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Milchproduktion

Milchviehhaltung/Slowakei: Im Schatten vergangener Zeiten

© ah
von , am
28.08.2014

Insgesamt 700 slowakische Milchviehbetriebe gibt es, teilweise immer noch in der Größe alter sozialistischer Kooperativen. Als Vorteil sehen das die Betriebsleiter nicht.

So geht es auch Josef Puzak. Er führt eine Genossenschaft in Kocin, einem kleinen Ort gut 80 Kilometer nordöstlich von Bratislava in den Niederen Karpaten. Der Betrieb ging aus einer ehemaligen sozialistischen Kooperative hervor. Josef Puzak ist verantwortlich für 65 Angestellte, 800 Kühe, 4.000 Mastschweine und 1.350 Hektar (ha) Fläche.
 
Aber er muss nicht nur den Betrieb leiten, sondern auch 140 Mitglieder der Genossenschaft bei Laune halten. Sie besitzen die Flächen, auf denen das Unternehmen ackert. 100 von ihnen sind mittlerweile in Rente, die anderen 40 arbeiten im Betrieb. Die Kooperative wurde damals aus den Flächen dreier umliegender Dörfer gebildet. Daran hat sich auch nach der Wende nichts geändert

Landwirtschaft nicht gefördert

  Was sich verändert hat, sind die Besitzverhältnisse. Galt früher: ein Mitglied, eine Stimme, ist das Stimmrecht jetzt nach Besitzanteil vergeben. Puzak hat mit 18 Prozent die meisten Stimmen. Die Konditionen für die Landwirtschaft seien in der Slowakei nicht besonders günstig. "Wir bekommen und bekamen keine Unterstützung durch den Staat. In den letzten 20 Jahren ist keine nationale Förderung geflossen", sagt Puzak. Die Folge: Die Tierbestände sanken kontinuierlich.

Neuer Stall in Tiefpreiszeiten

Während andere die Milchviehhaltung abgestockt haben, hat man in Kocin die Kapazitäten erhöht. 2009 wurde der neue Milchviehstall gebaut. Zwei Millionen Euro hat der Betrieb investiert. 40 Prozent  des Geldes waren EU-Fördermittel.

Rund 31 Cent bekamen sie im Januar von der Molkerei. Sie liefern an Meggle. "Während die deutschen Milcherzeuger 41 Cent erhalten, müssen wir mit einem Abschlag von zehn Cent leben und das bei annähernd gleichen Produktionskosten",  sagt Puzak ärgerlich. Er findet das ungerecht. Rund sechs Millionen Kilo Milch liefert der Betrieb im Jahr ab.

Landpreise steigen immer mehr

Welche Herausforderungen muss er in nächster Zeit meistern? "Wir arbeiten ausschließlich auf Pachtflächen und die Preise steigen. Wir würden gerne Flächen kaufen, aber da gibt es Leute mit grauem Geld und die bieten mehr. Vor wenigen Jahren waren die Kaufpreise noch bei 1.000 Euro/ha. Mittlerweile sind wir bei 5.000 bis 10.000 Euro/ha angekommen. Jetzt dürfen auch Ausländer Flächen kaufen und treiben die Preise zusätzlich nach oben", sagt Puzak. 
Der Autor hat zwei weitere Milchviehbetriebe in der Slowakei besucht. Mehr dazu lesen Sie in der Septemberausgabe des dlz primus rind.
 
  

Milchviehhaltung in Tschechien: Bedeutungslose Quote

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