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Milchproduktion

Milchpreis nach Ende der Quote: Wohin geht die Reise?

von , am
14.01.2015

Berlin - Der deutsche Milchmarkt startet 2015 wenig verheißungsvoll. Im Jahr des Auslaufens der Milchquote droht eine Superabgabe in Rekordhöhe, der Milchpreis zeigt im ersten Halbjahr abwärts.

Zeitumstellung: Die Kühe geben weniger Milch. © Mühlhausen/landpixel
"Die EU-Milchquote wird in diesem Jahr im Alter von 31 Jahren zu Grabe getragen. Viele werden ihr wohl keine Träne nachweinen", erklärt Prof. Holger Thiele von der Fachhochschule in Kiel zu Beginn seines Vortrags am Dienstag bei der DLG-Wintertagung in Berlin. Grund zur Freude gibt es für viele Milcherzeuger im ersten Halbjahr 2015 trotzdem eher weniger. Grund: Nach dem letzten Quotenjahr 2014/15 wird ihnen im Sommer bei geringeren Milchpreisen noch eine hohe Superabgabe präsentiert werden, die für Deutschland wohl die höchste in den 31 Jahren Quote sein wird, so der Direktor des ife-Instituts bei der Diskussion zum Thema "Milcherzeugung 2025 - neue Horizonte, neue Grenzen?".
 
Schon im November 2014 ist der vom ife-Insitut und der AMI ermittelte "Milchwert Deutschland", der die durchschnittliche Verwertung der in Deutschland verarbeiteten Milch erfasst, unter die Marke von 30 Cent/kg (bei 4,0 % Fett und 3,4% Eiweiß) gerutscht. Die Abschwungphase hält laut Thiele aktuell wesentlich länger an als 2012, als es nur drei Monate unter 30 Cent ging. Der ebenfalls vom ife-Institut berechnete "Rohstoffwert Milch" (für Butter und Magermilchpulver) nahm so von einem Hoch von 45,6 Cent/kg Milch im September 2013 bis aktuell 24,7 Cent/kg Milch im Dezember 2014 um 46 Prozent ab.
"Noch ist unklar, ob die Intervention im ersten Halbjahr 2015 helfen muss, aber auch hier sind nach derzeitigen Konditionen im besten Fall nur 20 Cent je Kilogramm Milch zu realisieren", führt der Milchexperte weiter aus. Schwierig einzuschätzen sei zudem die Entwicklung unmittelbar nach dem Ende der Quote. So könnten die Anlieferungsmengen bis Ende März sogar unter den geplanten Mengen liegen und ab April wäre mit einem deutlichen Kick zu rechnen. Deshalb rechnet Thiele erst kurz vor der Jahresmitte mit einem nachlassenden Angebotsdruck. Mit einem Anstieg der Milchmengen wie im vergangenem Jahr sei dabei aber nicht zu rechnen.

Milchpreis 2015: Eher bei 30 als bei 40 Cent/kg

Prof. Dr. Holger Thiele, FH Kiel und ife Institut für Ernährungswirtschaft Kiel © DLG
Als Megatrends auf dem Milchmarkt  sind laut Thiele wohl auch nach dem Ende der Milchquotezu sehen:
  • weiter steigendes Angebot in Europa und weltweit
  • höheres Wachstum der Nachfrage als Angebot weltweit
  • zukünftige Wachstumsmärkte der Milchnachfrage liegen außerhlab Europas
Falls die vom Weltmarkt erwartete Belebung der Nachfrage schon in diesem Jahr eintritt, kommt sie nach Einschätzung von Prof. Thiele erst mit einiger Verzögerung in allen Bereichen an, zuerst bei Butter und Magermilchpulver. Die von diesen überschaubaren Segmenten ausgehenden Signale wirkten dann in die anderen Bereiche hinein. "Nur unter günstigen Bedingungen könnte ab Mitte 2015 die Milchauszahlungspreise über die 30 Cent je kg steigen, werden sich aber vorrausichtlich auch dann näher an 30 als an 40 Cent je kg bewegen", erklärt Thiele.

Milchpreis durch Termingeschäfte absichern

Nach dem Ende der Milchquote werden die Preisunsicherheiten für die Erzeuger eher steigen. Nach Expertenmeinung spielen dabei in der künftigen Vermarktung Instrumente wie Milchtermingeschäfte eine größere Rolle. Diese werden bislang in Deutschland noch vergleichsweise wenig genutzt. So wurden seit dem Börsenstart im Mai 2010 bis Anfang 2015 lediglich 1.927 Magermilchpulver- beziehungsweise 6.463 Butter-Kontrakte (ein Kontrakt à 5 t) an der Eurex in Frankfurt gehandelt. Wenngleich das Handeslvolumen zunehme, sei es noch nicht annähernd mit dem der amerikanischen Kollegen vergleichbar.
 
Dabei müsse die Branche beachten, dass Absicherung nicht Höchstpreis bedeute. Diese Einschätzung teilte bei der DLG-Wintertagung ife-Präsident Thiele mit Johann Kalverkamp von der VR Agrarberatung aus Lingen. Wichtigstes Gebot der Absicherung sei es laut Kalverkamp, immer konsequent und diszipliniert nach der individuelle Kalkulation zu handeln. Deshalb sei die Berechnung des individuellen Grenzmilchpreises auf Vollkostenbasis die Vorraussetzung einer erfolgreichen Absicherung. Des Weiteren gibt Kalverkamp folgende Tipps bei der Analyse des innerbetrieblichen Preisrisikos:
  • innerbetriebliche Grenzpreise ermitteln
  • Risikotragfähigkeit analysieren
  • innerbetriebliches Preisrisikomanagemnet aufbauen
  • mit börsenabhängigen Preisen kalkulieren
  • Preise nach vorher festgelegten Strategien absichern
  • Disziplin während der Absicherungsphase, nicht von Emotionen zu Fehlentscheidungen drängen lassen
  • mit der Hausbank kommunizieren

Nach Ende der Milchquote: Termingeschäfte wie bei Ackerbauern

Johann Kalverkamp, VR Beratung Lingen © DLG
Wie Kalverkamp im Rahmen der DLG-Wintertagung weiter ausführte, sei es insbesondere Ende 2013 interessant gewesen, das damalige Preisniveau möglichst weit nach vorne zu sichern. Aktuell würden aufgrund des gegenwärtig niedrigen Preisniveaus für folgende Termine nur geringe Milchpreise zur Absicherung angeboten, die in der Regel in der Verlustzone lägen. Deshalb mache es momentan keinen Sinn, Milchpreise abzusichern. Sinnvoll ist es jedoch, sich mit dem Thema Termingeschäfte für Milch in der jetzigen Phase auseinander zu setzen, um bei einem guten Preisniveau richtig reagieren zu können. Termingeschäfte werden deshalb nach dem Ende der Milchquote, ähnlich wie es bei Ackerbauern schon länger der Fall ist, für Milcherzeuger eine größere Rolle spielen um ihre Preise abzusichern.
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