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Milchpreis

Minus 25 Prozent: Milch und Butter werden noch billiger

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
03.05.2016

Die Preise für Milch, Butter und Sahne sind wieder kräftig gefallen. Gleich mehrere Lebensmittelhändler setzten am Montag bei Milchprodukten den Rotstift an.

Der Discount-Marktführer Aldi und sein kleinerer Konkurrent Norma senkten die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent - ein Preisabschlag von fast 25 Prozent. Das 250-Gramm-Paket Butter verbilligte sich von 75 auf 70 Cent. Auch Schlagsahne, Kondensmilch, Kräuterquark und Joghurt wurden günstiger.

Vor allem der Schritt von Aldi ist wichtig: Denn Preissenkungen des Discount-Marktführers haben in der Regel Auswirkungen auf den gesamten Handel. Viele Wettbewerber orientieren sich im Preiseinstiegsbereich an der Nummer eins unter den Billiganbietern.

Überangebot auf dem globalen Milchmarkt

Erst vor wenigen Wochen hatte der Handel die Preise gesenkt. Aldi Nord begründete die Rotstiftaktion mit dem Überangebot auf dem weltweiten Milchmarkt. Die Molkereien hätten deshalb die Milch billiger angeboten, und es gehöre zu den Grundsätzen der Preispolitik des Unternehmens, günstigere Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzugeben. Der Lebensmitteleinzelhandel sei nicht für das aktuelle Überangebot an Rohmilch verantwortlich.

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2016 war die angelieferte Milchmenge in der Europäischen Union erheblich größer als in den beiden Vorjahren. Nach Angaben von Dr. Olaf Zinke, Marktexperte des agrarmanager, hat der Produktionsvorsprung  im Vergleich zum Januar weiter zugenommen und auch die Milchmenge aus dem Jahr 2014 wird überraschend deutlich übertroffen. Dabei übertrifft die angelieferte Milchmenge den Vorjahreswert in allen europäischen TOP-Produktionsländern.

Die Anlieferungsmenge beim größten europäischen Milcherzeugerland Deutschland war nach Angaben der EU-Kommission von Januar bis Februar 2016 mit 5,4 Mio. t rund 7,8 % größer als im Vorjahr und zudem 6,3 % größer als vor zwei Jahren. Im Januar 2016 lag das Produktionswachstum erst bei 5,6 %.

Mortler verurteilt Preissenkungen scharf

Die agrarpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe, Marlene Mortler MdB, verurteilt die jüngsten Preissenkungen scharf: "Der Preiskampf unter den vier großen Lebensmittelkonzernen geht erbarmungs- und verantwortungslos weiter. Nun wird deutlich, wie wenig Verantwortung der Handel für eine hochwertige lokale Milchproduktion übernimmt. Eine Handvoll Händler bestimmt über das Wohl und Wehe der vielen Milchbauern, die ihre Betriebe mit solchen Preisen auf Dauer nicht halten können."

Mortler zeigt sich aber auch von den Molkereien enttäuscht. Sie hätten nicht alle Möglichkeiten genutzt, um sich bei den Verhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel besser zu positionieren. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind jetzt gefragt. Jeden Tag haben sie die Chance, durch einen bewussten Einkauf die Preisspirale nach unten zu durchbrechen", erklärt die CSU-Politikerin.

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