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Milchproduktion

Molkereien kündigen Milchpreisempfehlung auf

von , am
30.03.2010

Paris - In Frankreich haben die Molkereien die interprofessionelle Milchpreisempfehlung von Juni 2009 aufgekündigt. Der zuständige Dachverband (FNIL) weigerte sich die neuen Preisindikatoren für das zweite Quartal 2010 zu unterzeichnen.

© Sandor Jackal/fotolia

Demnach sollten die Auszahlungspreise je nach Produktmix der Molkereien zwischen 5,7 Prozent und 11,6 Prozent gegenüber dem Durchschnittwert von 2009 angehoben werden. Für den FNIL liegt das eigentliche Problem jedoch jenseits des Rheins bei den deutschen Nachbarn und Konkurrenten. "Unser Auszahlungspreis lag 2009 um 15 Prozent über dem Niveau in Deutschland, unserem wichtigsten Kunden und Lieferanten, und zählt damit zu den höchsten Milchpreisen in Europa", beklagte der Fachverband.

Wer diese Situation außer Acht lasse, gefährde die wirtschaftliche Entwicklung der französischen Regionen, Arbeitsplätze und Absatzmöglichkeiten für die französischen Milchproduzenten, wetterte der FNIL. Die Produzenten wollen jedoch auf diesem Ohr nicht hören. Ihr Fachverband FNPL konterte, die Wettbewerbsstärke messe sich nicht ausschließlich am Rohstoff. Zugleich forderte der FNPL die Einhaltung der Milchpreisempfehlung. Diese ist allerdings französischen Fachleuten zufolge vor Ort in den Regionen umstritten und wird als einer der Gründe für den Zulauf des Verbandes der Unabhängigen Milcherzeuger (APLI) genannt, der im vergangenen Herbst gemeinsam mit der alternativen Milchproduzenten-Organisation (OPL) zu Lieferstreiks aufgerufen hatte.

"Nachhaltige Lösung"gefordert

Ungeachtet der Einwände der Milchproduzenten machten die privaten Molkereien klar, keinesfalls Indikatoren zu akzeptieren, die durch enorme Preisabweichungen gegenüber den wichtigsten Mitbewerbern "die wirtschaftliche Realität verschleiern". Laut FNIL lag der französische Milchauszahlungspreis während des gesamten letzten Jahres im Schnitt um 15 Prozent über dem deutschen Niveau. Dies habe zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Milchverarbeiter geführt, der sich konkret in einem Exportrückgang von acht Prozent bei Emmentaler und von 15 Prozent bei Konsummilch niedergeschlagen habe, während umgekehrt Frankreichs Einfuhren derselben Erzeugnisse um zwei Prozent beziehungsweise um 38 Prozent zugelegt hätten.

Genossenschaften für weitere Zusammenarbeit 

Der Dachverband der Genossenschaftsmolkereien (FNCL) bedauerte zwar die Missstimmung in der Milchinterprofession (CNIEL), teilte indes die Analyse der privaten Molkereien über deren wirtschaftliche Verschlechterung. Gleichwohl appellierte der FNCL an die Vertreter der Milchbranche, weiterhin im Rahmen der Interprofession zusammenzuarbeiten, um eine tragfähige und nachhaltige Lösung zu finden. Vorgeschlagen wurde unter anderem die stufenweise Anwendung eines Wettbewerbsindikators, der sich stärker an der Entwicklung der Butter- und Magermilchpulvermärkte orientiere.

Einkommensrückgang  ist "eine traurige Realität"

Der Milcherzeugerverband FNPL bezeichnete die Entscheidung der privaten Molkereien als "unverständlich". Nach seiner Ansicht ist der konjunkturelle Trend eher günstig, zumal die Nachfrage für Milchprodukte wieder zulege und im Januar 2010 gegenüber dem Vorjahresmonat bereits ein Plus von 15,5 Prozent verzeichnet habe. Der Absatz von Konsummilch sei um 17 Prozent gestiegen. Zugleich gab der FNPL zu bedenken, dass der Einkommensrückgang der Milchproduzenten um 54 Prozent "eine traurige Realität ist". Man habe mittlerweile offensichtlich auch vergessen, dass der Milchpreis in Frankreich im Jahr 2007 noch niedriger als in Deutschland gewesen sei.

Asymmetrisches Kräfteverhältnis  

Besorgt über die Auseinandersetzungen in der Interprofession hat sich auch der Präsident des französischen Bauernverbandes (FNSEA), Jean-Michel Lemétayer, geäußert. Es bleibe nur zu hoffen, dass die Frage des Milchpreises nicht den anstehenden Verbandskongress störe, bei dem eine verantwortungsvolle Berufsstandsvertretung im Mittelpunkt stehe, hieß es beim Bauernverband. FNPL-Präsident Henri Brichart kritisierte indes das seiner Meinung nach asymmetrische Kräfteverhältnis zwischen den Milchbauern und Molkereien. Ohne ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Branchenmitgliedern könne eine Interprofession nicht korrekt funktionieren, meinte Brichart. (AgE)

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