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Milchproduktion

Milchmarkt International: Gefahr einer Preiskorrektur steigt

von , am
28.06.2011

Berlin - Am Milchmarkt zeigte der jüngste Preisverfall bei Agrarrohstoffen bislang wenig Wirkung. Zwar gaben die Preise an den internationalen Handelsplätzen nach, jedoch hielten sich Abschläge in Grenzen.

Der Milchindustrie-Verband MIV rechnet mit einem durchschnittlichen Erzeugermilchpreis von 30 bis 31 Cent für das Jahr 2015. © icnivad/fotolia.de
Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich die Produktion in den ozeanischen Ländern auf ihrem saisonalen Tiefpunkt befindet und somit auch weniger Ware von der Südhalbkugel auf den Weltmarkt fließt. Gleichzeitig hat die lang anhaltende Frühjahrstrockenheit in den USA und Europa die Milchproduktion auf der Nordhalbkugel gedrosselt und somit auch zur Begrenzung des Exportangebotes sowie zur Stabilisierung der Preise beitragen.

Volle Läger in China

Allerdings nehmen die Informationen über eine Abschwächung der globalen Nachfrage zu. So berichtete die Rabobank, dass China und Russland, die beiden wichtigsten Antreiber der globalen Nachfrage im ersten Quartal 2011, in den letzten Monaten beträchtliche Bestände angehäuft haben. In der Folge könnten beide Länder ihre Zukäufe in den nächsten Wochen drosseln, zumal auch die Verbraucherpreise für Milchprodukte (und andere Nahrungsmittel) sowohl in den großen Schwellenländern als auch in Westeuropa kräftig angestiegen sind und die Nachfrage ebenfalls dämpfen.
 
So kosteten Milchprodukte die Verbraucher in den USA im Mai fast sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor und auch in Deutschland verteuerte sich das weiße Sortiment binnen Jahresfrist um knapp fünf Prozent. Auch eine Abkühlung der globalen Konjunktur hätte sicherlich spürbare Auswirkungen auf den Konsum von Milchprodukten in den Schwellenländern.

Exportboom im ersten Quartal

In ersten Monaten des Jahres 2011 hat der globale Handel mit Milchprodukten jedoch alle Erwartungen übertroffen. Insbesondere die starke Konjunktur in den Schwellenländern hat die Nachfrage und damit auch die Preise angetrieben.
 
Unter anderem zeigen die bislang vorliegenden Daten einen überaus kräftigen Zuwachs beim Export von Vollmilchpulver. Hinter diesem Boom steckt vor allem China. Das Reich der Mitte hat seine Einfuhren in den ersten vier Monaten - im Vergleich zum bereits sehr guten Vorjahr - um über 60 Prozent (%) auf über 180.000 Tonnen ausgeweitet und nimmt damit in diesem Marktsegment, noch deutlich vor Algerien (+ 43 %), eine dominierende Stellung ein.
 
Profitiert hat von dieser Dynamik ganz besonders Neuseeland, das seine Exporte um mehr als ein Drittel erhöhen konnte und damit von Januar bis April fast dreimal so viel Vollmilchpulver exportiere wie die Europäer.
 
Der Handel mit Magermilchpulver entwickelte sich etwas weniger dynamisch. Auch hier weisen jedoch Algerien und China die stärksten Zuwächse aus. Europäer und Australier konnten ihre Ausfuhren zu Lasten der USA und Neuseelands steigern.
 
{BILD:151599:gif}Beim Import von Butter verzeichneten Russland, der Iran sowie Ägypten, das stärkste Wachstum. Bei den Butterexporteuren gewannen vor allem die USA und Neuseeland Marktanteile hinzu.
 
Auch bei Käse zeigte sich der Weltmarkt in den ersten vier Monaten 2011 sehr aufnahmefähig. Der weltgrößte Käseimporteur
  • Russland weitete seine Einfuhren um 17 % auf etwa 97.000 Tonnen (t) aus,
  • Japan als die Nummer 2 unter den Importeuren, steigerte seine Einfuhren um vier % auf 69.000 t,
  • die USA importiere mit 46.000 t etwa ein Viertel mehr Käse und
  • Südkorea erhöhte die Importe um 26 %.
Marktanteile hinzugewinnen konnten hier neben den Europäern mit einem Zuwachs von + 10 % auf 223.000 t, vor allem die die USA mit einer Steigerung um 70 % auf 80.000 t, während Neuseeland (-15. %, auf 82.000 t) Marktanteile verlor.

Hohe Milchpreise in den Exportländern

Die sehr dynamische Entwicklung im Welthandel schlug sich natürlich in den Milchpreisen der wichtigsten Exportländer nieder. So zogen die Erzeugerpreise sowohl in Ozeanien als auch in Europa und in den USA im ersten Halbjahr 2011 kräftig an, bzw. behaupteten ein hohes Niveau.
 
Trotz der relativ hohen Preise blieben die erwirtschaften Margen allerdings oftmals recht schmal, denn die hohen Getreide- und Eiweißfutterpreise haben auch die Futterkosten auf ein sehr hohes Niveau getrieben. In den von der Trockenheit betroffenen Regionen Europas und der USA, muss durch die knappe Versorgung mit Grundfutter, mehr teures Mischfuttermittel bzw. Getreide zugekauft werden.
 
In der EU behaupteten sich die Milchpreise im April bei 33,03 Euro/100 kg und damit nur knapp unter dem Vormonatswert. In den USA erreichten die Erzeugerpreise im März, mit 43 USD/100 kg, ein zuvor nicht erwartetes Zwischenhoch. Bis Mai gaben die US-Milchpreise dann zwar wieder auf 36 USD/100 kg nach, für die nächsten Monate rechnet man jedoch noch einmal mit einem kräftigen Preisanstieg. So kosten die Milchkontrakte am Terminmarkt in Chicago für den Monat Juli derzeit umgerechnet 45 USD/100 kg. Danach sollen die Preise bis zum Jahresende allmählich auf 37 USD/100 kg zurückgehen. Das heißt jedoch auch, die US-Prognose für den Milchmarkt ist, zumindest was die Preise betrifft, relativ optimistisch.
 
Internationale Beobachter wie die Rabobank rechnen jedoch spätestens im vierten Quartal, wenn die ozeanische Produktion auf vollen Touren läuft, mit einer deutlicheren Korrektur der Preise am globalen Markt und damit auch bei den Milchpreisen. 
 
{BILD:150982:jpg}Dr. Olaf Zinke
Marktanalyst 
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