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Milchproduktion

Milchmarkt International : Welthandel im ersten Halbjahr kräftig gewachsen

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von , am
07.09.2011

Der Handel mit Milchprodukten ist im ersten Halbjahr 2011 kräftig gewachsen. Allerdings hat sich das Wachstum im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt.

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Trotz der zunehmenden Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten behaupten die Preise für Milchprodukte an den internationalen Handelsplätzen bislang ein vergleichsweise hohes Niveau. Anfang September zeigten die Exportpreise sowohl in Europa als auch in Ozeanien weiterhin eine stabile und teilweise sogar leicht feste Tendenz. Insbesondere die Milchpulverpreise legten nach einer zwischenzeitlichen Schwäche wieder etwas zu. Gleichzeitig hat der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra, zum Beginn der neuen ozeanischen Saison, einen optimistischen Ausblick auf das zweite Halbjahr 2011 gegeben und seine Preisprognose für die heimischen Milchlieferanten unverändert gelassen. Demgegenüber hatte der europäische Milchkonzern FrieslandCampina auf eine stagnierende Verbrauchernachfrage in Europa hingewiesen und die Probleme, die hohen Rohstoffpreise auch auf die Produkte umzulegen.

Nachfrage im zweiten Quartal schwächer

Verantwortlich für die feste Entwicklung der globalen Milchpreise ist die relativ robuste Nachfrage vieler Schwellenländer. Zwar hat sich die Handelsaktivität im zweiten Quartal zum Teil deutlich abgeschwächt, doch einen Absatzeinbruch hat es bislang, trotz eines vergleichsweise großen Angebots und einer nach Produkten durchaus differenzierten Marktentwicklung, nicht gegeben. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den europäischen Drittlandexporten. So ist die Ausfuhr von Magermilchpulver in den ersten 6 Monaten um fast 34 Prozent (%) auf 243.900 Tonnen (t) gewachsen. Auch bei Laktose, Kasein, Molkepulver, Butteröl und Milchkonzentraten legten die europäischen Exporte zu. Der Zuwachs bei der Käseausfuhr hat sich nach einer kräftigen Expansion im ersten Quartal, in den letzten Monaten jedoch verlangsamt und beträgt nach den Daten der EU-Kommission nur noch 2 bis 3 %. Rückläufig war in den ersten 6 Monaten lediglich die Ausfuhr von Vollmilchpulver und Butter.

US-Käseexporte am stärksten gewachsen

Trotz der Abschwächung des Exportwachstums konnten die Europäer ihre Position als weltweit größter Käseexporteur, mit einer Ausfuhrmenge von 326.000 t im ersten Halbjahr 2011, ohne Probleme behaupten. Neuseelands Käseausfuhren gingen infolge der starken Expansion der Vollmilchpulverproduktion und -exporte hingegen um 12 % auf 124.000 t zurück. Auf Position drei folgen die USA mit einem Ausfuhrrekord von 120.000 t und einem sehr dynamischen Exportwachstum von 48 %. Damit haben die USA im ersten Halbjahr 2011 Australien als weltweit drittgrößten Käseexporteur überholt. Australien exportierte in den ersten 6 Monaten 2011 rund 85.000 t (+ 4 %) Käse. Als Nummer 5 unter wichtigsten Exporteuren hat sich mit einer relativ stabilen Ausfuhrmenge von 64.000 t Ägypten etabliert.

Russlands Nachfrage hat sich abgeschwächt

Der weltweit größte Käseimporteur mit einer Einfuhrmenge von 140.000 t, war auch im ersten Halbjahr 2011 Russland. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Importvolumen sich damit kaum verändert. Allerdings hat sich das russische Importwachstum in den letzten Monaten spürbar abgeschwächt. In den ersten 4 Monaten lag der Zuwachs noch bei 17 %. Dies hat vor allem für die Europäer und speziell für Deutschland Auswirkungen. Für die EU 27 sind die Russen der wichtigste Drittlandmarkt für Käse, knapp ein Drittel der europäischen Drittlandexporte gehen auf den russischen Markt. Für Deutschland sind die Russen, nach Italien und den Niederlanden, der drittwichtigste Absatzmarkt für Käse überhaupt.
 
