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Aus der Wirtschaft

Milchmarkt: Entwicklung stimmt verhalten optimistisch

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
23.10.2015

Leipzig - Das Jahr 2015 war bis zum Herbst von einer schwierigen Lage am Milchmarkt gezeichnet. Sichere Prognosen sind laut Milchindustrie-Verband im Moment schwer, es gebe aber Anzeichen einer Besserung.

"Nach zwei Rekordjahren traf eine hohe Angebotsmenge an Milch auf eine zum Teil eingeschränkte Nachfrage. Die daraus resultierenden Preisrückgänge für Milch und Milchprodukte sind jedoch keine nationale Besonderheit und stehen auch nicht im direkten Bezug zur Abschaffung der Milchquote in der EU. Sie sind vielmehr, im Kontext internationaler Märkte zu sehen", erläutert Hans Holtorf, stellvertretender Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) im Rahmen der Jahrestagung in Leipzig.
 
Die derzeitige Marktsituation ist laut MIV geprägt von Unsicherheiten, die eine sichere Prognose erschweren. Unabhängige Analysten sehen daher eine wirkliche Erholung der Märkte nicht vor dem zweiten Quartal 2016. 
 
Das Milchaufkommen in der EU ist saisonal bedingt weiter rückläufig, bewegt sich aber seit Mai über der Vorjahreslinie. Seit Jahresbeginn ist in der EU 1,0 Prozent mehr Milch produziert worden; mit einem überdurchschnittlichen Wachstum in den Niederlanden und Irland. Deutschland hat dagegen bis August 0,6 Prozent weniger Milch erzeugt. 

Wachstum in den großen Exportländern gebremst

Betrachtet man jedoch den Zeitraum seit Ende der Milchquote, so wurden in der EU 2,3 Prozent mehr Milch erzeugt als im Vorjahr. Besonders große Steigerungen sind für
  • Irland (+12,3 Prozent),
  • Niederlanden (+7,8 Prozent) und
  • Polen (+3,6 Prozent) festzustellen,
während Deutschlands Produktionsmenge für diesen Zeitraum faktisch auf Vorjahresniveau liegt.
 
Auch global stellt sich die Entwicklung der Milcherzeugung heterogen dar. Insgesamt lag das Angebot der großen Exportländer über die Sommermonate höher als im Vergleich zum Vorjahr. Im Moment gibt es laut MIV hier folgende Tendenzen:
  • das Wachstum in den USA hat zuletzt weiter nachgelassen
  • in Neuseeland wurde das Vorjahresniveau seit August unterschritten
  • in Russland lag die Milcherzeugung in Russland marginal unter Vorjahresniveau, trotz der angepeilten Stärkung der heimischen Erzeugung
  • lediglich in Australien gab es zu deren Saisonbeginn deutliche Steigerungen

Gründe für eine positive Marktentwicklung

Holtorf sieht trotz des unbefriedigenden Milchpreises Anzeichen für eine Verlangsamung des globalen Wachstums und damit einer Erholung der Preise. "So sind die Zahlen an Schlachtkühen in den ersten sieben Monaten (EU: +3,5 Prozent) gestiegen. Nicht zuletzt könnten die Auswirkungen der Klimaerscheinung El-Niño auf der Südhalbkugel die Milchproduktion nachhaltig beeinflussen", wie Holtorf auführt.
 
Weitere Gründe für eine mögliche postive Entwicklung der Milchpreise sind laut MIV:
  • Die Weltmarktpreise haben sich im September von ihrem sehr niedrigen Niveau der Vormonate erholt und weiter gefestigt.
  • festere Tendenzen bei Butter und Milchpulver am EU-Binnenmarkt; erste Preiserhöhungen bei Schnittkäse
  • Private Lagerhaltung und Intervention haben laut MIV ihren Teil zur Stabilisierung des Marktes beigetragen.
  • Internationale Notierungen wie GDT (Global Dairy Trade) geben ebenfalls erste Indizien für eine leicht positivere Grundstimmung am Markt.
  • Exporte entwickeln sich trotz des russischen Embargos Russlands und der schwächeren Nachfrage aus China insgesamt "recht positiv". Getragen wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch das für den Export günstige Währungsverhältnis des Euros. 

Niedrige Preise lasse Konsum nicht steigen

Auf der Verbraucherseite hätten die günstigeren Preise für Trinkmilch in den ersten acht Monaten 2015 nicht zu einem Anstieg beim Konsum (-1,5 Prozent) geführt. Gewonnen haben
  • Joghurt (+1,3 Prozent)
  • Butter (+1,7 Prozent)
  • Käse in der Selbstbedienung (+ 3,1 Prozent)
  • Nischen wie Bio-Produkte oder Laktose-frei konnten in ihrem Segment noch deutlicher wachsen.
Dabei sei laut MIV festzustellen, dass durch die niedrigeren Preise für viele Milchprodukte der Preisunterschied zu den Marken und Nischen größer geworden ist. Dennoch trägt der sensitive Verbraucher die höheren Preise bis jetzt scheinbar mit. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass allein eine Niedrigpreisstrategie nicht als alleiniges Kriterium für den Endverbraucher haltbar ist.

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