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Milchproduktion

Milchmarkt International: Exportdynamik schwächt sich ab

von , am
30.08.2011

An den globalen Handelsplätzten haben die Preise im August etwas nachgebenden. Dennoch zeigten sich die Milchmärkte sowohl in Europa als auch in den USA relativ stabil.

Exportmarkt China: Produziert China bald seine Milch selbst? © landpixel
Am europäischen Milchmarkt ist die Situation zum Ende des Sommers überraschend stabil. Zwar haben die europäischen Exportpreise für einige wichtige Milchprodukte wie Vollmilchpulver, Magermilchpulver und Butter leicht nachgeben, gleichzeitig sind jedoch die Notierungen für die wichtigsten Milchprodukte am EU-Binnenmarkt im August relativ stabil geblieben und die Erzeugerpreise haben in den meisten EU-Ländern ihr Niveau gehalten.
 
{BILD:515728:gif}Die aktuellen ozeanischen Exportpreise sind vor allem für Butter und Milchpulver zurückgegangen, während die Ausfuhrpreise für Käse (Cheddar) zulegten. An der globalen Handelsplattform GlobalDairyTrade deutete sich zuletzt ebenfalls eine Marktstabilisierung an. Für die aktuellen Termine sind die Preise dort zwar nochmals leicht um knapp ein Prozent nach unten gegangen, jedoch fiel der Preisrückgang im Vergleich zu den vorigen Auktionen relativ moderat aus.

Saisonstart in Ozeanien verzögert sich

Eine Ursache für die relativ stabilen Marktverhältnisse dürfte in dem derzeit vergleichsweise überschaubaren globalen Angebot liegen. So beginnt die neue Saison in Ozeanien im August erst ganz allmählich und der Produktionshöhepunkt ist nicht vor Oktober/November erreicht. Hinzu kommt, dass sich der Saisonstart aus Witterungsgründen weiter nach hinten verschieben könnte. In Neuseeland verzögern jedenfalls unwohnlich kühle Temperaturen und starke Schneefälle auf der Nordinsel und teilweise auch im Süden den Weidaufrieb. Auch in den australischen Hauptproduktionsregionen (Victoria) behindert sehr kühles und feuchtes Wetter den Saisonstart.
 
Gleichwohl zeichnet sich in beiden ozeanischen Ländern in diesem Jahr eine deutliche Ausweitung der Produktion ab. So rechnet man bislang für Neuseeland mit einem Produktionsanstieg von vier bis fünf Prozent und für Australien von mindestens ein bis zwei Prozent.
 
Rekordpreise und hohe Futterkosten in den USA
 
In den USA hat die Trockenheit im Süden und in der Mitte des Landes zuletzt für eine Drosslung der Produktion gesorgt. Die durch die hohen Milchpreise und den boomenden Export angeregte Expansion der US-Milchproduktion, hat sich aufgrund der knappen Futterversorgung verlangsamt. Im Juli betrug der Produktionsvorsprung gegenüber dem Vorjahr nur noch 0,7 Prozent, nachdem es im Juni noch ein Prozent und im Mai 1,3 Prozent waren. Für das Gesamtjahr liegen die Schätzungen jetzt bei einem Mengenzuwachs von 1,5 Prozent.
 
Dabei wurde der Produktionsanstieg zuletzt vor allem durch die Aufstockung des Kuhbestandes und nicht durch eine Steigerung der Milchleistung erzielt. Letztere war wegen der angespannten Futterversorgung sogar rückläufig. Die Futterkosten in der US-Milchproduktion sind nach Berechnungen des Universität Wisconsin wegen der hohen Getreide- und Eiweißfutterpreise sowie wegen der angespannten Grundfutterversorgung allein von Januar bis Juli 2010 um ein Drittel gestiegen. Gleichzeitig hat jedoch der US-Milchpreis im Juli mit 49 US-Ct/kg einen neuen Rekordstand erreicht. Bis zum Jahresende rechnet man am US-Terminmarkt mit einem Rückgang der Erzeugerpreise um rund 20 Prozent.
 
