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Milchviehfütterung

Mobile Fütterungssoftware: Fodjan im Praxistest

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am
18.07.2019

Rechnen Sie noch - oder füttern Sie schon? Nie wieder unübersichtliche Futtertabellen oder komplizierte Rationsberechnungen. Die Fodjan-App verspricht die Milchviehfütterung zu erleichtern. Wir haben in der Praxis nachgefragt.

Milchviehhalter wissen: Beim Beladen des Futtermischwagens kann einiges schieflaufen. Einmal falsch gerechnet und es landen 100 kg Kraftfutter mehr im Futtermischwagen. Das macht nicht nur die Herde krank, sondern geht auf lange Sicht ziemlich ins Geld. Aber auch bei Absprachen zwischen dem Chef und dem Auszubildenden können beim Zusammenstellen der Ration Missverständnisse auftreten. So erging es auch Milchviehhalter Jens Timmermann. „Ich bin darauf angewiesen, dass meine Auszubildenden zu gewissen Zeiten füttern. In der Vergangenheit gab es jedoch oft Abstimmungsschwierigkeiten und am Ende landete eine falsche Ration auf dem Futtertisch“, sagt der Landwirt.

Kleiner Helfer

Doch seit zwei Jahren verwendet Jens Timmermann die Fütterungssoftware Fodjan Smart Feeding. „Kommunikationsfehler sind Vergangenheit.“ Schnell das Smartphone gezückt und die Ration für die Frischmelker kontrolliert. Insgesamt 95 Holsteinkühe plus Nachzucht müssen im niedersächsischen Adelebsen versorgt werden (siehe Tabelle „Der Betrieb Timmermann“).

Beim Öffnen der Fodjan-App erscheint auf der Startseite ein Button der aktuellen Ration. Das Programm arbeitet dabei cloudbasiert und lässt sich von jedem internetfähigen Gerät nutzen. Die Zugangsdaten sind passwortgeschützt und auch Preise oder Mengenangaben lassen sich ohne Zugriffsrechte nicht verändern. „Ich melde beispielsweise meinen Auszubildenden an. Der installiert die App, vergibt sich selbst ein Passwort, ich gebe anschließend die Rechte frei und dann braucht er nur die App zu öffnen, drückt auf „jetzt Füttern“ und weiß ganz genau: Die Frischmelkergruppe bekommt die Ration mit der Zusammensetzung und Menge“, sagt Timmermann. Der Landwirt kann ganz einfach Nutzer hinzufügen oder wieder löschen. Beispielsweise seine Futtermittelberaterin oder den Tierarzt.

Der Betrieb Timmermann
Grünland (ha) 52
Milchkühe HF (Stück) 95
Weibliche Nachzucht (Stück) 101
Kälber unter drei Monaten (Stück) 13
Milchviehhaltung Boxenlaufstall
Milchleistung (kg/Kuh/Jahr) 9.300
Eiweiß (%) 3,4
Fett (%) 4,1
Zellzahlgehalt (Zellen/ml) 190.000
EKA (Monate) 26
ZKZ (Tage) 426
TMR (kg Trockenmasse) 11,2 Grundfutter,
4,1 Grassilage,
2,9 Energiekonzentrat,
3,7 Eiweißkonzentrat,
0,25 geschütztes Fett,
0,25 Mineralfutter
Melksystem Melkroboter, Fischgrätenmelkstand
Mitarbeiter insgesamt (Anzahl) 2

 

Durch diese Art des Datenaustausches sind für den Landwirt zeitaufwendige Absprachen mit seinen Mitarbeitern hinsichtlich der Rationsgestaltung passé. Schließlich wird auf dem Betrieb in drei Gruppen gefüttert. Neben den Frischmelkern gibt es noch die Trockensteher und die Färsen. Noch dazu erfolgt die Fütterung im wöchentlichen Wechsel. „Je mehr Leute auf einem Betrieb arbeiten, desto mehr Fehler können passieren“, sagt Jens Timmermann. Mit der App lassen sich einfach Rationsbestandteile ändern und sind für jeden freigegebenen Benutzer sichtbar.

