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Milchproduktion

Milchprotest in der Presse: 'Milchbauernrechnung'

von , am
08.09.2015

Die Landwirte zogen gestern gen Brüssel. Den Aufrufen von COPA/COGECA auf der einen und EMB/BDM auf der anderen Seite folgten tausende Bauern und machten ihrem Unmut Luft. Was sagt die Presse?

Tausende Bauern protestierten beim EU-Agrarrat Anfang September in Brüssel, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. © Europäische Union
Die Süddeutsche Zeitung (SZ) befasst sich in einem Kommentar mit den Protesten tausender Milchbauern am Rande des EU-Agrarrats. Unter dem Titel "Milchbauernrechnung" heißt es: "In Wahrheit standen sich am Montag aber nicht nur die Milchbauern und die europäischen Politiker gegenüber, sondern zwei grundverschiedene landwirtschaftliche Philosophien - ein Zwist, der auch die Bauernschaft spaltet."
 
Den sich widersprechenden Ansätzen zur Lösung der Milchmisere fasst die SZ in dem Text so zusammen: "Wer in der Krise mehr produziert, muss zahlen, wer reduziert, erhält Hilfe. Welche Philosophie ist die bessere?"

FAZ: Milchbauern gegen Milchbauern

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) erkennt in ihrem Beitrag "Milchbauern gegen Milchbauern" Uneinigkeit innerhalb der Bauernschaft und stellt die unterschiedlichen Positionen von DBV, BDM, Bundesminister Christian Schmidt und der grünen Länder-Agrarminister gegenüber. Zur Position von EU-Agrarkommissar Phil Hogan schreibt die FAZ: "Der Ire steht ähnlich wie der DBV und anders als der BDM eher für eine marktliberale Haltung. Einer Rückkehr zur Milchquote hat Hogan eine scharfe Absage erteilt." Trotzdem greife aber auch Hogan mit bestehenden Kriseninstrumenten wie der Privaten Lagerhaltung und der Intervention in den Markt ein, um die Milchmenge auf dem Markt zu verknappen.
 
In einem weiteren FAZ-Artikel mit dem Titel "Agrarminister suchen nach dem Stöpsel im Milchsee" geht es um die Möglichkeiten, die Politik und Erzeugern zur Verfügung stehen, um die aktuelle akute Krise zu überstehen. So müsse nach Ansicht des agrarpolitischen Sprechers der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, die produzierte Milchmenge auf jeden Fall reduziert werden. Die Politik habe immer das "fatale Signal an die Bauern gesendet: Produziert drauflos, die Milch geht schon in den Export", kritisiert Ostendorff in dem FAZ-Artikel.

tagesschau.de: Existenzkampf der Milchbauern

tageschschau.de nähert sich dem "Existenzkampf der Milchbauern" von unterschiedlichen Richtungen. Die Stimmung unter den EMB/BDM-Mitgliedern kommentiert BDM-Chef Romuald Schaber in dem Beitrag wie folgt: "Die Lage ist äußerst angespannt, wir haben einen Preisverfall ausgehend von 40 Cent letztes Jahr, runter auf jetzt 28 Cent, 29 Cent in Bayern und bereits bis zu 24 Cent in Norddeutschland."
 
Ulrike Müller, die für die Freien Wähler im EU-Parlament sitzt, sieht die Hauptgründe für den starken Preisabschlag in dem schwächelnden Weltmarkt, insbesondere in der "krankenden Wirtschaft in China" und der "kritischen Lage" in Russland und der Ukraine. Den Wegfall der Quote sieht Müller demnach nicht als Hauptfaktor für die fallenden Preise. Anders ihre Parlamentskollegin Maria Heubuch von den Grünen: "Es war die letzten fünf Jahre schon ein Fehler, die Quote sukzessive auszuweiten. Und dass der Markt nicht da ist, das sieht man schon länger. Das Angebot ist höher als die Nachfrage und deshalb passt der Preis nicht mehr."
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