Produktionswachstum verlangsamt sich
 
In der Europäischen Union geht die Milchanlieferung seit Mai saisonbedingt zurück. Allerdings liegt die Anlieferungsmenge im Zeitraum Januar bis Juni rund 2,1 Prozent (%) über dem Vorjahreswert. Damit hat sich der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr insgesamt und in den meisten großen Erzeugerländern verringert. In Deutschland lag die Anlieferungsmenge in den ersten sechs Monaten noch 2,3 % über dem Vorjahreswert, in Frankreich betrug der Produktionsvorsprung immerhin noch 5,1 % und in Irland sogar 11,8 %. Dagegen bewegte sich die niederländische Milchprodukten etwa auf Vorjahresniveau und in Italien blieb man sogar 1,7 % unter der Vorjahresproduktion.
 
In den Molkereien ist die größere Milchmenge ganz besonders in die Herstellung von Magermilchpulver geflossen. Hier übertrifft die Produktionsmenge den Vorjahreswert um 5,5 %. Der größte EU-Produzent Frankreich hat seine Herstellung in den ersten sechs Monaten jedoch nur um 1,6 % ausgeweitet, während der Zuwachs in Deutschland immerhin 8,1 % betrug.
 
Auch die europäische Käseherstellung wurde von Januar bis Juni um 0,9 % ausgeweitet. Der größte europäische Käseproduzent Deutschland steigerte seine Produktion jedoch nur um 0,2 %, während der Produktionszuwachs in Frankreich 2,8 % betrug. In Italien (dem für Deutschland wichtigsten Exportmarkt) wurde hingegen 2,3 % weniger Käse hergestellt als im ersten Halbjahr 2010.
 
Auch bei Butter war der Produktionszuwachs mit 0,6 % im Schnitt der EU moderat. Hier lag Deutschland mit einer Produktionssteigerung von 2,6 % über dem EU-Durchschnitt, wird aber von französischem Produktionswachstum von 5,2 % deutlich übertroffen. Das mit Abstand stärkste Wachstum in diesem Segment verzeichnet mit 16,4 % indessen Irland.
 
Exportdynamik schwächt sich ab
 
Die EU hat im ersten Halbjahr 2011 von der boomenden Nachfrage nach Milchprodukten am Weltmarkt profitiert. Allerdings hat sich das Exportwachstum zum Ende des zweiten Quartals deutlich abgeschwächt. Ursache ist unter anderem die rückläufige Nachfrage einiger großer Schwellenländer wie Russland (Käse) und China (Vollmilchpulver). Gleichwohl liegen die im ersten Halbjahr ausgeführten Mengen zum Teil noch deutlich über dem Vorjahreswert. So übertrifft die Exportmenge von Käse den Vorjahreswert in den ersten sechs Monaten 2011 um 3,6 %. Dabei hat Deutschland von der wachsenden Drittlandsausfuhr jedoch nicht profitiert. Vielmehr musste der größte europäische Käseproduzent und Exporteur in den ersten sechs Monaten einen Rückgang seiner Käseexporte (in Drittländer) von 13 Prozent verkraften. Andere wichtige Produzenten und Exporteure wie Frankreich (+13,2 %), die Niederlande (+ 3,6 %), Dänemark (+20,9 %) und Italien (+7,1 %) konnten ihre Käseausfuhren in Drittländer hingegen steigern.
 
{BILD:515727:gif}Den mit Abstand stärksten Exportzuwachs verzeichneten die EU-Länder bei Magermilchpulver mit 33,7 %. Hier hat Deutschland seine Drittlandsausfuhren fast verdoppelt und liegt damit vor Frankreich (+36 %) und den Niederlanden (13 %). Rückläufige Ausfuhren verzeichneten die EU-Länder hingegen bei Butter (-6,6 %) und Vollmilchpulver (-18,3 %).
 
Wie sich der Export im zweiten Halbjahr weiterentwickelt dürfte ganz besonders von globalen Wirtschaftsentwicklung und den davon auf den Konsum ausgehenden Impulsen abhängen.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
 
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