückgang der Produktionsmenge um drei bis vier Prozent auf rund 19 Mio. t.
 
Auch die australischen Farmer haben unter sehr guten Bedingungen ihre Produktion im letzten Milchwirtschaftsjahr um vier Prozent auf 9,5 Mio. ausgeweitet. Für das im Juni begonnene neue Milchwirtschaftsjahr rechnen die Experten der FAO mit einem Wachstum von allenfalls zwei Prozent. Vor allem die gestiegenen Futterkosten, die nach australischen Angaben etwa 25 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, drosseln neben den schlechteren Witterungsbedingungen die Produktion.

USA und Europa stagnieren

In den USA ist die Produktion nach einem furiosen Start im zweiten Halbjahr 2012 unter die Vorjahreslinie gefallen. Für das Gesamtjahr 2012 kommt zwar immer noch ein Produktionszuwachs von rund zwei Prozent auf etwa 90,3 Mio. t heraus, für das Jahr 2013 erwarten die Experten des USDA jedoch keinen weiteren Zuwachs. Trotz der wieder kräftig gestiegenen Milchpreise in den USA verhindern die sehr hohen Futterkosten bislang ein weiteres Produktionswachstum.
 
Auch in Europa haben die hohen Futterkosten (neben der Quote) das Wachstum der Milchproduktion begrenzt. Für 2012 rechnet die FAO noch mit einem Zuwachs von etwa 1,5 Prozent auf 157,9 Mio. t. Im laufenden Jahr könnte die erzeugte Milchmenge zumindest in einigen Ländern unter die Vorjahreslinie fallen, wie dies bereits in Deutschland, den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich der Fall ist.
 
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