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Milchproduktion

Milchmarkt: Markt wieder im Gleichgewicht?

© agrar-press
von , am
27.06.2012

Am internationalen Milchmarkt sind Angebot und Nachfrage offenbar wieder besser im Gleichgewicht. Allerdings hat sich dieses neue Gleichgewicht auf einem deutlich ermäßigten Preisniveau eingependelt.

Für deutsche Milcherzeuger wird es keine Stundung der Superabgabe geben.
Bis weit in den Mai hinein standen die Preise an den internationalen Märkten noch unter Druck und sind von Januar bis Mai um 15 bis 20 Prozent (%) gefallen. Im Juni erfolgte dann jedoch eine Bodenbildung und mit der wieder anziehenden globalen Nachfrage legten auch die Preise für Milchprodukte wieder zu. Das zeigt sich sowohl an den Spot- und Terminmärkten als auch bei den Exportpreisen für Milchprodukte.

Kleineres Angebot wirkt stabilisierend

Preisstabilisierend wirkt neben der robusten Nachfrage am Weltmarkt vor allem der Rückgang des globalen Angebotes. So befindet sich die Produktionskurve in Neuseeland und Australien derzeit auf ihrem saisonalen Tiefpunkt, denn auf der Südhalbkugel ist gerade Winter. Auch in Europa war der Produktionshöhepunkt im Mai überschritten und die Milchmenge geht nun von Monat zu Monat zurück.
 
In den USA verschlechtert sich durch die Hitzewelle im Mittelwesten nicht nur die Futterversorgung, sondern die Kühe geben wegen der Hitze auch weniger Milch. Gleichwohl liegen die Produktionsmengen in allen wichtigen Exportregionen (trotz des Rückgangs), nach wie vor höher als im letzten Jahr. Nur bei einer anhaltend robusten globalen Nachfrage wird die Marktkonsolidierung deshalb Bestand haben und möglicherweise auch weiter steigende Preise zulassen. Dazu müssen jedoch vor allem China und andere großen Abnehmer wie Algerien, Mexiko, die Philippinen, Russland und auch Japan stabile oder größere Mengen einkaufen. Dies hängt jedoch auch von der weiteren Entwicklung der globalen Wirtschaft und der Finanzmärkte ab.
 

Exportpreise zogen im Juni an

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
In der europäischen Union spiegelt sich die verändert Marktlage zuerst an den Terminmärkten wider. Dort haben sich die Preise für Magermilchpulver und Butter von ihren Tiefpunkten im Mai erholt und bis Ende Juni um zwölf Prozent bzw. 14 % zugelegt.
Auch die von der EU-Kommission wöchentlich erfassten Großhandelspreise am EU-Binnenmarkt lassen die Trendwende bereits erkennen. Insbesondere Butter, Magermilchpulver sowie Molkepulver haben sich im Juni wieder verteuert.
 
Dagegen blieben die Preise für Käse und Vollmilchpulver relativ stabil. Sichtbar wird die Markterholung auch an den Exportmärkten. Hier haben sich die Preise allerdings erst in der zweiten Junihälfte erholt. Bis dahin ging es sowohl in Europa als auch in Ozeanien stetig abwärts. Kurz vor dem Monatswechsel zogen die europäischen Exportpreise für Butter, Magermilchpulver, Vollmilchpulver, Butteröl und Molke zwischen fünf und 10 % an. Auch in Ozeanien verteuerten sich die meisten Exportprodukte kurz vor dem Monatswechsel. Lediglich bei Käse blieben die Preise zunächst unverändert.

Exportmärkte bislang aufnahmefähig

Mengenmäßig läuft der europäische Export von Milchprodukten bislang gut. Bis einschließlich April zeigen die Daten der EU-Kommission für eine ganze Reihe von Produkten ein Zuwachs bei den Ausfuhren. Besonders deutlich über den Vorjahreswerten lagen in den ersten vier Monaten des Jahres die Exportmengen bei Magermilchpulver  mit 21,9 % und Molkepulver  mit 23,4 %. Mehr exportiert als im letzten Jahr haben die EU-Länder zudem auch bei Laktose mit 14,8 %) und Kasein mit 24,8 %.
Bei Käse waren die Exporte mit vier Prozneht hingegen relativ stabil. Dagegen sind die Ausfuhren bei Vollmilchpulver mit einem Minus von 14,5 % und Butter nit minus 20,4 % deutlich zurückgegangen. Immer wichtiger für die weitere Marktentwicklung ist der weltweit größte Importeur China.
 
Das Reich der Mitte kaufte im Jahr 2012 mehr Magermilchpulver und weniger Vollmilchpulver als 2011. Diese Nachfrageverschiebung schlägt sich unmittelbar in den Bilanzen der Exporteure nieder. Zudem müssen die asiatischen und nordafrikanischen Abnehmer die rückläufigen Importe Russlands ausgleichen. Der Weltweit größte Importeur von Käse drosselte sein Einfuhren um zehn Prozent und kaufte auch deutlich weniger Butter (- 55 %) und Magermilchpulver (- 55 %).
 
 
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