Login
Milchproduktion

Milchmarkt II: Butter und Magermilchpulver mit Signalwirkung

von , am
01.01.2013

Kiel - Seit 2006 schwanken die Preise am Milchmarkt heftiger als je zuvor. Dies ist das Resultat der 2004 eingeleiteten Reformen. In einer mehrteiligen Serie erklären wir Ihnen die Hintergründe des Milchmarktes.

Der Butterpreis wird für den Monat März mit 338,6 Cent/kg angegeben. © Elena Schweitzer/fotolia
Wichtige Signale gehen nach wie vor von den Märkten für Butter und Magermilchpulver aus, schreibt Erhard Richarts vom ife, Institut für Ernährungswirtschaft Kiel, im Dairy newsletter.
 
Beides sind Koppelprodukte. Für sie wird zumeist die Milch eingesetzt, die von den angelieferten Mengen nach der Herstellung der anderen marktgängigen Produkte übrig ist. Denn Butter und Magermilchpulver können am längsten von allen Milcherzeugnissen eingelagert werden, was eine der möglichen Maßnahmen zur Minimierung von Preisschwankungen ist.

Koppelprodukte zeigen Marktveränderungen am schnellsten an

Doch schwanken die Restmengen aus der Milchverwertung und damit ihre Verarbeitung allerdings auch um ein Vielfaches stärker als die Milchanlieferung oder z. B. der Käse- und Trinkmilchmarkt. Überschuss- oder Verknappungssituationen wirken sich hier überproportional aus, entsprechend schwanken hier (wie auch am Spotmarkt) die Preise am heftigsten. Aber sie zeigen auch eintretende Marktveränderungen am schnellsten und am deutlichsten an. Überdies können beide Produkte auch kostengünstig über große Entfernungen bewegt, also auch exportiert werden und sind daher den Schwankungen des Weltmarktes und der Wechselkurse besonders stark ausgesetzt.

Je länger die Vertragslaufzeit, umso größer das Risiko der Fehleinschätzung

Zumeist, aber eben nicht immer, ergab sich aus der Verarbeitung zu diesen Produkten der geringste Erlös für die eingesetzte Milch. Langfristig neigen unterschiedliche Preise für ein Wirtschaftsgut unter Wettbewerbsbedingungen immer zu dem niedrigsten Niveau, das erzielt wird. Dieser Theorie folgend heißt dies auch, dass Butter und Magermilchpulver immer das untere Limit darstellen sollten. Erlösen andere Erzeugnisse (z. B. Trinkmilch) weniger, ist das auf eine von den Beteiligten nicht vorhersehbare Einschätzung des Marktes zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse zurückzuführen. Naturgemäß steigt das Risiko einer solchen Fehleinschätzung umso mehr, je länger die vereinbarten Laufzeiten sind, und bei Trinkmilch waren es vor 2007 zumeist ganze Jahre, danach immerhin noch halbe.

Für Standardware sind relativ kurze Kontraktlaufzeiten üblich

Doch wenn Butter und Magermilchpulver bessere Erlöse bringen, haben die Molkereien gute Argumente, auch bei Trinkmilch und ihren Begleitprodukten zur Abwechslung auch mal wieder höhere Preise durchzusetzen. Umgekehrt wird es schwierig, in diesem Sektor das Preisniveau zu halten, wenn diese Leiterzeugnisse zur Schwäche tendieren. Seit vielen Jahren wird der Erlös aus der Butter- und Magermilchpulverherstellung im Kieler Rohmilchwert dargestellt, der aus am Markt notierten Preisen für beide Erzeugnisse abgeleitet wird (siehe www.ife-ev.de). Bei beiden Erzeugnissen sind zumindest bei Standardware inzwischen relativ kurze Kontraktlaufzeiten üblich.

Milchauszahlpreise spiegeln den Produktmix der Molkerei wider

© ife Kiel
Die Milchauszahlungspreise werden dagegen immer erst im Nachhinein festgelegt und geben meist das Ergebnis des Produktmix der jeweiligen Molkerei wieder. Wegen dieser verspäteten Signale vor allem an die Milcherzeuger ergibt sich das Problem, dass z. B. in Hochpreisphasen Investitionen getätigt werden, mit denen man besser abgewartet hätte, und in Niedrigpreisphasen gerade solche Investitionen, mit denen man durch Mehrproduktion im Hinblick auf hohe Preise reagieren kann, zu spät erfolgen.   

Erzeuger tragen das volle Preisrisiko

Molkereien haben es da leichter: Sie zahlen für die Milch in der Regel das aus, was sie nach Abzug ihrer Ausgaben auf den anderen Beschaffungsmärkten eingenommen haben. Das geht auch nicht anders, denn mit den anderen Vorlieferanten und dem Personal sind Preise und Löhne im Voraus vereinbart, mit den Erzeugern aber eben nicht. Mithin tragen die Erzeuger das volle Preisrisiko. Genossen-schaftliche Molkereien verstehen sich als der verlängerte Arm der Erzeuger im Markt, daher kann sich an dem Prinzip, dass die Milchlieferanten, wenn sie Mitglieder der Genossenschaft sind, sich damit abfinden müssen, wohl kaum etwas ändern. 

Auch interessant