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Milchproduktion

Milchmarkt: Steigende Preise und höhere Kosten

© agrar-press
von , am
20.08.2012

Berlin - Die Preissignale am Internationalen Milchmarkt zeigen nach oben. Ein Grund ist die Angst vor einer witterungsbedingten Verknappung des globalen Rohmilchangebotes.

Die neuseeländischen Milchbauern haben ihre Produktion deutlich gedrosselt. © Mühlhausen/landpixel
Am internationalen Milchmarkt zeigen derzeit alle Preissignale nach oben. Sowohl die letzte Auktion der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade als auch die Preise an den Exporthäfen in Ozeanien und Europa zogen im August an. Auslöser für den Preisanstieg sind offenbar Befürchtungen der großen Händler und internationalen Vorarbeiter über eine zunehmende witterungsbedingte Verknappung des globalen Rohmilchangebotes.
 
 
Vor diesem Hintergrund hat die zu diesem Zeitpunkt eigentlich eher schwache Nachfrage am Weltmarkt kräftig angezogen und die Einkäufer bemühen sich ihre Lagerbestände und Vorräte zeitiger aufzufüllen als gewöhnlich.

USA: Kostendruck und Produktionsrückgang

Entwicklung der Internationalen Magermilchpulverpreise.
Ein erstes Signal in Richtung Angebotsverknappung hat Mitte August das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) gegeben. Der nach den Neuseeländern und Europäern wichtigste Exporteur von Milchprodukten, musste seine Produktionsschätzungen wegen der Dürre und Futterknappheit im Mittelwesten nach unten setzten. Das monatlich vom USDA ermittelte Verhältnis von Kosten und Erlösen in der Milchproduktion fiel auf den schlechtesten Stand seit den 1980er Jahren.
 
Die Marktbeobachter des USDA erwarten infolge der rasant steigenden Futterkosten einen Abbau der Kuhbestände und eine rückläufige Milchproduktion. Die Produktionserwartung (Rohmilch) für das Jahr 2013 wurde um 1,5 Prozent nach gesetzt. Gleichzeitig wurden die Exportmengen nach unten und die Rohmilchpreise nach oben korrigiert.

Ozeanien mit Kostenvorteilen

Entwicklung der Internationalen Vollmilchpulverpreise.
In den beiden ozeanischen Ländern Neuseeland und Australien befindet sich die Produktionskurve derzeit auf dem saisonalen Tiefpunkt. Der neue Saisonstart steht jedoch in Neuseeland unmittelbar bevor und auch in Australien ist es nicht mehr allzu weit bis zum Weideauftrieb.
In beiden Ländern erfolgt die Rindfleisch- und Milchproduktion eher extensiv und die stark gestiegenen Futterkosten können zumindest teilweise über den stärkeren Einsatz von Grobfutter abgefedert werden. Dies bringt den ozeanischen Produzenten gegenüber den Europäern und Amerikanern beträchtliche Kostenvorteile, denn in den USA und hierzulande erfolgt die Milchproduktion intensiv mit hohem Einsatz an Getreide und Eiweißfutter.

Trockenheit in Australien

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Aus Neuseeland wird vor dem Saisonstart über einen sehr guten Zustand der Weiden berichtet. Im letzten Jahr steigerten die Neuseeländer ihre Milchproduktion um neun Prozent und für dieses Jahr wird immerhin noch mit einem Zuwachs von vier bis fünf Prozent gerechnet. (Fast 90 Prozent der neuseeländischen Produktionsmenge werden exportiert - in Europa sind es knapp acht Prozent und in den USA sechs Prozent.)
 
In Australien haben die hohen Weltmarktpreise im letzten Jahr ebenfalls zu einer Expansion der Produktion um etwa vier Prozent geführt.
 
Für dieses Jahr erwarten internationale und australische Wetterdienste jedoch Auswirkungen des pazifischen Wetterphänomens El-Nino auf Australien. In Ost-Australien ist dies bereits deutlich spüren. Dort hat Niederschlagsmangel bereits zu einer Verschlechterung der Aufwuchsbedingungen für Getreide und Futter geführt. Damit könnte das Wachstum der australischen Milchproduktion spürbar abgebremst werden und das globale Angebot wird reduziert.

Preiserholung in Europa

In Europa zeigen die Preise sowohl den Produktmärkten als auch beim Export nach oben. Ganz offensichtlich scheint sich der Markt auch bei uns zu erholen, nachdem die Produktenpreise bis zur Jahresmitte deutlich gefallen waren. Der Rückgang der Rohmilchpreise erfolgte etwas zeitversetzt, müsste aus Sicht der Rohstoffverwertung jedoch ebenfalls beendet sein. Der vom Kieler ife-Institut auf Basis von Magermilchpulver und Butter errechnete Milchpreis, ist nach einem acht-monatigen Rückgang im Juli erstmals wieder gestiegen.
 
Die von der EU-Kommission für dieses Kalenderjahr ermittelte Produktionsmenge lag für den Zeitraum Januar bis Mai rund 2,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Zuletzt hat sich der Abstand zum Vorjahr allerdings verringert und die letzte Schätzung der EU-Kommission von Juni, geht für von einer deutlichen Verlangsamung des Produktionswachstums aus. Insbesondere die stark gestiegen Futterkosten werden den europäischen Milcherzeugern zu schaffen machen und - ähnlich wie in den USA - möglichweise zu einer noch stärkeren Drosselung der Produktion und einem Abbau der Kuhbestände führen.
 
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