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Milchproduktion

Milchmarkt International: Globaler Handel kräftig gewachsen

von , am
20.07.2011

Bei einigen Milchprodukten könnte der globale Handel in diesem Jahr neue Rekordwerte erreichen. Jedoch scheint sich die Dynamik in der zweiten Hälfte des Jahres etwas abzuschwächen.

Der internationale Milchmarkt befindet sich derzeit in sehr guter Verfassung. Der Welthandel mit Milchprodukten hat in den ersten Monaten des Jahres kräftig zugenommen und die Preise für Butter, Käse und Milchpulver lagen Anfang Juli 15 Prozent bis 25 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Ursache für das überraschend kräftige Nachfrage- und Handelswachstum am Milchmarkt war die sehr dynamische Entwicklung der Weltwirtschaft und davon ausgehend auch der weltweit wachsende Konsum von Milch und Milchprodukten. Mittlerweile haben die gestiegenen Weltmarktpreise die Produktion von Milch- und Milchprodukten weltweit angekurbelt und der Wettbewerb an den Exportmärkten dürfte sich im zweiten Halbjahr 2011 verschärfen und nicht ohne Auswirkungen auf die Preise bleiben.
 
Zudem schwächt sich die wirtschaftliche Dynamik in den großen Schwellenländern doch etwas ab und die kräftig gestiegenen Verbraucherpreise dämpfen die Nachfrage zusätzlich. Trotz der etwas verhalteneren Aussichten für das zweite Halbjahr 2011 könnte der Handel bei den einigen Milchprodukten im Gesamtjahr neue Rekordmarken erreichen. Das lässt zumindest die aktuelle Markteinschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zum globalen Milchmarkt erkennen.

China kauft viel Vollmilchpulver

Ausgesprochen dynamisch hat sich in den letzten Jahren der Export von Vollmilchpulver entwickelt. Von 2007 bis 2011 ist die der Welthandel um 25 Prozent gewachsen Für das Jahr 2011 rechnet das USDA mit einer Zunahme des Welthandels von gut vier Prozent, auf einen neuen Handelsrekord von 1,85 Millionen Tonnen. Größter Importeur ist seit dem letzten Jahr China. Das Reich der Mitte hat seine Einfuhren von 46.000 Tonnen im Jahr 2008, auf geschätzte 430.000 Tonnen im laufenden Jahr verzehnfacht. Ebenfalls um 25 Prozent, auf 210.000 Tonnen, könnten in diesem Jahr die Importe Algeriens zunehmen. Bis zum Jahr 2010 war das nordafrikanische Land noch der bedeutendste Importeur von Vollmilchpulver. Profitiert hat von dem Nachfrageboom am Vollmilchpulvermarkt in erste Linie Neuseeland. Das Land auf der Südhalbkugel hat seine Produktionskapazitäten in diesem Bereich erheblich ausgebaut und konnte so den Export von 2008 bis 2011 um fast zwei Drittel auf rund eine Million Tonnen ausweiten. Nicht nur bei Milchpulver ist China mittlerweile für Neuseeland (vor den USA) der wichtigste Absatzmarkt. Die EU bleibt mit einer geschätzten Ausfuhrmenge von 430.000 Tonnen zwar der zweitwichtigste globale Exporteur vor Argentinien (200.000 Tonnen) und Australien (145.000 Tonnen), verliert jedoch Marktanteile. 

EU baut Position bei Magermilchpulver aus

Noch kräftiger als der Handel mit Vollmilchpulver, wächst 2011 der Export von Magermilchpulver. Nach Berechnungen des USDA sollen die Ausfuhren in diesem Jahr um fast zwölf Prozent auf 1,5 Millionen Tonnen und damit auf einen neuen Rekordwert zulegen. Seit 2008 hat der Welthandel in diesem Bereich um 38 Prozent zugenommen. Die bedeutendsten Importeure sind Indonesien, Russland, Mexiko, Algerien, China und die Philippinen mit Importmengen von 100.000 Tonnen bis 230.000 Tonnen. Mit Ausnahme Mexikos haben alle diese Länder ihre Einfuhren in diesem Jahr kräftig ausgedehnt. Davon hat insbesondere die EU profitiert, deren Exporte am Jahresende etwa 450.000 Tonnen erreichen könnten. Damit würde das gute Vorjahresergebnis sogar noch um fast 20 Prozent übertroffen und die Ausfuhren hätten sich im Vergleich zu 2008 mehr als verdoppelt. Auch die USA, Neuseeland und Australien verzeichneten Zuwächse im Export zwischen acht und zehn Prozent.

