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Milchproduktion

Milchmarkt: Chinesischer Importbedarf bleibt hoch

von , am
01.06.2012

Obwohl die chinesische Milchproduktion stetig wächst, wird die Versorgungslücke immer größer. Mittlerweile ist China der weltweit größte Importeur von Milchprodukten.

Die Preise für Magermilchpulver legten im Schnitt um 31 Cent zu auf 210,1 Ct/kg. © Selket/Wikipedia
China ist in wenigen Jahren zum weltweit größten Importeur von Milchprodukten geworden. Importiert werden hauptsächlich Mager- und Vollmilchpulver sowie Molke. Aber auch die Einfuhr anderer Milchprodukte wächst kräftig. Im Jahr 2012 lag der Anteil der Chinesen am gesamten Import von Milchprodukten (in Milchäquivalent) bei gut elf Prozent. Vor wenigen Jahren erreichte China einen Anteil am Welthandel von sieben Prozent. Damit hat sich nicht nur das Gewicht der Chinesen am Weltmilchmarkt deutlich erhöht sondern auch ihr Einfluss auf die Weltmarktpreise.
 
Insbesondere der rasch wachsende Milchpulverhandel und die dort zuletzt zu beobachtenden Preisschwankungen machen dies deutlich. Trotz einer ebenfalls stetig wachsenden chinesischen Milchproduktion, ist die Versorgungslücke jedoch immer größer geworden. Mussten in den Jahren 2006 bis 2008 noch rund fünf Prozent des chinesischen Inlandbedarfs importiert werden, sind es 2012 bereits mehr als 14 Prozent.

Milchproduktion wächst nur langsam

Chinas Milchproduktion ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen. Allerdings hat sich das Wachstum mittlerweile spürbar abgeschwächt. Während der Zuwachs im Jahr 2003 noch bei 30 Prozent lag, waren es 2012 nur noch fünf Prozent. Eine Ursache ist der Ausstieg von kleinen dörflichen Milchfarmern aus der Produktion. Gleichzeitig nimmt jedoch die Anzahl der großen industriell organsierten Betriebe, mit einem bessern Zugang zu Tiergenetik und einer besseren Futterversorgung (auch über Importe) zu.
 
Nach Angaben des chinesischen Landwirtschaftsministeriums lag der Anteil der Betriebe mit mehr als 100 Kühen im Jahr 2010 bei 17 Prozent, im Jahr 2011 waren es bereits 28 Prozent. Insgesamt ist die Zahl der Milchkühe von 7,3 Mio. Tieren im Jahr 2010 auf etwa acht Millionen Kühe in diesem Jahr gestiegen.
Die erzeugte Milchmenge ist von 2010 bis 2012 um rund zehn Prozent auf 32,3 Millionen Tonnen gewachsen. Bis 2015 wollen die Chinesen 50 Millionen Tonnen Milch produzieren (Fünfjahrplan).
Angesicht der aktuellen Wachstumsraten ( fünf Prozent im Jahr) und der zunehmenden Produktionsauflagen (Umwelt, Hygiene), scheint dieses Ziel jedoch kaum erreichbar zu sein und der Importbedarf wird trotz schwächeren Wachstums wohl hoch bleiben oder weiter wachsen.

Import von Magermilchpulver nimmt weiter zu

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
China ist der weltweit größte Importeur von Milch- und Molkepulver. Für das Jahr 2012 rechnet das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) mit einem Einfuhrvolumen bei Magermilchpulver von 180.000 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr wäre dies ein Zuwachs von fast 40 Prozent und gegenüber dem Jahr 2010 sogar eine Verdopplung. Allerdings hat sich die chinesische Importnachfrage in den letzten beiden Jahren in beträchtlichen Umfang von Vollmilch- auf Magermilchpulver verlagert.
 
Schuld war zum einen der sogenannte Melaminskandal, bei dem belastetes Vollmilchpulver in der Milchpulverherstellung für Kleinkinder gefunden wurde. Zum andere spielt jedoch auch de Preisvorteil von Magermilchpulver im Vergleich zum Vollmilchpulver eine Rolle. Die Produktion von Magermilchpulver stagnierte in China zuletzt bei knapp 60.000 Tonnen und deckte damit gerade einmal ein Viertel des Inlandsbedarfs.

Vollmilchpulvermarkt von Melaminskandal beeinflusst

Vollmilchpulver könnten die Chinesen im laufenden Jahr rund 342.000 Tonnen importieren. Im Vergleich zum Jahr 2011 wäre dies immerhin noch eine Steigerung von etwa sieben Prozent. Die chinesische Inlandsproduktion erreicht im Jahr 2012 etwa 1,15 Millionen Tonnen und damit rund drei Viertel der Bedarfsmenge von etwa 1,51 Millionen Tonnen.
In den letzten beiden Jahren ist die chinesische Vollmilchpulverproduktion um rund zwölf Prozent gewachsen – und damit stärker als der durch den Melaminskandal beeinflusste Inlandsverbrauch (plus neun Prozent).
 
Nach chinesischen Angaben wurden in den letzten Jahren rund 30 Prozent der kleinen Milchverarbeiter wegen technischen und hygienischen Mängeln geschlossen. Die meisten von ihnen hatten offenbar Vollmilchpulver zu anderen Milchprodukten verarbeitet und nicht wenige von Ihnen auch mit Melamin verunreinigte Ware.

Neuseeländer mit Wettbewerbsvorteilen

Nach den bisher für Europa und die USA vorliegenden Exportdaten scheint sich die Einschätzung des USDA zur sehr dynamischen chinesischen Importentwicklung im Jahr 2012 zu bestätigen. Den größten Vorteil von der robusten chinesischen Importnachfrage haben bisher jedoch die Neuseeländer. Für den weltweit größten Exporteur von Milchprodukten ist China der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Im Rahmen eines Freihandelsabkommens sind die chinesischen Importzölle für neuseeländisches Milchpulver sukzessive reduziert worden und sind 2012 nur noch halb so hoch wie für die Wettbewerber aus den USA und aus Europa.
 
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