Zweitgrößter Käseimporteur der Welt ist Japan. In den ersten 6 Monaten dieses Jahres nahm die Importmenge der Japaner um fast 7 % auf 103.000 t zu. Damit hat sich Einfuhrdynamik im Vergleich zum ersten Quartal sogar noch beschleunigt. Ein Grund sind sicherlich die Folgen der radioaktiven Verseuchung für die japanische Milchproduktion. Einer der wichtigsten Lieferanten für den japanischen Markt war Australien. Mehr die Hälfte der gesamten australischen Käseausfuhren gingen nach Japan. Die Nummer drei unter den wichtigsten Käseimporteuren sind die USA. Hier sind die Importe 2011 um 14 % auf 66.000 t gewachsen. Überdurchschnittliche Importzuwächse verzeichneten in den ersten 6 Monaten 2011 außerdem auch Südkorea (31 %), Mexiko (13 %) sowie Ägypten (188 %). Dagegen sind die Einfuhren der Europäer um 18 % auf 31.000 t zurückgegangen.

Europäer bei Magermilchpulver vorn

Beim Export von Magermilchpulver verzeichneten die Europäer ein Wachstum von 33 %. Mit einer Ausfuhrmenge von 244.000 t haben europäische Exporteure sich in diesem Marktsegment vor den USA (218.000 t), Neuseeland (191.000 t) und Australien (78.000 t) an die Spitze gesetzt. Allerdings haben die Amerikaner ihre Ausfuhren ebenfalls um 39 % ausgebaut und die australischen Exporte wuchsen sogar um 44 %. Der neuseeländische Magermilchexport hat hingegen nur leicht um 3 % zugelegt. Die wichtigsten Abnehmer von Magermilchpulver am Weltmarkt waren im ersten Halbjahr 2011 Mexiko (68.000 t), China (64.000 t), Algerien (59.000 t), Indonesien (53.000 t) sowie die Philippinen (50.000 t). Das stärkste Wachstum bei den Importen verzeichneten Algerien (118 %), China (26 %), und Mexiko (23 %). Für europäischen Lieferanten ist traditionell Algerien, vor Russland und Indonesien, der bedeutendste Abnehmer. Die USA liefern hauptsächlich nach Mexiko und für Neuseeland ist China der Nummer 1.

Neuseeland produziert für China

Den Exportmarkt für Vollmilchpulver dominiert Neuseeland. Der mit Abstand größte Exporteur hat seine Produktion im ersten Halbjahr 2011 um rund ein Viertel auf 608.000 t ausgedehnt. Ein Teil der in der Vergangenheit für die Herstellung anderer Milchprodukte eingesetzten Rohmilch, ist in den Ausbau dieses Marktsegmentes geflossen. Verantwortliche hierfür ist die geradezu explosionsartig gewachsene Nachfrage Chinas. Die Einfuhren ins Reich der Mitte haben von 2008 bis 2010 um das 7fache zugenommen und sind im ersten Halbjahr 2011 nochmals um 34 % auf 232.000 t gewachsen. Allerdings hat sich das chinesische Importwachstum im zweiten Quartal 2011 bereits spürbar verlangsamt, denn in den ersten 4 Monaten lag die Einfuhrmenge noch 63 % über dem Vorjahreswert. Mit deutlichem Abstand nach Neuseeland sind Europäer mit 219.000 t die zweitwichtigsten Exporteure von Vollmilchpulver. Die europäischen Exporte gingen jedoch wegen der starken Expansion der Neuseeländer, Argentiniens (+75 %) und Australiens (+15 %), um 7 % zurück. Wichtigster Importeur nach China ist Algerien, mit einer Importmenge von 85.000 t und einem Zuwachs bei den Einfuhren von 43 %. Für die Europäer ist das nordafrikanische Land der wichtigste Absatzmarkt für Vollmilchpulver.

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
 
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