„In dieser App ist alles selbsterklärend, selbst wenn ich ein neues Eiweißfutter oder eine neue Silage füttern will. Ich kann die Futtermittel alle einzeln anlegen, sie umbenennen und betriebsindividuell anpassen“, sagt der Milchviehhalter. Gerade bei größeren Betrieben sieht er hier einen Vorteil. „Ich gebe die geladenen Mengen an und die Software summiert die einzelnen Futterbestandteile und berechnet die Menge, die dann auf der Waage des Futtermischwagens stehen muss.“

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Lediglich bei der Beschriftung der Silos auf dem Hof und in der App ist dem Landwirt ein Fehler unterlaufen. „Die Silos waren anders beschriftet als in der App. Das kann natürlich zu Verwechslungen beim Füttern führen. Aber das sind betriebliche Feinheiten“, sagt Timmermann.

Gesundheit und Kosten im Blick

Darüber hinaus kann das Programm die Futtergesundheit bewerten, indem es die Versorgung der Kühe mit Energie und Protein sowie löslichen Kohlenhydraten und Struktur berechnet. Wird zum Beispiel eine neue Grassilage angefangen, wird die Ration in der App angepasst. Hierzu werden Futteranalysen der Silagen durchgeführt und die Ergebnisse automatisch in das Programm eingepflegt.

Eine grafische Übersicht zeigt dem Landwirt einen Mangel oder einen Überschuss einzelner Nähr- und Mineralstoffe an. Anschließend übernimmt die App die neue Rationsberechnung. „Alltägliche Fehler wie falsche Berechnungen neuer Silagen lassen sich dadurch vermeiden“, sagt Jens Timmermann. Auch die Auswertung der Milchleistung im Zusammenhang mit der Fütterung lässt sich grafisch darstellen. Zudem soll eine umfangreiche Futtermitteldatenbank dem Nutzer ermöglichen, auf jede Markt- und Futterlage zu reagieren, ohne dabei Abstriche bei der Milchleistung oder der Futtergesundheit befürchten zu müssen.

Wichtige Kennzahlen wie der Erlös nach Futterkosten (income over feed cost: IOFC), Futterkosten und Grundfutterleistung bei der Rationsgestaltung werden dabei einbezogen, um die preiswerteste Futtermischung zu finden. „Das zeitraubende Herumprobieren der einzelnen Bestandteile fällt dadurch weg. Auf Basis meiner Daten zeigt mir das Programm Rationsvorschläge an“, sagt der Milchviehhalter. Die Umsetzung der Ration wird dabei von der App schrittweise angezeigt, um abrupte Futterumstellungen und somit Auswirkungen auf die Tiergesundheit zu vermeiden. Nach Angabe des Unternehmens lassen sich mit Fodjan zwischen 5 und 10 Prozent der Futterkosten im Betrieb einsparen.

Bessere Vernetzung

Über ein spezielles Beratercockpit hat auch der Futterberater Einsicht. Rationsvorschläge kann er so in der Software Fodjan-Pro eingeben und der Landwirt kann sie wiederum bequem über das Handy mit der Fodjan-App abrufen.

Wird beispielsweise ein neuer Rationsvorschlag eingestellt, schreibt ihm seine Beraterin vielleicht noch eine kurze Whatsapp oder sie telefonieren. Zudem lässt sich anhand der Einträge erkennen, wann eine Ration eingestellt wurde. „Ich kann danach füttern oder ihn anpassen“, sagt Jens Timmermann. Die Änderungen sieht wiederum der Berater in der App und kann vorwarnen, falls sich Tiergesundheitswerte verändern. Diesen direkten Austausch schätzt der Landwirt sehr. Dank der Fütterungssoftware kann der Landwirt heute die gewonnene Zeit anderweitig auf seinem Betrieb einsetzen.

Eine detailliert Gegenüberstellung von Fodjan-App und Foodjan-Pro finden Sie in unserem Faktencheck:

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