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Milchproduktion

Milchmarkt International: Robuste Nachfrage, hohe Preise

© adimas/Fotolia
von , am
16.06.2011

Berlin - Der globale Milchmarkt ist derzeit in guter Verfassung. Überraschend schnell hat er sich von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholt.

75 Prozent der Kühe in NRW stehen in moderen Boxenlaufställen. © Mühlhausen/landpixel
Vor allem in den großen Schwellenländern wächst der Konsum und treibt den Welthandel an. Davon profitieren europäische Exporteure und Milcherzeuger ebenso wie Neuseeländer und Australier.
 
Der Einfluss der internationalen Märkte auf den europäischen und deutschen Milchmarkt hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Das hat zum einen mit der Öffnung und Liberalisierung des europäischen Milchmarktes zu tun, zum anderen aber mit der wirtschaftlichen Dynamik in den großen Schwellenländern und den davon auf den Konsum von Milchprodukten ausgehenden Impulsen.
 
Zwar wird Rohmilch international kaum gehandelt, doch die Handelsanteile der wichtigsten Milchprodukte, in Relation zu den herstellten Produktionsmengen, sind größer als bei vielen anderen Agrarprodukten. So wird von dem weltweit hergestellten Magermilchpulver, im Schnitt ein Drittel am Weltmarkt gehandelt, bei Vollmilchpulver sind es sogar mehr als 40 Prozent (%), bei Käse und Butter knapp zehn Prozent. Demgegenüber liegen die Handelsanteile bei Weizen bei knapp 20 %, bei Mais bei gut 10 %, Soja erreicht 36 %, Rindfleisch 13 % und bei Schweinefleisch sechs Prozent.
 
Die hohen Handelsanteile bei den Milchprodukten machen die Abhängigkeit des Milchmarktes von der internationalen Nachfrage und den am Weltmarkt erzielten Preise deutlich. Dies gilt insbesondere auch für die großen Exporteure, wie die EU und Neuseeland. Veränderungen bei den Weltmarktpreisen schlagen sich relativ stark auch auf die jeweiligen nationalen Märkte und auf die dort von den Verarbeitern gezahlten Rohmilchpreise nieder.

Weltmarktpreise auf hohem Niveau

Globaler Preisindex für Milchprodukte
Derzeit befinden sich die globalen Preise für Milchprodukte auf dem höchsten Stand seit dem Frühjahr 2008. Der von der FAO monatlich an den internationalen Handelsplätzen für die wichtigsten Milchprodukte ermittelte Preisindex, hat sich von seinem letzten Tiefpunkt im Februar 2009 bis Juni 2011 verdoppelt.
 
Zwar haben die Milchpulverpreise in den letzten Wochen etwas nachgegebenen, jedoch bleibt das internationale Preisniveau relativ hoch und die Notierungen für Käse und Butter legten zum Teil sogar weiter zu. Auch die globale Nachfrage hält sich ungeachtet saisonaler und produktspezifischer Schwankungen weiterhin auf hohem Niveau. Das US-Landwirtschafsministeriums war in seiner ersten Schätzung für das Jahr 2011, bei allen wichtigen Milchprodukten, von global wachsenden Verbrauchsmengengen und auch von einem zunehmenden Welthandel ausgegangen. Haupttriebkraft für dieses Wachstum ist der von der wirtschaftlichen Erholung der großen Schwellenländer (beispielsweise China und Russland) ausgehende Nachfrageschub bei Milchprodukten. Bei einigen Produkten könnten die Handelsprognosen des USDA sogar übertroffen werden, wie die bisherigen Handelsstatistiken zeigen.
 
Für die Europäische Union, den bedeutendsten globalen Exporteur von Käse, der Nummer 2 bei der Ausfuhr von Butter, der Nummer 3 bei Magermilchpulver und der Nummer 2 bei Vollmilchpulver, liegen die von der EU-Kommission bis März 2011 ausgewiesenen Exportzahlen, bei vielen Erzeugnissen, erheblich über den Werten von 2010.
 
{BILD:150969:jpg}So exportierten die EU-Länder in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 rund 25 % mehr Magermilchpulver, das Wachstum bei Käse im Vergleich zum Vorjahr lag bei 14 %, bei Molkepulver bei 18 % und bei Kasein bei 44 %. Lediglich Vollmilchpulver und Butter wurden zu diesem Zeitpunkt etwas weniger exportiert als 2010.
 
Für Deutschland, den größten Käseexporteur der EU, haben die Ausfuhren bei Käse um 2 % und bei Magermilchpulver um 65 % zugelegt.

