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Milchproduktion

Milchmisere in der Presse: 'Milchbauern selbst schuld'?

von , am
03.09.2015

Der Milchpreis treibt viele Landwirte in die Verzweiflung. Das Thema wird auch von der Publikumspresse aufgegriffen. Egal ob BBV-Vize Felßner in der BILD oder die Sterndemo des BDM - die Milch polarisiert aktuell.

Mit seiner Staffelfahrt erregte der BDM bundesweites Aufsehen. © BDM
Die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt erregt die Gemüter. Die Landwirte wirtschaften am Existenzminimum und machen auf ihre Situation aufmerksam. Das zeigt Wirkung. So hat die Milch den Weg in die Publikumspresse gefunden. Die Interpretationen gehen dabei weit auseinander. Ein Überblick:
 
Hart ins Gericht geht die Süddeutsche Zeitung mit den Milchbauern in dem Kommentar "Warum die Milchbauern selbst schuld sind" sind. Credo: Die Landwirte hätten vor dem Ende der Milchquote zu stark investiert und auf den Export gesetzt. Da wichtige Märkte wie China und Russland aber aus unterschiedlichen Gründen aktuell eingebrochen sind und zu viel Milch auf dem Weltmarkt sei, könnte die erzeugte Menge nicht abgesetzt werden. "Sie haben sich verzockt", heißt es in dem Text. Zu einer Wiedereinführung der Milchquote heißt es in dem Kommentar weiter: "Völlig falsch wäre es jedoch, angesichts der Krise wieder eine Art Milchquote einzuführen, wie es der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter oder die Grünen fordern. Die Quote wurde nicht ohne Grund abgeschafft." Die Milchquote habe vielmehr über Jahrzehnte das Höfesterben auch nicht aufhalten können.
 
Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht eine Kontingentierung der Erzeugung durch eine Quote als Instrument von gestern. In dem Beitrag "Von armen Milchbauern kann keine Rede sein" schreibt der Autor: "Die Quote hat das Ziel, den Preis zu stabilisieren, nur sehr begrenzt erreicht. Das lag auch daran, dass die Quote von Anfang an viel höher lag als der Verbrauch in Europa. Vor allem aber hat die EU schon vor Jahren die Devise ausgegeben, die Agrarpolitik grundsätzlich stärker am Markt ausrichten."
 
In dem Artikel wird auch auf die Warnung des ehemaligen EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos zum Ende der Quote hingewiesen:"Wenn erst einmal jeder Bauer soviel Milch produzieren dürfe, wie er wolle, werde das zwangsläufig Auswirkungen auf die Preise haben, warnte er damals."
 
Tatsächlich ist die EU-Milchproduktion in 2014 um 4,5 Prozent gestiegen, während sie in anderen wichtigen Erzeugerländern wie Neuseeland oder den Vereinigten Staaten lediglich um knapp zwei Prozent wuchs.

Die Welt: Molkerei wider den Billigtrend

DieWeltbeschäftigt sich in der Reportage "Wie sich eine Molkerei gegen den Billigtrend stemmt"mit der Preispolitik der Milchwerke Berchtesgadener Land. Die Molkerei zahlt ihren Landwirten aktuell einen Preis von 38 Cent pro Kilogramm Rohmilch.
"Unsere Nische heißt Qualität", erklärt Geschäftsführer Gerhard Pointner in dem Artikel. "Und diese Qualität gibt es nicht zum Discountpreis." Allerdings müssten die Landwirte dafür auch entsprechende Standards erfüllen. Das Futter muss GVO-frei sein und in der Masse von den Wiesen der Region kommen. Sind die Kühe krank, setzen die 1.800 Lieferanten verstärkt auf Homöopathie denn auf Antibiotika. Diese Mehrleistung lässt sich die Molkerei jedoch einiges kosten: "Denn jeder zusätzliche Cent für die Bauern kostet die mittelständische Molkerei rund 2,5 Millionen Euro. Beim aktuellen Auszahlungspreis von 38 Cent sind das Mehrkosten von stattlichen 25 Millionen Euro."
 
Die SZ besuchte wiederum die Molkereigenossenschaft Erding und schreibt in dem Artikel "Milchbauern vor ungewisser Zukunft": "2015 wird keine Dividende ausgeschüttet, für 2016 wurde jedoch eine Dividende von sechs Prozent auch wegen der guten Sempta-Ergebnisse in Aussicht gestellt, die aber erst im nächsten Jahr beschlossen werden muss."

BBV-Vize Felßner in der BILD

Die BILD hat BBV-Milchpräsident Günther Felßner auf dessen Hof in Mittelfranken besucht. Felßner listet in dem Beitrag "Täglich machen zehn Höfe dicht" die Kosten der Landwirte auf und macht auf die extrem angespannte Lage auf dem Weltmarkt aufmerksam. Er kommt zu dem Schluß: "Meine Kosten sind bei 35 bis 40 Cent. Da werde ich also dieses Jahr nichts verdienen, muss noch Geld drauflegen, um weiterzumachen und auf ein besseres 2016 zu hoffen."
 

Sternfahrt des BDM polarisiert

Mit seiner Sternfahrt schaffte es der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in alle Zeitungen. Auch das ZDF widmete der Demonstration und dem aktuell prekären Milchpreis ein Special unter dem Titel "Kuhglockenkonzert: Milchbauern gegen Preisdumping". In dem Dossier werden neben der Sternfahrt auch mögliche Gründe und Hintergründe zum Milchpreisverfall beleuchtet.
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