Login
Haltung und Mast

Milchvieh im Fokus der Forschung

von , am
15.10.2012

Dummerstorf - Das Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie forscht zu Fragen der Milchviehhaltung - so auch zu Emotionen und Stimmungen von Kühen und Kälbern.

Ende September wurde in Dummerstorf die neue Experimentalanlage Rind eröffnet. Die Anlage besteht aus fünf Modulen: einem Melkstand, Lauf- und Abkalbestall, einem Testraum für Verhaltensuntersuchungen sowie einem Sozial- und Versorgungstrakt für die 70 Wissenschaftler, die künftig dort beschäftigt sind. Die Gesamtinvestitionskosten des Neubaus belaufen sich auf insgesamt 2,9 Millionen Euro. Er wurde zu gleichen Teilen aus Mitteln von Bund und Land finanziert.

Das Wohlfühlen der Tiere messen

Die Einrichtung bietet die Möglichkeit, mittels Verhaltensbeobachtungen bei Kühen und Kälbern Einblick in die Emotionen und Stimmungen der Tiere zu erhalten. So können die Forscher Rückschlüsse ziehen, ob und wann die Tiere sich wohlfühlen. Für die notwendigen bioakustischen und verhaltensphysiologischen Untersuchungen steht ein schallisolierter Testraum zur Verfügung, die sogenannte Verhaltensarena.
 
Durch die gewählte Modulbauweise der Anlage können außerdem verschiedene Szenarien des prognostizierten Klimawandels untersucht werden: Dabei geht es um Anpassungsstrategien der Tiere an veränderte Klimaverhältnisse bzw. um eine mögliche Minderung der kuhbezogenen Treibhausgasemission.

Wiegetröge für Futter und Wasser

Die Haltung der Tiere erfolgt in einem modernen Laufstall mit Tierstreuliegeboxen und Oberflurentmistung für 60 Milchkühe. Sie werden künftig ausschließlich über Wiegetröge für Futter und Wasser versorgt. Mit dieser Technik ist es möglich, eine tierindividuelle Futter- und Wasseraufnahme im Lauf- sowie Abkalbestall automatisch zu erfassen. Zur Bildung von Versuchs-, Leistungs- oder Fütterungsgruppen ist eine Unterteilung der Haltungskapazität möglich. Der Melkstall bietet Platz für einen mit 2 x 4 Melkplätzen besetzten Autotandem-Melkstand, einem Tierbehandlungsraum für Versuchseingriffe und Probeentnahmen. Weitere integrierte Bestandteile sind Klauenbäder, automatische Wiege- und Separationseinrichtungen im Rücktrieb sowie Tierbehandlungsstände.
 
Der Abkalbestall besteht aus eingestreuten Abkalbeboxen (4 x 3 Tierplätze) mit Wiegetrögen sowie weiteren 14 Tierplätzen für eine versuchsbedingt notwendige Anbindehaltung.

Beim Melken Grunddaten erfassen

Die Melktechnik entspricht dem neuesten Entwicklungsstand. So ist es möglich, dass im Melkprozess beispielsweise eine automatische Grunddatenerfassung zu den Hauptparametern Milchmenge, Leitfähigkeit und Blutbeimengungen erfolgen kann. Das Körpergewicht und die Aktivität der Kühe werden ebenfalls automatisch erfasst. Darüber hinaus erfolgt an den Melkplätzen eine Prozesskontrolle anhand von betriebsspezifischen Überwachungsparametern, wie die Erkennung der Euterkrankheit Mastitis über die Leitfähigkeit und Milchmenge.
 
Prof. Manfred Schwerin, Vorstand des Instituts, erläuterte bei der Eröffnungsfeier: "Mit der neuen Versuchsanlage ergeben sich für uns nicht nur wesentlich verbesserte Bedingungen an einem attraktiven Standort, um signifikante Beiträge zur weltweiten Ernährungssicherung und zum Klimaschutz, zu leisten. Wir können außerdem auch unsere international ausgerichteten Forschungsschwerpunkte an Rindern auf einem hohen Niveau fortzusetzen." Mit dem Neubau des Tagungszentrums 2008, der Übergabe des Modelltierlaboratoriums im vergangenen Jahr und der Eröffnung der Experimentalanlage Rind sei es gelungen, das Leibnitzinstitut für Nutztierbiologie im Vorfeld des 20-jährigen Jubiläums 2013 mit modernster Infrastruktur auf dem Weg zu einem Spitzenforschungsstandort in Europa auszustatten.
Auch interessant