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Milchproduktion

Neuer Rindervirus: Symptome und Vorsichtsmaßnahmen

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von , am
16.07.2013

Über 1.500 Rinder sind in NRW inzwischen dem Typ 2 der Bovinen Virus Diarhoe zum Opfer gefallen. Typ 1 ist in Betrieben bereits bekannt, die neue Form verursacht teils erhebliche Schäden und Verluste.

Um den Impfkostenzuschuss zu erhalten, muss die Impfung vom Rindergesundheitsdienst befürwortet werden. © landpixel
Eine neue Form der Bovinen Virus Diarhoe (BVD) greift in Nordrhein-Westfalen um sich. Während BVD-Typ 1 in den Betrieben bereits bekannt war, ist das Virus vom Typ 2 eine neue Form.
 
Über 1.500 Tiere sind mittlerweile den Folgen des Virus zum Opfer gefallen, das sich über Tröpfchen- und Schmierinfektionen weiter verbreitet. Bereits geringe Mengen Kot oder Nasenschleim enthalten Erreger für 200.000 Neuansteckungen.

Virus mit Erreger der Schweinepest verwandt

Der DLG-Ausschusses für Milchproduktion und Rinderhaltung hat über das aktuelle Krankheitsgeschehen kürzlich diskutiert. Wie Dr. Mark Holsteg vom Tiergesundheitsdienst in Nordrhein-Westfalen informierte, ist das Virus verwandt mit dem Erreger der Schweinepest und breitet sich ähnlich schnell und verheerend aus. Insbesondere bei kalter und feuchter Witterung ist das Virus lange überlebensfähig.
 
Die Symptome eines erkrankten Tieres sind zu Beginn unspezifisch:
  • hohes Fieber,
  • Lungenerkrankungen,
  • blutiger Durchfall
  • und/oder Schleimhauterosionen.
Etwa 30 bis 50 Prozent der Tiere gehen an den Folgen der Krankheit ein. In einzelnen Mastbetrieben starben bis zu 80 Prozent aller Tiere. Überlebende Tiere bleiben in ihrer Entwicklung zurück und erholen sich in der Regel nicht vollständig.

Tierseuchenkassen müssen nicht zahlen
 
Tierseuchenkassen müssen den Ausfall nicht zwingend regulieren und nicht alle Rinderhalter verfügen über Ertragsschadensversicherungen. Zwar wurden seit sechs Wochen keinen neuen betroffenen Milchviehbetrieb mehr gemeldet, "aber solange die Quelle nicht eindeutig identifiziert ist, gibt es keine Gewissheit, dass es nicht wieder losgeht", warnt Dr. Holsteg.

Hygienemanagement ernst nehmen, Gefährdungsgrad klären

Betriebsbesucher und Viehhändler stellen für den Eintrag des Virus in den Bestand das größte Risiko dar. Holsteg appellierte an die Milcherzeuger, ihr Hygienemanagement ernst zu nehmen. Dazu gehören neben betriebseigener Kleidung für Tierärzte und Besamer auch die Wiedereinführung von Desinfektionsmatten und gesonderte Auto-Stellplätze für betriebsfremde Besucher oder Viehhändler.
 
Der Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät allen Rinderhaltern, die zurzeit nicht gegen BVD impfen, Kontakt mit dem Hoftierarzt aufzunehmen, um den Gefährdungsgrad des Betriebes zu klären und neben der Impfung auch geeignete Hygienemaßnahmen zu besprechen. Zwar könne mit Impfstoffen gegen den BVD Typ 1 das Auftreten des BVD Typs 2 nicht ausgeschlossen werden. Die Auswirkungen können jedoch deutlich abgemildert werden.
Bei den BVD Erkrankungen handelt es sich, genau wie bei der Schweinepest, nicht um ein Zoonose. Dies bedeutet, dass für den Menschen keine Gefahr besteht. 

Neuwahlen im Ausschuss

Der seit 2009 bestehende DLG-Ausschuss Milchproduktion und Rinderhaltung beschäftigt sich insbesondere mit ökonomischen und produktionstechnischen Aspekten der Milcherzeugung sowie mit strategischen Fragestellungen des Betriebsmanagements. Im Ausschuss vertreten sind Milcherzeuger, Berater und Wissenschaftler. Vorsitzender des Ausschusses ist Ulrich Westrup, Milcherzeuger aus Osnabrück (Niedersachsen).  
 
Neben Informationen zu BVD und Hygienemanagement standen Wahlen auf der Tagesordnung. Für weitere drei Jahre wurden
  • Klaus Keim, Landwirt aus Baden-Württemberg,
  • Claudia Müller, Landwirtin aus Hessen,
  • Stefanie Wetekam, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, und
  • Landwirtin Judith Siebers aus Nordrhein-Westfalen gewählt.
Neu im Ausschuss sind Eckard Kümmerer, Milcherzeuger aus Baden-Württemberg, und Dr. Hans Joachim Herrmann vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Klaus Keim wurde zum zweiten Vorsitzenden gewählt.

Homöopathie in der Milchviehhaltung (März 2013)

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