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Milchproduktion

Milchmarkt: Kommt der Preisanstieg ins Stocken?

© landpixel
von , am
10.10.2012

Berlin - Die Tendenz am internationalen Milchmarkt ist derzeit nicht ganz leicht zu durchschauen. Der Aufwärtstrend der Preise scheint vorübergehend ins Stocken zu geraten.

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© krick/agrar-press
Am internationalen Milchmarkt scheint die kräftige Aufwärtsbewegung der Preise zumindest vorübergehend ins Stocken zu geraten. Das zeigen die letzten Auktionsergebnisse der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade. Die meisten Analysten wurden von dieser Entwicklung überrascht, denn aus fundamentaler Sicht war man ganz überwiegend von festen oder weiter steigenden Preisen ausgegangen. Damit stellt sich die Frage, ob sich die Nachfrage mit der globalen Konjunktur stärker abschwächt als erwartet oder ob die Preise mit dem schrumpfenden Angebot doch wieder steigen.

Keine eindeutige Entwicklung

Internationaler Preisindex für Milchprodukte.
Anfang Oktober gaben die Preise an der globalen Handelsbörse für Milchprodukte erstmals seit Juli wieder nach. Überraschend war dabei vor allem der zum Teil sehr kräftige Preisrückgang bei Käse (Cheddar) und Milchfett aber auch bei Magermilchpulver. Lediglich für Vollmilchpulver konnten die Preise weiter zulegen.
Andererseits waren die Preise an den wichtigsten Exporthäfen bis kurz vor den Monatswechsel stabil (Europa) oder legten sogar weiter zu (Ozeanien). Zuvor waren auch die Auktionspreise an der globalen Handelsbörse von Juli bis Mitte September um rund 20 Prozent (%) geklettert und die Preise an den Exporthäfen hatten in einer ähnlichen Größenordnung zugelegt.
 
Für die nächsten Monate waren die meisten Analysten eigentlich von einem weiteren Anstieg der Exportpreise ausgegangen. Unter anderem prognostizierte die Rabobank einen weiteren Preisanstieg bei Vollmilchpulver im ersten Halbjahr 2013 von etwa 20 %.

Rückläufige Produktion in den USA und Europa

Überrascht hat die Preisschwäche vor allem wegen der weiter rückläufigen Produktion in solchen wichtigen Exportländern wie den USA, der EU und auch in Argentinien. In der EU lag die Milchanlieferung für den Zeitraum von April bis Juni nur noch 0,9 % über dem Vorjahreswert und in den USA waren die Produktionsmenge im August erstmals unter den Vorjahreswert gefallen und geht weiter zurück.
Auch in etlichen großen asiatischen Importländern dürften die sehr stark gestiegen Futterkosten die dortige Milchproduktion drosseln und damit die Importnachfrage zur eigenen Versorgung ankurbeln.
 
Nach den Daten des USDA sind die Preise für zugekaufte Futtermittel in der US-Milchproduktion von Januar bis August um 62 % geradezu explodiert. Ähnlich dürften sich die Kosten für Milcherzeuger in anderen Ländern entwickelt haben.

Erneut mehr Milch in Ozeanien

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Während die Produktion auf der Nordhalbkugel derzeit auch aus saisonalen Gründen zurückgeht (Winterhalbjahr), nimmt das Angebot auf der Südhalbkugel aus denselben Gründen zu. Anders als in den USA und Europa, wo die sehr hohen Futterkosten die Produktionskurve unter die Vorjahreslinie drücken, liegen die Produktionsmengen in Neuseeland und Australien zum Saisonstart offenbar erneut über den Rekordmengen des Vorjahres. Dort profitieren die Farmer im Vergleich zu den USA und Europa von der extensiven und damit weniger kostenintensiven Produktion. Gleichzeitig sind die Wiesen und Weiden in sehr guten Zustand und erlauben einen weiteres Produktionswachstum.
 
 In Australien lag die erzeugte Milchmenge in den ersten beiden Monaten des neuen Milchwirtschaftsjahres mit rund 3,3 % überraschend deutlich über dem Vorjahreswert. In Neuseeland rechnet man trotz eines witterungsbedingt nicht ganz so optimalen Starts immer noch mit einem Produktionszuwachs gegenüber dem Vorjahresrekord.

Importnachfrage gibt den Ausschlag

Ausschlaggebend für die Entwicklung der Milchpreise wird deshalb in den nächsten Monaten die Nachfrage der großen Schwellenländer sein. Bislang scheint diese Nachfrage - trotz einer sich weiter abschwächenden globalen Konjunktur - noch sehr robust.
So meldete die Raobobank in einer aktuellen Analyse für den weltweit größten Milchpulverimporteur China im August sogar ein Fünfmonatshoch beim Import von Vollmilchpulver, obwohl der August eigentlich ein schwacher Importmonat ist und die Einfuhren sonst erst zum Ende des Jahres anziehen. Bestätigt wird die sehr dynamische Importnachfrage bislang auch durch die Daten zum globalen Milchhandel im ersten Halbjahr 2012.
 
Das stärkste Wachstum bei den Importen Jahr verzeichnen dort China und Mexiko und in deutlich geringeren Umfang auch Japan (Käse). Dagegen stagniert die Einfuhr Russlands (bei Käse) oder ist sogar rückläufig (Magermilchpulver) und ebenso schrumpfen die Importe Algeriens (Vollmilchpulver).
 
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