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Milchproduktion

Milchquoten-Ende in NRW: Was schafft ein Familienbetrieb?

von , am
06.03.2015

In Nordrhein-Westfalen dominiert nach wie vor der klassische Familienbetrieb. Milchviehhalter gaben über die Jahre aber viele auf. Heute stehen, kurz vor Ende der Quote, im Schnitt 60 Kühe in den Ställen in NRW.

In den letzten 14 Jahren nahm die Milcherzeugung in NRW um rund 18 Prozent zu. © Mühlhausen/landpixel
Bei der Milchquotenbörse gibt es keinen Schlussverkauf-Rabatt, im Gegenteil. In den letzten zwölf Monaten der 31jährigen Mengensteuerung verdoppelte sich der im Übertragungsgebiet West gezahlte Quotenpreis noch einmal. Innerhalb eines Jahres ging es von sieben Cent je Kilogramm im November 2013 auf 14 Ct/kg im November 2014. Dabei befeuerte vor allem die Furcht vor der in diesem Sommer zu zahlenden Superabgabe den Preis. Nach Schätzungen des Milchindustrieverbandes von Ende Januar kommt auf die europäischen Milcherzeuger wohl eine letzte Superabgabe in Höhe von rund einer Milliarden Euro zu. Dies kommt bei einer erneuten Steigerung der Produktion von 3,2 Prozent allein in Deutschland in 2014 gegenüber dem Vorjahr nicht überraschend.
 
Auch in Nordrhein-Westfalen waren die Milchbauern beim letzten Termin noch einmal heiß auf die Quote. 556 Nachfragern standen 325 Anbieter gegenüber. Letztendlich waren 418 nordrhein-westfälische Erzeuger erfolgreich und kauften 39.025.208 kg Milchquote zu. Dies ergibt ein Saldo von 8.380.137 kg beim letzten Börsentermin. In unserer Serie zum Ende der Milchquote werfen wir einen Blick auf die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern. Heute an der Reihe: Nordrhein-Westfalen.

Nordrhein-Westfalen: Konzentration der Milcherzeugung

Wanderung der Milchquoten in den letzten sieben Jahren in NRW. Veränderung der Überschussmengen in kg/ha LF. © landpixel/milchtrends/hek
Im Zeitraum Januar bis Oktober 2014 lag der Auszahlungspreis in Nordrhein-Westfalen im Schnitt mit 38,34 Ct/kg (für konventionelle Kuhmilch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß ohne MwSt.) um 2,1 Ct/kg bzw. 5,8 Prozent über dem Preis des Vorjahreszeitraums. Auch deshalb wurde im vergangenem Jahr mit rund 3,3 Mio. Tonnen 4,2 Prozent mehr Milch als in 2013 gemolken.
 
Der Strukturwandel auf der Erzeugerseite hat sich laut LV Milch NRW weiter fortgesetzt. Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW zufolge ist die Anzahl der Milchkuhhalter im November 2014 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert auf 7.056 gesunken. Die Anzahl der Milchkühe ist allerdings um 0,7 Prozent auf 420.572 leicht gestiegen. Die durchschnittliche Kuhzahl je Betrieb in NRW ist im vergangenen November im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent auf 60 Kühe angestiegen.
 
Jeweils etwa ein Viertel der Milchkh-Herden Nordrhein-Westfalens ist in Betrieben der Regierungsbezirke Düsseldorf (Mai 2014: 108.267) und Münster (Mai 2014: 102.087) konzentriert. Kleve ist der Kreis, mit den meisten Milchkühen; dort gab es in 546 Milchviehbetrieben insgesamt 56.412 Tiere (Stand Mai 2014). Die meisten Milchkuhhaltungen ermittelten die nordrhein-westfälischen Statistiker mit 747 Betrieben und 43.868 Milchkühen im Kreis Borken. 

Höhere Milchleistung und mehr Kühe in NRW

Die Struktur der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen ist nach wie vor vom Familienbetrieb dominiert. Sieht man die Entwicklung der Milchviehbetriebe über die letzten 14 Jahre an, stehen die Zeichen auch in NRW auf Wachstum und Leistungssteigerung (Zahlen von der ZMB):
  • Die Milcherzeugung stieg von 2000 bis 2013 von 2,7 Mio. t in 2000 auf rund 3,2 Mio. t in 2013, was einer Steigerung von rund 18 Prozent entspricht.
  • Wurden 2000 noch 391.300 Milchkühe in nordrhein-westfälischen Ställen gehalten, stieg die Zahl bis 2014 auf 422.500 Milchkühe an. Seit 2008 werden die Bestände durch die HIT-Rinderdatenbank erfasst.
  • Die Zahl der Milchviehhalter hat sich in den letzten zehn Jahren auch in NRW stark reduziert. Waren es in 2000 noch 11.900 Milchviehhalter sind heute nur noch 7.100 übrig geblieben.
  • Entsprechend stieg die Zahl der pro Betrieb gehaltenen Milchkühe von 32,5 in 2000 auf 59,5 in 2014.
  • Die Milchkühe legten bei der durchschnittliche Milchleistung je Kuh zu: von 6.406 kg in 2000 wurde die Milchmenge auf im Schnitt 7.628 kg/Kuh in 2013 gesteigert.

Andere Rechtsformen werden zunehmen

Die traditionelle Rechtsform der landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen war und ist nach wie vor das Einzelunternehmen und damit der Familienbetrieb. 31.281 beziehungsweise 91,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe Nordrhein-Westfalens waren 2013 in dieser Rechtsform registriert. Doch der Strukturwandel fegte in den letzten Jahren auch über den Westen Deutschlands hinweg. Im Vergleich zu 1999 hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen Münster und Bonn um ein Drittel reduziert.
 
Der klassische Familienbetrieb stößt auch in der Milchviehhaltung ab einer gewissen Größe an seine Grenzen - finanziell und arbeitswirtschaftlich. So wird in den kommenden Jahren wohl auch die Zahl anderer Rechtsformen wie der GbR unter den nordrhein-westfälischen Milchviehbetrieben zunehmen.
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