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Milchproduktion

Milchmarkt: Lage ist angespannt

© landpixel
von , am
22.05.2012

Die Lage am europäischen Milchmarkt ist angespannt. In fast allen wichtigen Produktionsländern drücken die im Vergleich zum Vorjahr spürbar gewachsenen Milchmengen auf den Markt.

Die Großhandelspreise für Milchprodukte sind im September weiter gefallen. © Mühlhausen/landpixel
Nach Berechnungen der FAO müssen knapp acht Prozent der in Europa erzeugten Milch am Weltmarkt abgesetzt werden. Entsprechend sorgen die ins Rutschen geratenen Weltmarktpreise auch für Druck am europäischen Binnenmarkt. Dabei zeigen sich die Exportmärkte bislang jedoch relativ aufnahmefähig. Offenbar ist das Angebot jedoch schneller gewachsen als die Nachfrage.

Export läuft überwiegend gut

Die EU-Kommission zeichnet in ihrer Marktübersicht von Mai ein relativ positives Bild von den Exportmärkten. In den ersten drei Monaten dieses Jahres nahmen die europäischen Ausfuhren bei
  • Magermilchpulver (+ 20 %),
  • bei Molkepulver (+25,2 %),
  • Kasein (+ 16,8 %) und
  • Laktose (+12,9 %) zu.
Auch beim äußerst wichtigen Käseexport verzeichnen die EU-Länder einen leichten Zuwachs von 1,1 Prozent (%). Allerdings erfolgte dieses Wachstum auf Basis nachgebender Preise, wie die letzten Auktionspreise der globalen Handelsbörse Globale Dairy Trade und auch die an den Exporthäfen ermittelten Spotmarktpreise für Milchprodukte zeigten.
 
Bei einigen Milchprodukten ist der europäische Absatz am Weltmarkt aber auch zurückgegangen. So liegen die Ausfuhren bei Butter (- 29 %) und Butteröl (-51,8 %) weit unter den Absatzmengen des Vorjahres. Aber auch bei Vollmilchpulver (-16,8 %) ist der Absatzrückgang sehr deutlich. 

Neuseeland baut Marktanteile aus

Besonders stark ist der Angebotsdruck am Weltmarkt offenbar aus Neuseeland. Dort übertrifft die produzierte Milchmenge für den Zeitraum Juli 2011 bis Februar 2012 den Vorjahreswert um knapp zehn Prozent. Gleichzeitig ist Neuseeland nach den Berechnungen der FAO für rund ein Drittel aller Exporte bei Milchprodukten verantwortlich - die EU für knapp ein Viertel, die USA für etwa zehn Prozent. Im Zeitraum Januar bis März 2012 lagen die neuseeländischen Ausfuhren bei Butter immerhin neun Prozent höher als vor einem Jahr, bei Butteröl übertraf man den Vorjahreswert sogar um knapp 50 %.
 
Auch bei Magermilchpulver konnte Neuseeland seine Exporte 2012 um rund vier Prozent steigern und bei Vollmilchpulver stabil halten. Bei Käse wuchsen die Ausfuhren Neuseelands sogar um 22 %.

China dominiert die Nachfrage

Wichtigste Abnehmer am Milchmarkt war nach den Daten der EU-Kommission China. Rund elf Prozent aller Importe (vor allem Milchpulver) nimmt das Reich der Mittel nach den Berechnungen der FAO mittlerweile auf. Von Januar bis März 2012 hat sich Einfuhr von Butteröl nach China etwa verdoppelt, der chinesische Import von Magermilchpulver ist um 70 % gewachsen und die Einfuhr von Vollmilchpulver ist nahezu stabil geblieben.
 
Bei Käse haben Japan und die Europäer ihre Einfuhren erhöht und bei Butter sind vor allem die EU-Importe gewachsen.

Konsolidierung an den Terminmärkten

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die von der EU-Kommission wöchentlich erfassten Großhandelspreise für Milchprodukte lassen für den Zeitraum März bis Mai einen deutlichen Preisrückgang erkennen. So haben die von der Kommission ermittelten Butterpreise von Anfang März bis Mitte Mai um 20 % nachgegeben. Gleichzeitig gingen die Preise für Mager- und Vollmilchpulver um rund zehn Prozent zurück, die Preise für Molkepulver um acht prozent.
 
Relativ gut behaupten konnten sich in Europa hingegen die Käsepreise. Sie gaben bis Mitte Mai für die Gouda und Edamer um rund fünf Prozent nach. An den Spotmärkten ist die Preiskorrektur etwas deutlicher ausgefallen. Hier bewegten sich die Rohmilchpreise zuletzt unter 25 Ct und der Rohstoffwert des Ife-Instituts Kiel für den Monat April lag bei 25,5 Ct/kg.
 
An den europäischen Terminmärkten haben sich die Preise für Milchpulver nach dem kräftigen Rückgang im April zuletzt wieder stabilisiert. Von April bis Mai betrug der Preisrückgang etwa zehn Prozent. Für die kommenden Termine halten die Preise das zuletzt erreichte Niveau und deuten damit eine mögliche Konsolidierung des Marktes an.
 
 
Bitte verlinken mit FAO Milchmarkt und Fonterra-Auktion/Global Dairy Trade    
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