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Strategien nach der Quote

Milchwirtschaft in Irland: Darauf setzen die Kollegen

Immo Cornelius/agrarheute
am
30.03.2016

Weidemilch ist angesagt, das haben irische Milcherzeuger längst erkannt. Worauf die Iren neben der Weidehaltung noch setzen, erfahren Sie hier.

Es geht auf den Betrieb Campion in der Nähe von Kilkenny in Irland. Hier werden seit 2011 170 Milchkühe plus Nachzucht gehalten, der Betriebsleiter Thomas Campion hat sich so auf das Quotenende vorbereitet. Ungefähr 100 Hektar zählen zum Betrieb, davon 94 Hektar Grünland. Als typisch irischer Milchviehbetrieb verfolgt Thomas Campion vor allem drei Strategien:

  • Vollweidehaltung,
  • niedriger Kosten (Low-Input-Strategy) und
  • saisonale Abkalbungen.

Vollweide in Irland: Günstige klimatische Bedingungen

Mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von über 1.000 mm/Jahr fällt in Irland genug Regen, um eine Weidehaltung von bis zu 10 Monaten im Jahr zu realisieren. Diese sogenannte Vollweidehaltung beschreibt ein Konzept, bei dem Weidegras die Hauptkomponente in der Milchviehfütterung ist.

Die Beigabe von Kraftfutter und Silage werden dabei so weit wie möglich reduziert, um die Aufnahme des kostengünstigen Weidegrases nicht einzuschränken. Die Betriebe halten so ihre Futterkosten gering.

Saisonkalbung für rentable Vollweidehaltung

Ziel der Vollweidehaltung ist eine hohe Flächenproduktivität mit einer maximalen Umwandlung von Weidegras in Milch. Dies erfordert die Kalbung der Kühe im Block, die sogenannte Saisonkalbung. Die Kühe kalben dabei innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meist 2-3 Monate.

Auf dem Betrieb Campion sind das die Monate Februar/März/April (Frühjahrskalbung), um sicherzustellen, dass sämtliche Kühe pünktlich zum Vegetationsbeginn laktieren. Der Vegetationszeitraum kann so vollständig für die Milchproduktion ausgenutzt werden.

Konkurrenzfähig trotz niedriger Milchleistung

Das System Vollweide ist nicht auf hohe Milchleistung ausgelegt. Kraftfutter gibt es für die Kühe auf dem Betrieb Campion nur beim Melken (1-2 kg), daneben wird Heu und Stroh gefüttert, um gerade zu Vegetationsbeginn die Fettprozente in der Milch zu halten.

Thomas Campion hält bewusst keine reinen Holstein-Hochleistungsrinder, weil er das genetische Leistungspotential mit der Vollweide ohnehin nicht ausfüttern kann. Der Betriebsleiter hat sich daher für eine Kreuzung aus Holstein Frisian und neuseeländischem Frisian entschieden, eine niederrahmige, robuste Kuh. Mit ihr erzielt er eine Milchleistung von ca. 5.800 Litern/Jahr.

Low-Input-Strategy: Minimierung der Produktionskosten

Die Vollweidehaltung entspricht dem Prinzip der Low-Input-Strategy, das die meisten Milchviehbetriebe in Irland verfolgen. Dabei sollen die Produktionskosten so niedrig wie möglich gehalten werden. Realisiert wird dies durch:

  • geringen Zukauf von Kraftfutter
  • Weidehaltung
  • geringen Arbeitskrafteinsatz und
  • wenig Futterkonservierung (auf dem Betrieb von Thomas Campion wurde so beispielsweise nur ein Schnitt im Jahr siliert)

Wie Vollweidehaltung oder saisonale Abkalbungen auf dem Milchviehbetrieb von Thomas Campion genau ablaufen, lesen Sie demnächst auf agrarheute.com.

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