Export stützt Rohmilchpreise in der EU

Entwicklung der Rohmilchpreise in der EU und in Deutschland.
Die starke Dynamik an den Exportmärkten wirkt sich über die Weltmarktpreise natürlich auch auf die Rohmilchpreise in der EU aus. So ermittelte die EU-Kommission für die Länder der EU 27 im März 2011 einen Rohmilchpreis (natürliche Inhaltstoffe) von 33,3 Ct/kg und für Deutschland von 34,06 Ct. Damit halten sich Milchpreise in der EU etwa seit dem zweiten Halbjahr 2010 auf hohem Niveau stabil und liegen rund 5 Ct über dem Niveau vom März 2010 und fast 10 Ct höher als während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009.
 
Auch zwischen den Ländern haben sich die Preise zuletzt angeglichen, auch wenn durchaus Preisunterschiede bestehen. Aus Frankreich meldet die Kommission für März einen Preis von 32,30 Ct, aus den Niederlanden von 36 Ct, aus Dänemark von 34,50, aus Tschechien von 32,7 Ct und aus dem Vereinigten Königreich von 29,8 Ct.
 
Die Milchanlieferung in der EU war in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 rund 2,6 % höher als im Vorjahreszeitraum. In Frankreich war die Anlieferungsmenge im ersten Quartal sogar 7 % größer als vor einem Jahr, in Deutschland betrug der Zuwachs immerhin 2,8 % und im Vereinigten Königreich 4,5 %. In den großen Milchproduktionsländern Nordwesteuropas dürfte die ausgeprägte Trockenheit im Frühjahr jedoch Spuren in der Produktionsbilanz hinterlassen. Erste Hochrechnungen zeigen, dass die Anlieferungsmenge im Mai in Frankreich nur noch 2 % über dem Vorjahr lag und in Deutschland möglichweise sogar darunter.
 
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich im dürreplagten Süden der USA ab. Insgesamt könnten die Trockenheit in Teilen Europas und der USA das globale Angebot an Milchprodukten zumindest zeitweise drosseln und damit die Preise zusätzlich stützen. Hinzu kommt, dass Getreide und Eiweißfutter weiterhin teuer sind und eine Produktions- und Angebotsexpansion ebenfalls bremsen.

Expansion auf der Südhalbkugel

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Anders als in Europa, wo die Produktionskurve derzeit auf ihren Zenit zuläuft, befindet sich die Produktion auf der Südhalbkugel an ihrem saisonalen Tiefpunkt. Das Milchwirtschaftsjahr endet in Neuseeland am 31. Mai und in Australien am 30. Juni. Für Europas Exporteure sind Neuseeländer und Australier die wichtigsten Konkurrenten im globalen Wettbewerb. Neuseeland, ein Land das nur knapp 15 % der europäischen bzw. 60 % der deutschen Milchmenge erzeugt, dominiert bei Vollmilchpulver, Butter und Magermilchpulver den Welthandel. Auch beim Käseexport sind die Neuseeländer, nach den Europäern, weltweit die die Nummer 2.
 
Australien erzeugt lediglich halb so viel Milch wie in Neuseeland, rangiert aber zumindest im Export von Käse und Butter (noch vor den USA) weltweit auf Position 3.
 
Insgesamt verlief die zurückliegende Saison für die Milchproduktion der ozeanischen Länder ausgesprochen erfolgreich. Zwar mussten die Neuseeländer zur Mitte ihrer Produktionssaison eine ausgeprägte Trockenheit auf der Nordinsel verkraften, jedoch waren sowohl die Witterungsbedingungen als auch die globalen Absatzmöglichkeiten in den darauf folgenden Monaten außergewöhnlich gut. Derzeitige Hochrechnungen gehen von einem Anstieg der Milchproduktion für die abgeschlossene Saison von zwei bis drei Prozent für Neuseeland und von knapp einem Prozent für Australien aus.
 
Angesichts der anhaltend robusten Nachfrage vom Weltmarkt und der ebenfalls hohen Erzeugerpreise sowie der günstigen Witterungsbedingungen, rechnet man für beide Länder in der kommenden Saison mit einer Expansion der Milchkuherden, der Milchproduktion und vor allem auch des Exports. Derzeit erwarten die Neuseeländer für 2011 eine neue Rekordmarkte bei ihren Exporten (vor allem bei Milchpulver). 
Dr. Olaf Zinke war bei der ZMP Abteilungsleiter für Internationale Märkte. Bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI war er als Marktanalyst für Internationale Märkte und Agrarrohstoffe.
 
Künftig wird er auf agrarheute.com in loser Reihenfolge über Entwicklungen am europäischen und internationalen Milchmarkt berichten.
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