EU und USA exportieren mehr Käse

Der globale Handel mit Käse könnte nach den Daten des USDA 2011 leicht auf etwa 1,34 Millionen Tonnen zurückgehen. Seit dem Jahr 2008 hat der Welthandel allerdings um rund zehn Prozent zugenommen. Eine Ursache für den aktuellen Handelsrückgang liegt in den stark schrumpfenden Exporten Neuseelands. Das Land auf der Südhalbkugel hat offenbar seine Vollmilchproduktion zu Lasten der Käseproduktion ausgebaut. In diesem Jahr gehen die neuseeländischen Käseexporte um elf Prozent auf 237.000 Tonnen zurück, den niedrigsten Wert seit zwölf Jahren. Dagegen rechnet das USDA damit, dass die europäischen Käseexporte 2011 um drei Prozent wachsen und mit 620.000 Tonnen einen neuen Rekordwert erreichen. Dabei profitiert die EU als weltweit größter Käseexporteur ganz besonders von der sehr dynamischen Nachfrage Russlands.
 
Auch die USA können ihren Export um 17 Prozent auf mehr als 200.000 Tonnen steigern und im Vergleich zu 2009 sogar fast verdoppeln. Um drei Prozent beziehungsweise 22 Prozent weiten außerdem Australien (170.000 Tonnen) und Argentinien (55.000 Tonnen) ihren Käseexport aus. Die derzeit wichtigsten globalen Absatzmärkte für Käse sind Russland und Japan. Allerdings ist der russische Markt in den letzten Jahren erheblich kräftiger gewachsen als der japanische. Auch 2011 geht das USDA von einem Zuwachs der russischen Käseimporte von fast zehn Prozent auf 335.000 Tonnen aus. Dagegen stagniert die japanische Käseeinfuhr bei rund 200.000 Tonnen. Zweistellig zugenommen haben in diesem Jahr die Käseeinfuhren Mexikos (90.000 Tonnen) und Südkoreas (64.000 Tonnen). Auch die USA (118.000 Tonnen) und die EU (80.000 Tonnen) haben 2011 mehr Käse importiert.

Russland importiert mehr Butter

Der Welthandel mit Butter soll in diesem Jahr um knapp sechs Prozent auf 0,78 Millionen Tonnen ist zunehmen. Damit bleibt das Handelsvolumen jedoch noch ungefähr fünf Prozent unter den bisher gehandelten Rekordmengen der Jahre 2006 und 2009. Mit Abstand größter intentionaler Absatzmarkt für Butter bleibt im Jahr 2011 Russland. Rund 130.000 Tonnen Butter werden die Russen in diesem Jahr importieren, das sind fast 20 Prozent mehr als im letzten Jahr. Bedeutende Importländer von Butter sind außerdem die EU, Mexiko, Kanada, Australien Taiwan und Japan, mit Einfuhrmengen zwischen 10.000 und 50.000 Tonnen. Der unverändert größte globale Exporteur von Butter bleibt auch 2011 Neuseeland, mit einer Ausfuhrmenge von 435.000 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Zunahme der Exporte von knapp zwei Prozent. Die EU (zweitgrößter Exporteur) könnte ihre Ausfuhren 2011 um etwa sechs Prozent, auf 165.000 Tonnen ausdehnen. Marktanteile hinzugewinnen könnte auch Argentinien (25.000 Tonnen), während die Exporte Australiens (63.000 Tonnen) stagnieren.    

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
 
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