Login
Milchproduktion

Milk Board: Milchpaket der EU-Kommission nachbessern

von , am
24.02.2011

Dublin - Bei der Konferenz des European Milk Board (EMB) herrschte Einigkeit darüber, dass die stärkere Bündelung von Milcherzeugern in unabhängigen Organisationen unerlässlich sei.

Auf der BDM-Infoveranstaltung wird eine aktuelle Milchproduktionskosten-Studie vorgestellt. © Christa Eder/fotolia.de
Die Vertreter des EMB waren sich bei ihrer Konferenz in Dublin einig, dass einige Vorschläge des von der EU-Kommission vorgestellten Milchpaketes durchaus fortschrittlich seien. Allerdings vernachlässige es noch immer die Stärkung der Position der Erzeuger auf dem Milchmarkt. Romuald Schaber, Präsident des EMB, kritisierte insbesondere die vorgeschlagene Begrenzung der Bündelung der Erzeuger auf 3,5% auf europäischer Ebene und 33% auf nationaler Ebene und wies darauf hin, dass eine solche Einschränkung den realen Gegebenheiten des Milchsektors nicht Rechnung trage.

Konzentration der Handelskonzernen bereitet Bauern Sorgen

Jackie Cahill, Präsident der Irish Creamery and Milk Suppliers Association (ICMSA), des irischen Mitgliedsverbandes des EMB sagte: "Wir beobachten eine zunehmende Konzentration der großen verarbeitenden Unternehmen und Handelskonzerne ohne dass die EU-Kommission sich Sorgen zu machen scheint. Gleichzeitig erhalten Nahrungsmittelerzeuger und Bauern keine Unterstützung bei ihren Bemühungen, sich zu organisieren und koordiniert zu agieren."

Sind große Genossenschaften noch Erzeugerorganisationen oder verarbeitende Betriebe?

Die Einordnung der Genossenschaften war ebenfalls Thema: "Heute operieren Genossenschaften auf internationalen Märkten und lagern Geschäftsbereiche aus. Genossenschaftsmitglieder haben so oft keinen Einfluss mehr auf die Geschäftsstrategien. Aus diesem Grunde dürfen Genossenschaften nicht als Erzeugerorganisationen gelten und nicht den Sonderstatus erhalten, der im Papier der Kommission für sie vorgesehen ist", forderte Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des EMB. "Diese Genossenschaften sind keine Erzeugerorganisationen sondern verarbeitende Betriebe, die ein großes Interesse an niedrigen Rohmilchpreisen haben. Erzeuger - unabhängig davon, ob sie Genossenschaftsmitglied sind oder eine Privatmolkerei beliefern - müssen das Recht und die Möglichkeit haben, einer realen und unabhängigen Erzeugerorganisation beizutreten", ergänzte van Keimpema.

Monitoringstelle auf europäischer Ebene gefordert

Laut der EMB-Pressemitteilung waren sich die Milcherzeuger aus 14 europäischen Ländern einig darüber, dass eine Monitoringstelle auf europäischer Ebene geschaffen werden muss, die Produktionskosten und Preise ebenso überwacht wie Angebot und Nachfrage. Diese Stelle würde ermitteln, ob die Erzeugerpreise die Produktionskosten decken und dies sicherstellen, indem sie Preiskorridore bestimmt, auf deren Basis entschieden wird, welche Mengen produziert werden. Angesichts der ungleichen Positionen der Akteure in der Milchkette (Erzeuger, Verarbeiter, Handel, Verbraucher) und der Bedeutung der Milchproduktion für die europäische Gesellschaft, sei eine solche Stelle unerlässlich. In die Monitoringstelle sollten auch Verbrauchervertreter integriert werden.

Beispiel Schweiz: Unkontrollierter Markt führte zu Überproduktion

Das EMB führte das Beispiel der Schweiz an. Dort hat ein unkontrollierter Markt die Überproduktion befördert, was zu einer starken Senkung der Erzeugerpreise und einer zunehmenden Einlagerung von überschüssiger Butter geführt hat. Von Oktober 2008 bis Oktober 2010 ist der Erzeugerpreis um etwa 25% gesunken. Die gelagerte Buttermenge betrug Mitte Februar 2011 7311 Tonnen, das sind 75.5% mehr als im gleichen Zeitraum in 2008.

Handelsketten locken Verbraucher mit billiger Milch

Ein weiteres Problem sei der ständig sinkende Erzeugeranteil am Verbraucherpreis. "In Irland betrug der Erzeugeranteil am Verkaufspreis für Milch im Jahr 1995 43%. 2005 lag er noch bei 36% und 2009 ist er auf 26% gesunken", berichtete Jackie Cahill. Wenn die Bauern keinen fairen Anteil am Verkaufspreis erhielten, sei es mehr als fraglich, ob bäuerliche Familienbetriebe in Europa langfristig eine Perspektive hätten. Um Verbraucher mit billiger Milch anzulocken, hätten die großen Handelsketten die Margen für die Milchbauern einfach gestrichen, ihre eigenen aber behalten. Dieses Phänomen sei ein europäisches Problem und erfordere eine europäische Lösung. 
Auch interessant