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Milchproduktion

Milchmarkt International: Großes Angebot, schwächere Nachfrage

© landpixel
von , am
03.11.2011

An den globalen Spotmärkten geben die Preise für Milchprodukte nach. Ursache ist eine sich deutlich abschwächende Nachfrage. Die Situation am EU-Markt ist jedoch bislang stabil.

Anfang des Jahres erhielten Milchbauern rund 40 Cent je Liter Milch. © Mühlhausen/landpixel
Die Anzeichen für eine Korrektur am internationalen Milchmarkt nehmen zu. Zwei Faktoren bestimmen dabei die Entwicklung an den globalen Spotmärkten. Zum einen geht die Nachfrage der großen Importeure infolge der sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten zurück. Zum andern ist das Angebot in den meisten wichtigen Produktionsregionen gewachsen. Damit sind letztlich auch Anpassungsreaktionen bei den Preisen verbunden.

Fonterra: Erlösaussichten werden schlechter

GlobalDairyTrade Index
So hat der neuseeländische Milchriese Fonterra die Auszahlungspreise für seine Milchlieferanten Ende Oktober mit dem Hinweis auf die sich verschlechternden Erlösaussichten gesenkt. Bereits zuvor hatten die Auktionspreise der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade in acht aufeinanderfolgenden Sitzungen nachgeben. Mitte Oktober hatten sich die Preise dann vorübergehend stabilisiert. Anfang November setzte sich der rückläufige Preisetrend jedoch fort.
 
Mittlerweile liegen die Preise für Vollmilch- und Magermilchpulver 25 % und für Käse um 20 % unter ihren diesjährigen Höchstmarken. (Grafik 1 GlobalDairyTrade Index)

China kauft weniger Milchpulver

Grafik 2
Auslöser für den Preisdruck ist vor allem die sich abschwächende globale Nachfrage. So hat der mit Abstand größte Importeur von Vollmilchpulver China seine Einfuhren spürbar gedrosselt. Während die Chinesen im April noch 55.000 Tonnen (t) Vollmilchpulver eingeführt haben, fiel die importierte Menge im September unter die Marke von 8.000 t. Dies war nach neuseeländischen Angaben der fünfte monatliche Rückgang in Folge und bedeutet auch, dass die chinesischen Importe wohl deutlich unter der vom US-Landwirtschaftsministerium für 2011 erwarteten Rekordeinfuhr von 430.000 t bleiben werden. Noch liegt die kumulative Einfuhrmenge zwar 13 Prozent (%) über dem Vorjahr, aber der Vorsprung verringert sich von Monat zu Monat. Neuseeland ist von dieser Entwicklung ganz besonders betroffen, denn das Land hat sein Vollmilchpulverproduktion innerhalb eines Jahres um ein Viertel auf 839.000 t ausgeweitet und ist der der Hauptlieferant Chinas.
 
Russlands Importe rückläufig
 
Auch der für die Europäer besonders wichtige russische Markt zeigt sich nicht mehr so aufnahmefähig wie zum Jahresbeginn. Insbesondere bei Käse bleibt die Einfuhrmenge des weltgrößten Importeurs hinter den Erwartungen zurück. Während das USDA für das Gesamtjahr noch ein Importvolumen von 335.000 t und damit einen Zuwachs von 10 % prognostizierte, kauften die Russen von Januar bis August lediglich 186.000 t und damit deutlich weniger als erwartet.
 
Regelrecht eingebrochen ist nach den Daten der EU-Kommission die russische Einfuhr von Magermilchpulver. Von Januar bis August importierte Russland nur 22.000 t und damit ein Drittel weniger als im Vorjahr. Am stabilsten hält sich bislang der Import von Butter. Dieser übertrifft mit 44.000 t die Importmenge des Vorjahres noch um mehr als ein Fünftel. Allerdings hat sich die Dynamik der Einfuhren auch hier abgeschwächt. Im ersten Halbjahr betrug der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr noch gut ein Drittel.
 
Milchpreise in den USA schwächer
 
Parallel zu den sich verschlechternden Absatzmöglichkeiten muss der globale Milchmarkt ein deutlich größeres Angebot verkraften. Angetrieben durch die höheren Erzeuger- und Produktenpreise wurde die Produktion in vielen Ländern ausgeweitet. Im September übertraf die erzeugte Milchmenge in den USA den Vorjahreswert um 1,7 %. In Neuseeland rechnet man für das gerade begonnen Milchwirtschaftsjahr mit einem Produktionsanstieg von 6 bis 8 %. Dort fließt die Mehrproduktion vor allem in die Herstellung von Vollmilchpulver für den chinesischen Markt. In den USA ging der Produktionszuwachs ebenfalls in den Export. So haben die Amerikaner die Ausfuhr von Käse in den ersten acht Monaten des Jahres um ein Fünftel gesteigert, die Ausfuhr von Magermilchpulver nahm um 14 % zu und der Export von Butter stieg um 14 %.
 
Diese Entwicklung hat auch die Rohmilchpreise in den USA kräftig nach oben gezogen. Von Januar bis August kletterte der Preis von 30 US-Ct/kg auf einen neuen Rekord von 48 US-Ct/kg. Seitdem macht sich jedoch auch für die Amerikaner der stockende Absatz im Export bemerkbar. Die Rohmilchpreise gingen von August bis Oktober um 8 Ct auf 40 Ct/kg zurück. Am US-Terminmarkt rechnet man mit einer Stabilisierung der Preise bei etwa 36 Ct/kg. (Grafik 2 US-Milchpreise)
 
EU-Binnenmarkt relativ stabil
 
Am EU-Binnenmarkt ist die Situation bislang noch relativ stabil. Zwar übertraf die Milchanlieferung den Vorjahreswert im August um 2,4 %, die Preise für die wichtigsten Milchprodukte hielten sich jedoch bis Oktober auf hohem Niveau. Auch die Rohmilchpreise in den EU-Ländern entwickelten sich stabil oder sogar fest. Bei den Exportpreisen machte sich die abflauende globale Nachfrage allerdings bemerkbar. Hier lagen die Spotmarktpreise für europäische Milchprodukte zuletzt 10 bis 15 % unter ihren letzten Hochständen. Vor allem in der abnehmenden Exportdynamik wurden die Probleme deutlich. So übertrafen die Ausfuhren bei Magermilch- (+ 28 %) und Molkepulver (+ 13 %) in der Summe (Jan-Aug) den Vorjahreswert zwar noch deutlich, jedoch wird der Vorsprung von Monat zu Monat kleiner. Ähnlich ist es beim Käseexport. Hier erreichen die Ausfuhren der EU 27 in den ersten acht Monaten gerade noch den Vorjahreswert (434.000 t).
 
Der deutsche Drittlandsexport von Käse verfehlt das Vorjahresergebnis sogar um 13 %. Bei Butter (-21 %) und Vollmilchpulver (-11 %) sind die EU-Ausfuhren (Jan-Aug) deutlich niedriger als vor einem Jahr.  
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