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Milchproduktion

Milchmarkt unter Druck

© landpixel
von , am
25.04.2012

Die wichtigsten Exportländer produzierten in den ersten drei Monaten deutlich mehr Milch als im Vorjahr. Der internationale Markt kann diese Mengen nur zu niedrigen Preisen aufnehmen.

© Pinoquio_9/Fotolia
Am europäischen Milchmarkt nimmt der Druck auf die Preise zu. Auslöser sind die nachgebenden internationalen Notierungen für Milchprodukte. Mitte April brachen die Auktionspreise der Handelsplattform Global Dairy Trade innerhalb einer Handelsrunde um zehn Prozent ein. Auch die ozeanischen und europäischen Exportpreise gaben weiter nach.
 
Ursache für den entstandenen Preisdruck sind ganz offensichtlich die deutlich gewachsenen Produktionsmengen in den wichtigsten Exportländern. Diese nimmt der internationale Markt nur zu niedrigeren Preisen auf. In den USA übertraf die Milchproduktion in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 den Vorjahreswert um 5,2 Prozent, in Australien lag der Produktionsvorsprung gegenüber dem Vorjahr von Juli bis Februar bei 4,2 Prozent und in Neuseeland sogar bei 9,6 Prozent. In der EU wurde in den ersten beiden Monaten 2012 knapp vier Prozent mehr Milch angeliefert.
 
 
 

Preiskorrektur auf allen Handelsstufen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Mitte April gaben die europäischen Exportpreise nochmals nach, nachdem es seit dem Jahreswechsel bereits mehrere Korrekturen gegeben hatte. Besonders kräftig waren die Preisabschläge bei Butter und Magermilchpulver. Ähnlich war die Entwicklung an den europäischen Terminmärkten.
 
An der Matif haben die Terminmarktpreise für Milchpulver seit dem Jahresbeginn um 15 Protent nachgegeben, an der Eurex wurde Milchpulver knapp 15 Prozent und Butter sogar 25 Prozent preiswerter gehandelt als zum Jahresanfang. Auch die von der EU-Kommission wöchentlich erfassten Großhandelspreise für Milchprodukte spiegeln den rückläufigen Trend wider. Damit dürfte sich diese Entwicklung auch auf die Rohmilchpreise auswirken. Der vom ife-Institut Kiel errechnete Rohstoffwert für Milch ist jedenfalls im März auf 27,9 Cent pro Kilogramm (vier Prozent Fett) gefallen. An den Spotmärkten in Deutschland kostete Rohmilch Ende April sogar weniger als 25 Cent.

Harter Wettbewerb an den Exportmärkten

Trotz des kräftigen Preisrückgangs zeigten sich die Exportmärkte bislang aufnahmefähig. Allerdings hat sich der Wettbewerbs- und Preisdruck infolge der größeren Angebotsmengen erhöht. Die für die wichtigsten Exportländer bis Februar vorliegenden Ausfuhrdaten zeigen jedenfalls, Verschiebungen bei den Handelsanteilen.
Vor allem die Neuseeländer haben ihre Ausfuhren bei einer Reihe von Produkten ausgeweitet. Dies ging zumindest teilweise zu Lasten der Europäer. Diese konnten jedoch ihre Exporte in den beiden ersten Monaten des Jahres bei Magermilchpulver deutlich und bei Käse moderat ausbauen. Größter Abnehmer von Milchpulver am Weltmarkt war in den ersten Monaten des Jahres China mit einer nochmals größeren Importmenge als 2011.
 
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