Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Fütterung

Mineralversorgung: Wie viel Eisen Tränkekälber brauchen

Kälbertränke
am Donnerstag, 06.10.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Bei Ferkeln üblich, doch bei Kälbern eher selten: Eine regelmäßige Versorgung mit Eisen. Warum sie wichtig ist.

Tränkkälber sind besonders von primärem Eisenmangel betroffen. Dabei zeigen sie Appetitlosigkeit, Tränkunlust, Wachstumsschwäche und Lecksucht. Außerdem sind sie anfälliger gegenüber Infektionskrankheiten. Eisenmangelkälber erkennt man an blassen Schleimhäuten und trägem Verhalten.Während der Trächtigkeit der Kuh ist der Übergang von Eisen auf den Fötus und in die Kolostralmilch (Transferrin, Lactoferrin) sehr gering, sodass die geborenen Kälber einen geringen Eisenvorrat aufweisen. Der Gehalt in der Milch beträgt im Mittel 0,5 mg/l. Im Ergänzungsfutter ist der Eisengehalt ebenfalls niedrig. Der Bedarf für ein Kalb in der Tränkperiode wird mit 100 mg Eisen je Tier und Tag angegeben. Der Eisengehalt im Blut soll über 20 µmol/l betragen, der Gehalt an Hämoglobin über 6 mmol/l.

Nach einer Vielzahl von Berichten und praktischen Erfahrungen werden diese Werte oft nicht erreicht und mehr als zwei Drittel der Kälber im Bestand haben im Allgemeinen Eisen- und dadurch Blutarmut. Der Eisenmangel der Tränkkälber wird neben infektiösen Durchfallerkrankungen und Pneumonien als wichtigste Ursache für Kälberverluste angesehen. Darüber hinaus beeinträchtigt der Eisenmangel in der Tränkperiode die Leistungsbereitschaft in der Aufzucht. Das gilt für Milchvieh- und Mastbetriebe sowie für Mutterkuhhaltungen.

Wie Eisen an Kälber verabreichen

Aufgrund des spezifischen Verhaltens von Eisen, das in Aufnahme und Verbrauch nur durch die Absorption gesteuert wird, gibt es keine Beziehung zwischen dem Gehalt in der Ration und dem Gehalt in der Milch. Damit ist es nicht möglich, die Eisenversorgung des Kalbs über die Versorgung des Muttertiers zu beeinflussen. Dies gilt auch für die fötale Entwicklung des Kalbs. Daher lässt sich ein Eisenmangel auch nur über die direkte Aufnahme durch das Kalb beseitigen. Eine Untersuchung in acht Betrieben, wie sich eine intramuskulär verabreichte Eisengabe auswirkt zeigt, dass durch die Injektion am zweiten Tag nach der Geburt bis zum 28. Lebenstag bessere Tageszunahmen, sowie verminderte Erkrankungsraten und weniger Kälberverluste erreicht werden konnten. Daraus lässt sich schließen, dass eine zusätzliche Eisengabe nach der Geburt in allen Betrieben als vorbeugende Maßnahme zu empfehlen ist.

Versuchsergebnisse der Versuchsanstalt Neumühle ergaben, dass es keinen Unterschied macht, ob den Tieren die Eisengabe mittels Spritze oder in Form einer oralen Gabe mit der Kolostralmilch verabreicht wurde. Im Versuch kamen 1.000 mg Eisendextran/Tier zum Einsatz, das die Kälber in Form einer Paste in der Biestmilch erhielten. Bei guten Milchaustauschern ist der Eisengehalt deklariert. Dort kann es zum Beispiel heißen, dass 100 mg Eisen in organisch gebundener Form (zum Beispiel als Glycin-Chelat) enthalten sind. Eine weitere Möglichkeit, den Eisengehalt zu erhöhen, ist der Einsatz von Vollmilchaufwertern. Hier muss der Eisengehalt deklariert sein. Auch Kälberbooster lassen sich einsetzen. Sie haben einen deklarierten Eisengehalt und enthalten oft Selen.

Erhöhtes Eisen fördert Ansteckungsfähigkeit von Bakterien

Die Stellung des Eisens im Stoffwechsel und der Stand unserer Kälberaufzuchtverfahren machen deutlich, dass man der Eisenversorgung der Kälber große Aufmerksamkeit schenken muss und sich die Kenntnisse zum Eisenstoffwechsel noch erweitern lassen. Was bei der Ferkelaufzucht schon lange gängige Praxis ist, wird sich bei den Kälbern in der Vielzahl der Betriebe ebenso als notwendig erweisen. Es muss an dieser Stelle auch bemerkt werden, dass es kritische Stimmen zum Thema höhere Eisengaben an Kälber in den ersten Lebenstagen gibt. Für bestimmte Bakterienspezies können erhöhte Eisenkonzentrationen die Virulenz erhöhen und es kann zu Durchfällen kommen.

In der überwiegenden Zahl der angebotenen Präparate, auch für die intramuskuläre oder subkutane Injektion, ist die Grundsubstanz ein Fe(III)-hxdroxid-Dextran-Komplex. Dextrane sind lange Glukoseketten (Polysaccharide), die als wasserlösliche Trägersubstanz dienen. Die Injektionen erfolgen mit 10 bis 30 mg Fe3+ je Kilogramm Körpermasse. Im Allgemeinen wird die mögliche Höchstmenge je Injektion angegeben und die Eiseninjektion bei Tieren mit Durchfall verboten. Es ist nötig, alle Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln und vorbeugende Eisengaben an Tränkkälber mit entsprechenden Werten am Tier und in den Futtermitteln zu quantifizieren. Hierbei darf nicht gelten: Viel hilft viel!

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Dezember 2022
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...