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Milchproduktion

Milchviehleasing: Sinnvolle oder zu teure Alternative?

© landpixel
von , am
14.04.2015

Milchvieh aufstocken ist eine kostspielige Sache. Da kann das Leasing-Modell verlockend sein. Allerdings birgt das Milchviehleasing auch Risiken. Lesen Sie hier, welche Vor- und Nachteile es gibt.

Mit durchschnittlich 30,1 Cent je Kilogramm lag der Erzeugerpreis rund 9 Cent unter dem Vorjahresmonat. © agrar-press
Das Thema Milchviehleasing wird immer wieder diskutiert. Aber ist das Leasing-Modell wirklich eine sinnvolle Alternative, oder am Ende doch eher eine teure Angelegenheit mit vielen Risiken? Wir haben Dr. Vinzenz Bauer, Fachreferent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zum Thema Milchviehleasing befragt.
 
 

Was halten Sie von der Möglichkeit Milchvieh zu leasen?

Leasing kann eine interessante Alternative zum Kauf von Nutzvieh sein. Es ist gut, dass es diese Möglichkeit gibt, aber sie wird wohl in der Mehrzahl der Fälle aus Kostengründen nicht in Frage kommen. Grade bei dem aktuell niedrigen Zinsniveau.

Für welche Betriebe macht das ihrer Meinung nach Sinn?

Es macht mitunter dann Sinn, wenn aufgrund von fehlendem bzw. knappem Eigenkapital oder wegen schwachen Ratings keine wirtschaftliche Finanzierung mehr möglich ist. Wenn Leasing also günstiger ist, als eine Bankfinanzierung, dann könnten geleaste Tiere betriebliche Potentiale noch erschließen. Das gilt aber nur, wenn die betrieblichen biologischen Leistungen (auch der geleasten Herde) passen, so dass der eigene Unternehmergewinn und die Kosten des Leasings gleichzeitig abgedeckt werden können. Interessant finde ich das das Prinzip zum Beispiel auch für die Aufstallung von Neubauten.

Welche Vorteile gibt es?

Der größte Vorteil ist sicher, dass man nicht die kompletten Anschaffungskosten finanzieren und in der eigenen Bilanz ausweisen muss. Auch in den Leasingvereinbarungen besteht Verhandlungsspielraum, wobei hier umgekehrt auch Vorsicht geboten ist. Man sollte wirklich alles genau durchlesen, verstanden haben wie das Prinzip funktioniert und die tatsächlichen Kosten untereinander schreiben.

Welche Nachteile sehen Sie?

Leasing ist oft teurer als eine Finanzierung. Margen des Leasinggebers, Versicherungskosten, eigener Verwaltungs- und Kommunikationsaufwand, evtl. Rückforderungen/Beanstandungen im Bezug auf die überlassene Herde, Milchgeld als Sicherheit, Gebühren/Bearbeitungskosten müssen eingeplant werden. Auch dürften sonstige Geldgeber genau wissen wollen, wie sich die weitere finanzielle Planung gestalten soll. Das gilt insbesondere, falls sie vorab eine Erweiterung der Kredite/Kreditlinien nicht mehr gewährt haben.

Welche Risiken kommen auf den leasenden Landwirt zu?

Da der Bestand nicht Eigentum des Landwirts ist, muss er für Wertminderungen/Schäden dem Leasinggeber gegenüber haften. Solche Fälle sind in der Regel im Leasingvertrag näher definiert. Über einzelne Punkte in diesem Vertrag könnte Uneinigkeit entstehen. Viele der entstehenden Risiken lassen sich allerdings über entsprechende Versicherungen abdecken - die das Leasing dann allerdings wieder verteuern. Das größte Risiko ist jenes, welches alle Milchviehhalter betrifft: das Markt- und Preisrisiko. Denn die Leasingrate wird während der Laufzeit trotzdem regelmäßig fällig, auch wenn der Preis absackt - und in einem solchen Fall könnte man noch nicht mal, wie beim Eigentum, Tiere verkaufen um schnell wieder bei Kasse zu sein.

Und abschließend: Würden sie Milchviehleasing empfehlen?

Ich würde jedem empfehlen darüber nachzudenken und das Prinzip Leasing einmal zu verstehen. Die Zahl der Fälle in denen ich das Leasing für eine Milchkuhherde augenblicklich empfehlen würde, schätze ich aber als eher gering ein.
 

Schwarzbunt: Hochleistungskühe auf der Drehbühne

Masterrind stellte zunächst die Töchter des Bullen Mergim vor. Der Bulle hat ein RZG von 122 und einen Fettgehalt von +0,35. © nc/agrarheute.com
Masterrind: Das Euter einer Mergim-Tochter. Deutsche Holsteins produzieren im Durchschnitt knapp 10.000 Kilogramm Milch im Jahr. © nc/agrarheute.com
Masterrind: Die Tochter des Bullen Baxtino - Nizza, OEH Josefa und MOK Raja. Der Bulle hat ein RZG von 125. © nc/agrarheute.com
GGI: Die Töchter des Bullen Lennox. RZG: 136. © nc/agrarheute.com
GGI: Die Monitor Töchter sind rahmige Färsen mit einer guten Kombination von Milchcharakter und Stärke bei korrekter Beckenlage und -breite. © nc/agrarheute.com
GGI: Die Sterngold Töchter sind fundamentstarke Kühe mit einer durchschnittlichen Größe. Diese Tiere werden in Großbetrieben bevorzugt. © nc/agrarheute.com
GGI: Der Bulle Elburn RDC ist im Moment der Nummer-1-Bulle in Deutschland. Als Rotfaktorträger kann er sowohl Schwarzbunte als auch Red Holstein Nachkommen produzieren. © nc/agrarheute.com
CVR präsentierte 3 Töchter des Bullen Atlantic. Im Durchschnitt bleiben Atlantic-Töchter über ein Jahr länger auf dem Betrieb als andere Kühe. © nc/agrarheute.com
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