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Milchproduktion

Milchmarkt International: Widersprüchliche Signale

von , am
11.07.2012

Widersprüchliche Preissignale kommen derzeit vom internationalen Milchmarkt. Analysten halten sich mit ihren Einschätzungen zurück. Noch ist unklar, auf welchem Niveau der Markt sein neues Gleichgewicht findet.

Von Januar bis Juni wurden in der Schweiz 1.739.572 Tonnen Milch vermarktet. © Mühlhausen/landpixel
Am internationalen Milchmarkt waren die Preissignale zuletzt widersprüchlich. Nachdem sich die internationalen Spotmarktpreise in der zweiten Junihälfte stabilisiert hatten und sogar wieder zulegten, rutschten die Preise auf der ersten Juli-Auktion der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade überraschend deutlich nach unten.
 
 
 
 
 
Für für Milchfett und Magermilchpulver waren die Abschläge sogar zweistellig. Anderseits vollzogen die in der ersten Juliwoche ermittelten Exportpreise für Milchprodukte aus Ozeanien und Westeuropa den rückläufigen Trend der globalen Handelsbörse nur bedingt nach.
 
In Ozeanien gaben die Exportpreise für Butter und Magermilchpulver zwar nach, für Käse blieben sie jedoch stabil und für Vollmilchpulver legten die Kurse sogar wieder zu. In Europa zogen die Ausfuhrpreise Anfang Juli für sämtliche Milchprodukte (außer für Molke) leicht an.
 

Stabile Preise im dritten Quartal?

Derzeit sind die meisten Analysten bei ihrer Markteinschätzung sehr zurückhaltend. Hauptargument für die Preisschwäche ist das deutlich über dem Vorjahr liegende Angebot in allen großen Exportländern. Dieses größere Angebot drückt bei allen Milchprodukten am Weltmarkt auf die Preise und wirkt auch auf die Binnenmärkte zurück. Noch ist jedoch unklar auf welchem Niveau der Markt  - also Angebot und Nachfrage - ein neues Gleichgewicht finden. Dies hängt sicherlich auch sehr stark von der weiteren ökonomischen Entwicklung und damit von der Nachfrage der großen Schwellenländer ab.
 
 
Die Analysten der Rabobank gehen in einer aktuellen Markteinschätzung davon aus, dass sich das globale Produktionswachstum infolge der niedrigeren Preise im Jahresverlauf merklich abschwächt. Dementsprechend könnten sich die Preise im dritten Quartal weiter stabilisieren und sich dann spätestens Anfang 2013 wieder erholen. Kurzfristig sehen die Marktbeobachter der Rabobank - ebenso wie die Experten National Australia Bank - jedoch nur geringes Aufwärtspotential.

Rohstoffwert im Juni erholt

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
An den Terminmärkten in Europa (Eurex) haben die Preise ähnlich wie an der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade zum Monatswechsel wieder leicht nachgegeben. Davor hatten sich die Kurse jedoch, wie an den internationalen Handelsplätzen auch, spürbar erholt. Die Preise für Magermilchpulver kletterten an der Eurex von Ende Mai bis Mitte Juli immerhin um gut zwölf Prozent auf 2.170 Euro pro Tonne - gaben jetzt jedoch wieder leicht nach.
 
Die Butternotierungen an der Eurex haben bis Ende Juni ebenfalls um 13 Prozent auf 2.825 Euro pro Tonne zugelegt und rutschten Anfang Juli ebenfalls wieder auf 2.700 Euro pro Tonne ab.
Gleichzeitig hat sich der vom Kieler ife-Institut auf Basis der Rohstoffverwertung für Juni errechnete Milchpreis, erstmals seit Oktober 2011, wieder erholt. Mit 25,6 Cent pro Kilogramm ist das um 1,7 Cent verbesserte Preisniveau jedoch rund 25 Prozent bzw. 8,6 Cent niedriger als im Oktober letzten Jahres.

Rohmilchpreise bis Mai rückläufig

Die von der EU-Kommission in den Mitgliedsländern ermittelten Erzeugerpreise für Rohmilch (natürlicher Fettgehalt) sind seit Ende letzten Jahres rückläufig. Dennoch haben sich die Milchpreise bislang besser behauptet als es der Rückgang der Produktenpreise bzw. die Rohstoffverwertung erwarten ließ.
 
Für den Monat Mai wies die Kommission für die EU einen Milchpreis von 31,6 Ct/kg und für Deutschland von 30,85 Ct je kg aus. Seit November sind die EU-Preise damit um rund zehn Prozent oder 3,5 Ct gefallen, während der Abschlag für Deutschland immerhin bei 16 Prozent oder rund sechs Cent lag und damit deutlich stärker ausfiel als im EU-Durchschnitt.
 
Die Spotmarktpreise für die am Binnenmarktmarkt gehandelte Rohmilch waren zwischenzeitlich weitaus stärker gefallen und lagen in der zweiten Junihälfte in Deutschland zwischen 25 und 26 Ct/kg.

Produktenpreise uneinheitlich

Die von der EU-Kommission wöchentlich erfassten Großhandelspreise am EU-Binnenmarkt haben die Entwicklung an den Export- und internationalen Spotmärkten ebenfalls nicht in vollem Umfang nachvollzogen. Am stärksten war der Preisrückgang bei Butter. Diese kostete Anfang Juli im EU-Großhandel durchschnittlich 30 Prozent weniger als im November.
 
Für Magermilchpulver waren die Preise Anfang Juli rund sieben Prozent niedriger als im November und für Vollmilchpulver betrug der Preisabschlag etwa 13 Prozent. Die Käsepreise lagen im EU-Mittel rund zehn Prozent unter dem Niveau vom November 2011. Dabei zeigte der Preistrend für Butter, Magermilchpulver und Molke Anfang Juli wieder nach oben. Für Vollmilchpulver waren die Großhandelspreise Anfang des Monats hingegen relativ stabil, während die Notierungen für Edamer, Gauda und Emmentaler zurückgingen.
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