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Interview

Mortellaro: 5 Tipps für ein wirksames Klauenbad

Eine Kuh ist an der Mortellaro'schen Krankheit erkrankt
am Mittwoch, 04.12.2019 - 11:28 (Jetzt kommentieren)

Die Mortellaro’sche Krankheit ist in vielen Betrieben ein Dauerthema. Dr. Dörte Döpfer, Professorin für Tiermedizin an der Universität von Wisconsin in den USA, gibt Tipps, was wirkt.

Welche Tipps haben Sie für ein wirksames Klauenbad?

  • Viel hilft nicht viel. Scharfe Behandlungen mit hoch konzentrierten und zu häufig angewendeten Klauenbädern bringen nichts, im Gegenteil: Sie verschlimmern die Situation nur noch. Denn sie reizen die Haut und provozieren damit neue Infektionen.
  • Ideal sind drei Klauenbadtermine pro Woche. Hat man mehr Läsionen nach einem Klauenbad, dann ist die Konzentration zu hoch. Das sollte man dann so lange anpassen, bis sich die chronischen Läsionen mildern.
  • Der pH-Wert des Klauenbads sollte zwischen 4 bis 5,5 liegen.
  • Wichtig sind auch die Maße des Klauenbads. Die Wanne sollte mindestens 3,50 m lang und 50 cm breit sein. Und sie sollte so konzipiert sein, dass jede Kuh mindestens zweimal pro Klaue mindestens 6 cm tief in die Lösung tritt.
  • Je nach Verschmutzungsgrad der Klauen muss die Biozidlösung spätestens nach 300 Kühen gewechselt werden.

Welche Tipps geben Sie Landwirten, die mit der Mortellaro'schen Krankheit zu kämpfen haben?

Eine regelmäßige Klauenpflege ist ein absolutes Muss. Wir können es uns nicht mehr leisten, dass man zwei Wochen auf den Klauenpfleger wartet, bis er eine von Mortellaro betroffene Kuh behandelt. Chronisch erkrankte Kühe sind die Problemtiere in der Herde. Sie sind die Indikatortiere für neue Ausbruchsschübe. Sinnvoll ist es daher, die Herde regelmäßig, idealerweise einmal in der Woche, an den Klauen der Hinterbeine auf die Mortellaro'sche Krankheit zu kontrollieren. Das sollte dokumentiert werden, um den Verlauf der Erkrankung bewerten zu können. So können Landwirte den Erfolg ihrer bisherigen Maßnahmen überprüfen. Außerdem sollten Landwirte Risikofaktoren im Betriebsalltag bedenken, die ein erneutes Aufflammen von Mortellaro auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel der Tierzukauf und Hitze im Stall. Die Mortellaro'sche Krankheit ist mehr als eine rote Wunde, auf die man etwas draufschmiert und fertig.

Welche Kosten entstehen durch die Mortellaro'sche Krankheit?

Es können Kosten in Höhe von 140 bis 280 Euro pro behandelter Kuh entstehen. Aber die wirklichen Kosten sind viel höher. Forschungen haben ergeben, dass eine Mortellaro-Kuh in der ersten Laktation 400 bis 500 kg weniger Milch gibt. Das wird in keine Kostenkalkulation einbezogen. Dadurch werden die eigentlichen Kosten unterschätzt.

Werden bestimmte Rinderrassen eher als andere von der Mortellaro'schen Krankheit befallen?

Ja, es gibt eine genetische Veranlagung für die Mortellaro‘sche Krankheit. Vor allem Schwarz- und Rotbunte und deren Kreuzungen sind von der Klauenerkrankung betroffen. Auch andere Rassen, wie zum Beispiel Angus oder Braunvieh, können an Mortellaro erkranken. Aber seltener. Hat eine Kuh die Mortellaro'sche Krankheit und ihre Ahnen auch, dann kann man davon ausgehen, dass diese Linie prädestiniert für Mortellaro sind. Als Landwirt sollte man sich dann überlegen, ob man diese Tiere nicht abschafft.

Vielen Dank für das Interview.

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