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Milchproduktion

Milchmarkt: DBV appelliert an Wirtschaft und Verbraucher

von , am
29.06.2012

Fürstenfeldbruck - Die vergangenen zwei Wirtschaftsjahre sind für Milchbauern gut verlaufen. Jetzt hat sich die Situation wieder verschlechtert. Der Deutsche Bauernverband sieht dafür zwei Gründe.

Gerhard Höbel, Karwendel Milchwerke Buchloe, Milchpräsident Felßner, BBV-Präsident Heidl, Leonhard Welzmiller VMB, und Peter Kaindl (v.l.) diskutieren auf dem Betrieb Kaindl die aktuelle Situation am Milchmarkt. © BBV
Das weltweite Angebotshoch im Frühjahr dieses Jahres hat den Lebensmitteleinzelhandel veranlasst, drastische Preissenkungen bei Frisch- und H-Milch sowie Joghurt und Quark durchzusetzen. "Gegen den nach wie vor positiven Grundtrend am Milchmarkt, wie er sich beispielsweise in stabilen Käsepreisen festmacht, ist es den Discountern erneut gelungen, nicht akzeptable Preissenkungen zu erzwingen", kritisiert der Deutsche Bauernverband (DBV).
 
Zum anderen steigen auch bei den Milcherzeugern die Kosten für Diesel und Energie, für Futtermittel wie für die Pachten. Beides zusammen schmälert die Einkommenssituation der Milchbauern. "Wir setzten uns nachdrücklich für eine Stabilisierung der Milchviehbetriebe ein. Bereits steigende Butter- und Vollmilchpulverpreise signalisieren, dass dafür am Markt auch eine gute Chance besteht", so der Verband.

Die Erklärung im Überblick

Auf dem Deutschen Bauerntag in Fürstenfeldbruck hat der Verband jetzt eine Erklärung zum Milchmarkt verabschiedet. Darin fordern die Delegierten
 
den Lebensmitteleinzelhandel unmissverständlich auf, gerade bei Milch und Milchprodukten die Wertschätzung dieser Qualitätserzeugnisse zu festigen und nicht immer wieder durch Billigstangebote zu unterlaufen. Noch so eingängige Werbeslogans, die beispielsweise die Liebe zu den Lebensmitteln ausdrücken, werden völlig wertlos, wenn am Ende nur die niedrigsten Preise über Vertragsabschlüssen mit den Molkereien entscheiden.

die Molkereien auf, ihre Strukturbereinigung fortzusetzen und auch kartellrechtskonforme Bündelungen im Verkauf durchzusetzen. Auch muss die Absatzdiversifizierung nach Ländern und Produkten so ausgebaut werden, dass keine einseitigen Abhängigkeiten mehr durchschlagen können. Auch fordern die Milchbauern größere Anstrengungen der Molkereien zur Risikoabsicherung durch Terminkontrakte. Diese müssen ergänzt werden durch entsprechende vertragliche Vereinbarungen zwischen Milcherzeugern und ihrer Molkerei (z.B. Forwardkontrakte).

von den Verbrauchern mehr Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit bei den Kaufentscheidungen. Es kann nicht gut gehen, wenn gerade von den Milchbauern große Leistungen beim Erhalt der Kulturlandschaft insbesondere des Grünlandes eingefordert werden, die hierdurch entstehenden höheren Kosten aber nicht über die Preise weitergegeben werden können.
 
von den Politikern in Berlin und Brüssel, dass sie alle verbliebenen Möglichkeiten der direkten oder indirekten Unterstützung der Milchbauern nutzen. Dazu zählen
  • ein wirksames Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramm für die Milcherzeuger,
  • die Einführung einer steuerneutralen Risikoausgleichsrücklage zur Abpufferung von Volatilitäten in den Milcherzeugerbetrieben,
  • die Fortsetzung des bewährten Direktausgleichs als einheitliche Hektarprämie für alle Bauern,
  • die Aufrechterhaltung der Regelförderung bei investiven Maßnahmen der Milcherzeuger,
  • die Aufrechterhaltung der Förderung von Zuchtmaßnahmen mit der hierzu erforderlichen Milchleistungs- und -qualitätsprüfung,
  • ein automatisch greifendes Sicherheitsnetz im EU-Binnenmarkt für den Fall von extremen Marktverwerfungen. 
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