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Milchproduktion

Milchmarkt: Die Krise ist da - was macht die Politik?

von , am
06.07.2015

Der Milchpreis sackt seit Monaten ab. Die EU-Kommission geht davon aus, dass sich die Lage in den kommenden Monaten auch wenig ändert. In der Branche beginnt es zu rumoren.

Der aktuelle Milchpreis geht in Richtung des Preises von 2009 - die Folgen sind bekannt. © Mühlhausen/landpixel
Der alle wichtigen Verwertungen umfassende Milchwert Deutschland ist im Juni um weitere 0,9 Cent auf 25,7 Cent/kg zurückgegangen. Das berichtet Marktexperte Dr. Olaf Zinke im agrarmanager. Damit war der Milchwert 11,2 Cent oder 31,0 Prozent niedriger als im Juni 2014. Der Kieler Rohstoffwert für Milch ist im Juni um 0,4 Cent auf 24,5 Cent zurückgegangen und damit 12,4 Ct niedriger als im Jahr zuvor. Die Preistendenz kennt in den letzten Moanten nur eine Richtung: nach unten. Die Hilferufe aus der Branche nach politischer Unterstützung des Marktes werden lauter.
 
Laut EU-Kommission sei der Auszahlungspreis für Milch im Mai im EU-Schnitt bei nur noch 31 Cent pro kg gelegen, im Vergleich zu 31,3 Cent pro kg im April. Mit einer Besserung sei in diesem Jahr kaum noch zu rechnen, hielt die Brüsseler Behörde bei der Sitzung der Milchbeobachtungsstelle in der letzten Woche fest. In den kommenden Monaten sei eher ein weiterer Rückgang der Erzeugerpreise wahrscheinlich. Wegen der guten Futtergrundlage rechnet die Kommission von Juni bis Dezember 2015 mit einem Plus von 1,6 Prozent an Milch gegenüber dem Vorjahr.
 
Auch die Aussichten auf dem Weltmarkt sind nach Ansicht der EU-Experten mäßig. Dort würden fallende Notierungen für Milchpulver und Käse erwartet, weshalb am ehesten noch ein schwacher Eurokurs die Ausfuhren von Molkereiprodukten aus der EU beleben könne. Die Bestände an Magermilchpulver seien in der EU überdurchschnittlich hoch, teilte die Kommission mit. 

COPA-COGECA: Superabgabe soll in Milchsektor zurückfließen

"750.000 europäische Milcherzeuger stehen mit Blick auf ihre Gewinnspannen und ihre Liquidität vor großen Problemen. Die ihnen gezahlten Erzeugerpreise decken in den meisten Ländern nicht einmal die Produktionskosten. Ohne die Unterstützung der Europäischen Kommission wird die Situation in Kürze unerträglich werden", warnte Mansel Raymond, Vorsitzender der COPA-COGECA-Arbeitsgruppe "Milch und Milchprodukte", vor der ernsten Lage auf dem EU-Milchmarkt. Raymond forderte von der EU-Kommission,
"In diesen schwierigen Zeiten, in denen Milchbauern dringend Liquidität benötigen, werden rund 700 Millionen Euro aus dem Milchsektor abgezogen. Daher sollten diese Gelder in die Branche zurückfließen, sei es für Investitionen, benachteiligte Gebiete, interne und externe Absatzförderung oder Qualitätsregelungen", appellierte der Arbeitsgruppen-Vorsitzende. Auch eine Bewertung des Niveaus des Interventionspreises wurde erneut zur Sprache gebracht. Der Markt benötige eine tatsächliche Untergrenze. "Ohne diese Maßnahmen wird es zu negativen Auswirkungen auf die ländlichen Gebiete der EU kommen, und das ist angesichts der aktuellen Wirtschaftslage das Letzte, was wir brauchen", so Raymond.
 
Dem stimmt auch der Deutsche Bauernverband (DBV) zu. Des Weiteren fordert der DBV die Molkereien auf, ihren Absatz nach Ländern und Produkten stärker zu diversifizieren. Einseitige Abhängigkeiten gelte es zu vermeiden. Neben dem Export sollte zudem auf die Potenziale von Markenbildung und regionaler Erzeugung gesetzt werden. Dringend empfohlen wird, die Strukturen des Molkereisektors anzupassen, um die Verhandlungsposition gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu stärken. Der Lebensmitteleinzelhandel wird aufgefordert, seine Marktmacht nicht zu missbrauchen. Die offensichtliche Preisführerschaft weniger Lebensmitteleinzelhändler gelte es kartellrechtlich zu prüfen, erklärte der DBV.
 
Auf EU-Ebene sollte das europäische Sicherheitsnetz für Krisenzeiten, bestehend aus privater Lagerhaltung sowie öffentlicher Intervention, genutzt werden. Außerdem fordert der DBV das Bereithalten eines Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramms für die Milchbauern und erneut die Einführung steuerlicher Instrumente für die einzelbetriebliche Risikovorsorge.

Milchmarkt: EMB fordert Alternative zur Quote

Auch das Netzwerk Europäische Koordination Via Campesina (ECVC) und das European Milk Board (EMB) bestärken ihre Forderungen nach
  • einer sofortigen Anerkennung der Krise sowie
  • Maßnahmen zur Krisenprävention
Mit dem Ende der Quoten wurde nach Ansicht der Verbände ein ganzes Instrumentarium abgebaut, das dem Milchsektor zuvor zur Verfügung stand. Die Schwankungen der Weltmarktpreise lösen zyklische Krisen aus, die viele Milcherzeuger zur Aufgabe zwingen. Eine solche Entwicklung habe schwerwiegende soziale, ökologische und wirtschaftliche Folgen für ganz Europa. Die beiden Verbände setzen sich für eine Neubewertung der bestehenden Instrumente ein, die mit dem "Milchpaket" verabschiedet wurden.

GlobalDairyTrade-Index gibt Anfang Juli weiter nach

Nachdem die Notierungen an der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT) Mitte Juni nur leicht rückläufig waren, fiel das Minus bei der jüngsten Auktion am 1. Juli deutlicher aus. Der Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von Milchprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst ist, verringerte sich um 5,9 Prozent (%). Die Notierungen für die meisten im Index enthaltenen Milchgrundprodukte tendierten mehr oder weniger stark nach unten.
  • Der Preis für Butter sank gegenüber der vorherigen Auktion (Mitte Juni) im Durchschnitt aller Lieferkontrakte um 0,3 % und jener für Buttermilchpulver um 8,1%.
  • Auch die Notierungen für Cheddar-Käse (-4,9 %), Kasein (-4,1 %) und Magermilchpulver (-5,8 %) tendierten deutlich nach unten.
  • Bei Vollmilchpulver wurde mit -10,8 % der stärkste Rückgang verzeichnet.
  • Nur der Preis für Butteröl konnte um 1,6 % zulegen.
 
Der GDT-Index ist ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des internationalen Milchmarktes. Er war bereits im vergangenen Jahr sehr stark gesunken. Anfang 2015 setzte ein Aufwärtstrend ein, der aber nur bis Anfang März anhielt. Seither gab der Index zum achten Mal in Folge nach, mittlerweile nähert er sich dem historischen Tiefpunkt von Juli 2009.
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