Login
Haltung und Mast

Mobile Schlachterei soll Stress reduzieren

© Hälsingestintan
von , am
09.06.2014

In Schweden wurde jetzt eine mobile Schlachterei entwickelt. Die LKW/Hängerkombi kommt direkt auf den Hof, den Tieren soll damit der Transportstress erspart werden.

Das Tier kommt nicht zum Schlachter, sondern der Schlachter zum Tier. © Hälsingestintan
Das schwedische Unternehmen Hälsingestintan hat eigenen Angaben zufolge die erste mobile Schlachterei Europas entwickelt, die direkt auf den Hof gefahren wird. Damit lässt sich laut Firmengründerin Britt-Marie Stegs der Stressanteil für die Tiere beträchtlich verringern.
 
"Gute Tiergesundheit, stressfreies Schlachten im mobilen Schlachthaus und eine reduzierte Klimabilanz sorgen für ein ethisches Qualitätsfleisch", so Stegs. Sie präsentierte das Rinderschlachtmobil zusammen mit dem schwedischen Minister für ländliche Entwicklung Eskil Erlandsson und Professor Bo Algers.

Die Schlachterei kommt zum Tier

Diese neue Art des Schlachtens verhindert, dass die Tiere zuvor teilweise weite Strecken transportiert werden müssen. Stattdessen übernimmt der mobile Schlachthof den Vorgang direkt im gewohnten Umfeld. Das Tier kommt nicht zur Schlachterei, sondern die Schlachterei zum Tier. Zudem erhalten Produzenten mehr Kontrolle über den gesamten Prozess, so Steg.

Wegweisende Innovation

Hälsingestintan nennt dieses Konzept "Ethisches Fleisch" und sieht die innovative Technik als wegweisend an. "Hinter der Investition liegen zwei Hauptgründe - der Verbraucher soll Zugang zu hochqualitativem Fleisch erhalten und die Aufzucht sowie Haltung der Tiere muss hierfür absolute Weltklasse sein."
 
"Unser mobiles Schlachthaus ist der nächste Schritt in die Zukunft der Landwirtschaft und nachhaltigen Lebensmittelproduktion", so Stegs.

Auf Verbraucherwünsche eingehen

Das Schlachtmobil besteht aus zwei Elementen. © Hälsingestintan
Eskil Erlandsson sieht diese Entwicklung ebenso positiv und freut sich auf den Projektstart Mitte September 2014. Das Mobil sei eine Reaktion auf die Wünsche schwedischer Verbraucher: "In den letzten Jahren haben sich im Umkreis landwirtschaftlicher Betriebe zunehmend kleinere Schlachtereien entwickelt. Dies zeigt, dass die Verbraucher Fleisch von Tieren möchten, die ein gutes Leben hatten und keine langen Transporte erdulden mussten". Bisher sollen 50 Landwirte mit der mobilen Schlachterei verknüpft werden.

Wissenschaftliche Unterstützung

Die Methode wird auch von wissenschaftlicher Seite unterstützt. Professor Bo Algers, Veterinär und Forscher an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften SLU, hat langjährige Forschungserfahrung im Bereich der Tiergesundheit. Für ihn wird mit dem mobilen Schlachthaus ein Traum wahr, wie er bei der Präsentation verkündet. "Schlachtung direkt auf dem Hof vor Ort bietet die beste Tiergesundheit, da der enorm stressige Transport vor der Schlachtung wegfällt", so Algers.

Aufbau des Mobils

Das schwedische Schlachtmobil besteht aus zwei Elementen. Zum einen umfasst es eine Zugmaschine mit Büro und Umkleidebereich, an die der Schlachtereianhänger gekoppelt ist. Die andere Zugmaschine sorgt mit einem Anhänger für die Kühlung des Fleisches. Aktuell können mit vier Personen bis zu 30 Tiere geschlachtet werden. Das Mobil verfügt über eine eigene Wasser- und Stromversorgung.
Auch interessant