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Milchproduktion

Milchpreise: 3.000 Bauern protestieren in London

von , am
12.07.2012

London - Fast 3.000 Bauern haben gestern mit einem Krisengipfel im Zentrum von London gegen zu niedrige Milchpreise protestiert.

Etwa 3.000 Landwirte protestierten gestern in London gegen den niedrigen Milchpreis. © NFU
Bei einer Versammlung in Westminster forderten die wütenden Milchviehhalter die Molkereien ultimativ auf, die jüngsten Preissenkungen von umgerechnet bis zu 2,5 Cent je Liter Milch zurückzunehmen. Andernfalls wollen die Erzeuger ab dem 1. August die Milchanlieferung unterbrechen. Von Agrarstaatssekretär Jim Paice verlangten sie gesetzliche Regelungen für die Lieferbeziehungen zwischen Molkereien und Landwirten.

Britischer Bauernverband stellt Forderungen

Paice setzt jedoch weiter auf eine freiwillige Branchenvereinbarung. Nach seinen Worten sind die Gespräche zwischen der Milchindustrie und dem Berufsstand einem erfolgreichen Abschluss nah. Dairy UK, der Dachverband der britischen Milchindustrie, erklärte, in den Verhandlungen seien große Fortschritte erzielt worden. Nach Darstellung des britischen Bauernverbandes (NFU) ist ein zentraler Streitpunkt aber weiterhin offen, und zwar die Frist für ein Sonderkündigungsrecht bei Preissenkungen oder anderen einseitig angekündigten Verschlechterungen.
 
NFU-Vizepräsident Meurig Raymond sagte, "wir hoffen weiter auf eine freiwillige Vereinbarung, um das Machtverhältnis zwischen Landwirten und Verarbeitern in ein Gleichgewicht zu bringen." Raymond unterstrich aber auch, "wenn die Preissenkungen nicht bis zum 1. August widerrufen sind, werden wir gezielte friedliche Demonstrationen vor den Molkereien und Supermärkten unterstützen und erleichtern." Die Verbraucher sollen durch eine konzertierte Kampagne auf die verzweifelte Lage der Milcherzeuger aufmerksam gemacht werden.

Cameron verspricht finanzielle Hilfen

Staatssekretär Paice geriet im Laufe der Versammlung erheblich unter Druck, teilweise weil er tags zuvor in einem Interview zugeben musste, den Einzelhandelspreis einer Flasche Milch nicht zu kennen, teils weil er die Farmer in der Central Hall von Westminster aufforderte, ihre Kosten zu senken. Premierminister David Cameron kündigte an, rund 6,3 Millionen Euro aus dem Haushalt für ländliche Entwicklungsmaßnahmen umzuwidmen in Hilfen für die Milchviehbetriebe. Paice sagte Erleichterungen für den Umgang mit Wirtschaftsdünger zu.

Verband Dairy UK: 'der Markt bestimmt den Preis'

Der Verband der britischen Milchindustrie Dairy UK äußerte Verständnis für den Frust der Erzeuger und nannte die Preissenkungen durch die Molkereien bedauerlich. Zugleich betonte der Verband, der Markt bestimme die Preise. Die britischen Molkereien könnten sich von der Entwicklung am Weltmarkt nicht abkoppeln. Dairy UK warnte vor einer Einschränkung der Milchanlieferung, denn gerade jetzt zeichne sich eine wieder steigende Nachfrage ab.
 
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