Login
Milchproduktion

Milchstreik: Landwirte erhalten Preiszuschlag

von , am
23.07.2012

London - Die britischen Milchviehhalter haben mir ihren Protesten für höhere Erzeugerpreise einen ersten Teilerfolg errungen. Molkereien und Erzeuger wollen ihre Gespräche heute fortsetzen.

Die niedersächsischen Milcherzeuger haben ihre Herden in den letzten Jahren deutlich vergrößert. © landpixel
Die Supermarktketten Morrisons und The Co-operative wollen den Landwirten einen Zuschlag zahlen, der die Preissenkungen der Molkereien ausgleichen soll. Das kündigten die Einzelhandelsunternehmen Ende voriger Woche an.
 
Am vergangenen Donnerstag hatten mehrere hundert protestierende Landwirte erstmals mehrere Molkereien und Zentrallager vorübergehend blockiert. Betroffen waren unter anderem Werke von Arla und Robert Wiseman im mittleren England. Über das Wochenende wurden die Kundgebungen und Blockaden fortgesetzt.

Sonderzahlungen bis zu 6,4 Cent je Liter

Die Landwirte verlangen, dass die führenden Molkereien die von ihnen zum 1. August angekündigte zweite Preissenkungsrunde in diesem Jahr zurücknehmen. Die Aktionen werden vom britischen Bauernverband (NFU), der Organisation Farmers for Action und weiteren berufsständischen Gruppen koordiniert. Auch für diese Woche sind Demonstrationen geplant.
 
The Co-operative reagierte als erstes Einzelhandelsunternehmen. Ab sofort zahlt die Kette ihren Milchlieferanten einen Aufschlag von umgerechnet 3,3 Cent je Liter Milch. Ab dem 1. August steigt die Zuzahlung auf 5,5 Cent je Liter. Dann wird The Co-op ihre Lieferanten mit 29 Pence oder umgerechnet gut 37 Cent je Liter Milch vergüten.
 
Morrisons zog mit einer Sonderzahlung von 6,4 Cent je Liter nach. Der Aufschlag wird zunächst von Anfang August bis Ende Oktober gewährt. Dann ist eine Überprüfung geplant. 

Landwirtschaftsminister Paice will Leitfaden für Milchlieferverträge

Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
NFU-Präsident Peter Kendall begrüßte die Entscheidung der Handelsketten, auf die Proteste der Landwirte einzugehen und die außergewöhnliche Kostensteigerung anzuerkennen. Kendall betonte zugleich, "wir brauchen eine langfristige Lösung, die eine nachhaltige Milcherzeugung für die Zukunft sichert". Er forderte die übrigen Einzelhändler und Milchabnehmer auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und dem Beispiel von Morrisons und The Co-op zu folgen.
 
Der britische Agrarminister Jim Paice und seine Kollegen aus Wales und Schottland, Alun Davies und Richard Lochhead, drängten die Milchindustrie, einem einheitlichen Leitfaden für Milchlieferverträge zuzustimmen. Auf der Royal Welsh Show in Builth Wells, Wales, sollen die Gespräche zwischen Molkereien und Erzeugern heute fortgesetzt werden.
 
Nach einer Übersicht der Zeitschrift Farmers Weekly zahlen die Discounter Aldi und Lidl ihren Lieferanten den niedrigsten Erzeugerpreis. Zugleich verkaufen sie die Trinkmilch landesweit am billigsten zum Preis von einem Pfund für vier Pints oder umgerechnet rund 0,57 Euro je Liter. In Großbritannien sind Milcherzeuger häufig durch längerfristige Lieferverträge über ihre Molkerei oder auch direkt mit dem Einzelhandel als Trinkmilchlieferanten gebunden. Dabei wird für Konsummilch ein vom Standardniveau abweichender Preis vereinbart.
Auch interessant