Login
Milchproduktion

Milchmarkt gefestigt - Verarbeiter nutzen Terminmärkte kaum

von , am
18.10.2010

Hamburg - Die neu geschaffenen Möglichkeiten zur Preisabsicherung für Milchprodukte an den Warenterminmärkten werden von Molkereimanagern zwar prinzipiell begrüßt, aber bisher an der Börse kaum genutzt.

© Mühlhausen/landpixel

Das ist bei der Jahrestagung der Export-Union für Milchprodukte in Hamburg deutlich geworden, wo das Thema Warenterminbörsen Anfang Oktober erörtert wurde. Für die Instrumente, die die Frankfurter Warenterminbörse Eurex zum Risikomanagement auf volatilen Milchmärkten anbietet, warb dort Dr. Carsten Becker.

 

Argumente für eine Preisabsicherung an den Börsen sieht er unter anderem durch

  • verstärkte Preisvolatilitäten,
  • bedingt unter anderem durch rückläufige Lagerhaltung,
  • Spekulationseffekte auf den physischen Märkten sowie
  • kontinuierlich steigende Angebots- und Nachfragemengen.

Als Vorteile stellte er die Standardisierung der Kontrakte an den Warenterminbörsen heraus. Zusammen mit der "Entpersonalisierung der Vertragsabschlüsse" ermögliche die Standardisierung, eingegangene Verpflichtungen jederzeit vor Fälligkeit glattstellen zu können. Zentraler Vertragspartner beim Börsenhandel sei das Clearinghaus, das den ordnungsgemäßen Handel sicherstelle.

Warenterminbörsen: Gute Möglichkeit zur Preisabsicherung

Als gute Möglichkeit zur Preisabsicherung sieht Becker die Warenterminbörsen beispielsweise, um langfristige Lieferbeziehungen für Massenware wie Magermilchpulver aufzubauen und dabei über die Börse Risiken durch Preissprünge abzufedern, indem man ein bestimmtes Preisniveau absichert.

Stabile Marktlage

Die Jahrestagung der Export-Union fand in einer Zeit relativ guter Milcherzeugerpreise von zuletzt mehr als 30 Cent/kg statt. Anders als in den Vorjahren sind zudem die Auszahlungsspannen zwischen den Molkereien verhältnismäßig schmal geworden und reichten im Sommer von 28 Cent bis knapp 33 Cent. Wie der zusammen mit Karin Monke neu gewählte Geschäftsführer der Export-Union für Milchprodukte, Dr. Björn Börgermann, in Hamburg betonte, ist die Marktlage momentan recht fest.

Frischmilch: Preisverhandlungen stehen an

In den nächsten Wochen stehen für die Milchverarbeiter erneute Preisverhandlungen für Frischmilch auf der Tagesordnung. Kürzere Abschlüsse sind hingegen derzeit am Buttermarkt üblich. Da es laut Branchenbeobachtern zuletzt häufig als günstiger eingestuft wurde, Sahne direkt zu vermarkten als zu Butter zu verarbeiten, scheint in diesem Bereich ein Preislimit erreicht.

Haushaltsausgaben in Südeuropa höher

Wie Franz-Josef Lange vom Marktforschungsinstitut Europanel bei der Jahrestagung der Export-Union deutlich machte, liegt Deutschland im Vergleich zu anderen mittel- und südeuropäischen Staaten bei den Ausgaben für Molkereiprodukte weit unten. Laut Langes Prognose geben die Haushalte in diesem Jahr voraussichtlich im Schnitt 315 Euro für Milchprodukte aus, nach 335 Euro im Jahr 2008, als die Preise kräftig geklettert waren. In Italien wendet ein Haushalt hingegen schätzungsweise 580 Euro für Molkereiprodukte auf, in Spanien 450 Euro sowie in Österreich 400 Euro. Ausschlaggebend für die hohe Wertschöpfung in Italien ist der Käsesektor, nicht nur bei Hartkäse wie Parmesan. Wie Lange erklärte, vollziehen sich in Italien fortwährend Ausgabensteigerungen im Käsebereich, vor allem bei Frischkäse.

Höhere Wertschöpfung erzielen

In Polen, wo die Menschen eine deutlich niedrigere Kaufkraft haben als in Deutschland, geht Europanel pro Haushalt immerhin von 192 Euro an Ausgaben für Milchprodukte aus. Vor diesem Hintergrund appellierte Lange, die Branche brauche mehr Wertschöpfung für höhere Preise. Gleichzeitig betonte er, die Höchstpreise im Jahr 2008 hätten die Verzehrsmengen für Milchprodukte nicht tangiert. Ein Wachstum durch Konsumsteigerung sei kaum mehr möglich, so der Marktspezialist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung.

Stabile Preistendenz in Ozeanien

Die Aussichten für die Milchviehhalter in Europa werden in den kommenden Monaten aber auch von Witterungseinflüssen in Übersee abhängen. So sind die neuseeländischen Erzeuger auf der Südhalbkugel relativ spät in die Saison gestartet, denn nach einem recht harschen Winter begann dort die Vegetationsperiode verspätet. Die noch vor einiger Zeit gehegte Erwartung eines Produktionszuwachses in zweistelliger Höhe scheinen vor diesem Hintergrund nicht erreichbar, was sich wiederum dämpfend auf das Angebot am Weltmarkt auswirken dürfte. In Reaktion auf die neuen Entwicklungen wurden die Butternotierungen in Ozeanien laut Kommissionsangaben zum 6. Oktober gegenüber dem 21. September 2010 um 2,4 Prozent angehoben. Die Vollmilchpulverpreise legten in ähnlicher Größenordnung zu. Einiges wird für die Lieferanten in Neuseeland und in der Europäischen Union in den kommenden Monaten auch von Wechselkursentwicklungen abhängen. (AgE)

Auch interessant